Big-Data im Gesundheitswesen Kein Data-Mining bei Versicherern – noch nicht

Schweizer Krankenversicherer gehen behutsam mit Kunden-Daten um. Dennoch ist Big Data wohl in ihren Agenden angekommen.

Eine Big-Data-Tafel an der Wand. Davor eine Reihe leerer Stühle. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch spielt die Big-Data-Musik bei Schweizer Krankenversicherern vor mehrheitlich leeren Rängen. Reuters

Forschungsunternehmen entschlüsseln das menschliche Genom und stellen für teures Geld ihre Daten Dritten zur Verfügung. Der Datenlieferant schaut dabei finanziell in die Röhre, ja, er weiss noch nicht einmal etwas von diesem Datendeal.

Was in den USA und Grossbritannien bereits an der Tagesordnung ist, gilt in der Schweiz noch als digitaler Sündenfall. Die Frage ist, wie lang noch?

Kein Big Data – oder doch?

Die Rückfrage beim Schweizerischen Versicherungsverband SVV zur Big-Data-Praxis seiner Mitglieder zeitigt eine eher dünne Antwort. Der Verband habe keine Kenntnis von entsprechenden Aktivitäten, teilt Sprecherin Sabine Alder mit.

«Wir unterstützen unsere Mitglieder eher in politischen Prozessen», sagt Alder. Wie die einzelnen Versicherer mit Kundendaten umgehen, sei deren Angelegenheit. Bislang habe der Verband auch kein Regelwerk zur Big-Data-Nutzung angelegt.

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Big Data im Gesundheitswesen

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Ganz so jungfräulich sind die Versicherer im Thema Big Data aber dennoch nicht zugange. Christian Feldhausen räumt ein, sein Unternehmen verfolge «die Entwicklungen zum Thema Big Data, insbesondere auch die damit verbundenen Technologien».

Der Pressechef der Groupe Mutuel geht aber von einer Big-Data-Definition aus, die an jene des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) anschliesst. Und da heisst es explizit, dass bei Big-Data-Verfahren die Zwecke der Datensammlung und -analyse nicht transparent seien. Zudem könnten die Daten wieder auf einzelne Personen zurückgeführt werden.

«Heute macht die Groupe Mutuel im Sinne dieser Definition kein «Big Data», denn wir verarbeiten und bearbeiten grosse Datenmengen nach transparent präzis festgelegten Richtlinien mit klaren Zielsetzungen», schreibt Feldhausen. Dabei werde der Datenschutz und die Einhaltung der jeweils geltenden gesetzlichen Regeln zusätzlich durch einen internen, unabhängigen Datenschutzbeauftragten sichergestellt.

Laufend Daten generieren

Bei vielen Versicherern steckt Big Data noch in den Kinderschuhen.
Insgesamt sei da «noch zu wenig Fleisch am Knochen, um offiziell darüber zu reden», sagt beispielsweise Riccarda Schaller, Leiterin Kommunikation und Gesundheitspolitik bei Sanitas in einem Vorgespräch.

Man sei daran, Pilotkonzepte im Zusammenhang mit Big Data in den Bereichen Gesundheitsprävention und Kundendienst zu entwickeln. Zu nennen ist da «Sanitas Active». Die Versicherung hat dieses Pilotprojekt im Herbst 2016 lanciert. Dabei werden Kunden zu zusätzlicher Bewegung animiert, was nachgewiesenermassen das Risiko für viele Krankheiten reduziert.

Die dabei gesammelten Daten können Versicherungsnehmer mit Sanitas teilen. Sanitas liefert den Kunden als Gegenleistung den anonymisierten Vergleich, wie weit andere Kunden laufen. «Im Moment wird analysiert, wie diese Daten weiteren Kundennutzen generieren können», schreibt Schaller in einer Email.

Ist der Kunde der Lauferei überdrüssig, kann er laut dem entwickelten Datenschutzkonzept jederzeit die Löschung seiner Daten verlangen. Ähnlich klingt es bei der Krankenversicherung ÖKK.

Im Rahmen der Digitalisierung würden aktuell verschiedene Projekte laufen, antwortet Marielle Hunger. Die Beraterin Unternehmenskommunikation erwähnt dabei Weiterentwicklungen digitaler Angebote für Kunden, besipielsweise die Webseite, sowie die Mobile-App. Dies seien jedoch keine eigentlichen Big-Data- Projekte.

Angesichts des weltweiten Booms von Big-Data-Verfahren und den verlockenden Möglichkeiten dürfte diese allgemeine Beschaulichkeit für alle Versicherer wohl eher nur von begrenzter Dauer sein.