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Schweiz Kinderbetreuung: Die Wirtschaft in die Pflicht nehmen?

Die Obwaldner Regierung schlägt vor, dass sich die Wirtschaft an der Finanzierung der Kinderbetreuung beteiligen soll. Damit wäre Obwalden der erste Deutschschweizer Kanton, der ein solches System einführt. Heute entscheidet das Parlament über den Vorschlag.

Vier Kinder spielen mit Spielzeug, das auf einem Teppich liegt.
Legende: Bei der Kinderbetreuung soll auch die Wirtschaft zur Kasse gebeten werden. Keystone

Mittagstische und Hortplätze für Kinder sind begehrt. Entsprechend gibt es in vielen Kantonen Bemühungen, diese Angebote auszuweiten. Ein Streitpunkt sind aber immer wieder die Kosten. Als erster Deutschschweizer Kanton will die Regierung von Obwalden nun die Wirtschaft finanziell an der ausserschulischen Kinderbetreuung beteiligen. Bei den Unternehmen, die zur Kasse gebeten werden sollen, sind die Meinungen geteilt.

Nicht Aufgabe der Wirtschaft

Widerstand kommt vor allem von rechts. Susann Schmid ist Vorstandsmitglied der SVP Obwalden und Eigentümerin einer Parkett-Firma in Alpnach. Sie ärgert sich über den Vorstoss der Regierung: «Es kann nicht sein, dass der Arbeitgeber von morgens um sieben Uhr bis abends um 18 Uhr dafür verantwortlich ist, dass die Kinder betreut werden.» Susann Schmid stellt klar, dass es nicht Aufgabe der Unternehmen sei, für die Kinderbetreuung zu bezahlen.

Gut gegen Fachkräftemangel

Der Obwaldner Gewerbeverband steht der Idee hingegen positiv gegenüber. Vizepräsident Jonas Wieland, der selber einen Kaminfegerbetrieb führt, verweist auf den Fachkräftemangel, der durch diese Neuerung bekämpft werden könnte: «Durch diese Massnahme wird sich die eine oder andere gut ausgebildete Fachfrau, die heute Mutter ist, vielleicht überlegen, ihre Arbeitskraft wieder der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.»

Eine halbe Million Franken für die Firmen

Der aktuelle Vorschlag sieht vor, dass die Firmen insgesamt eine halbe Million Franken bezahlen. Mit Beiträgen, die sich nach der Betriebsgrösse richten. Konkret müssten sie 0,4 Promille der Gesamtlohnsumme abgeben. Laut Jonas Wieland ein angemessener, verkraftbarer Aufwand, den die Wirtschaft auf sich nehmen müsste. Anders sieht dies Susann Schmid. Sie spricht von den Schwierigkeiten, die der Produktionsstandort Schweiz an sich mit sich bringe. «Schlussendlich ist es ein Betrag, der unsere Produkte nochmals verteuert. So wird es für uns noch schwieriger, auf dem Markt bestehen zu können.»

Susann Schmid beruft sich auch auf andere Kantone. In Zürich wurde erst kürzlich an einer Volksabstimmung über die Frage entschieden, ob sich die Wirtschaft an der Kinderbetreuung beteiligen soll. Die Vorlage scheiterte deutlich. In Obwalden ist jetzt erst einmal das Parlament an der Reihe. Es entscheidet heute über den Vorschlag.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Es gab mal einen Bericht über eine Stadt in DE (Hameln oder Hamm?), die beschlossen hatte, genügend Kinderbetreuungsplätze für alle gratis zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis: Zuzug von jungen Familien, hohe Beschäftigung und dadurch mehr zusätzliche Steuereinnahmen, als die Kinderbetreuung kostete. Aber so rechnen, hiesse ja, vernünftig UND sparsam sein – und wer will das schon?? Auch bei allen Firmen, die Kinderbetreuung selbst – ggf. im Verbund mit anderen – anbieten, rechnet es sich m.W.
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Natürlich kann ich in Vietnam günstiger produzieren lassen. Die stellen nämlich keine solchen Fragen. Bin ich also von hier oder bin ich nur auf Profit aus? Auch wenn es zum klassischen Familienbild gehört: Jeden Tag zu Hause sitzen macht auch nicht glücklich. Vor allem, wenn man viel in Ausbildung und Beruf investiert hat. Traurig, wenn man deshalb den Standort in Frage stellt.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Bei Licht betrachtet, müsste Frau Schmid ca. sFr.30.00 pro Angestellten und Monat bezahlen. Das ist nicht nichts, aber auch nicht wirklich viel. Wenn sie dadurch verhindern kann, dass offene Stellen von "Ausländern" besetzt werden, die vielleicht sogar noch frisch in die Schweiz einreisen, wäre das eigentlich SVP-linientreu. Offensichtlich ist sie aber nicht bereit, auch einen bescheidenen Beitrag zu leisten und bleibt lieber beim Lamentieren über die masslose Masseneinwanderung.
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