Kindesentführungen: Kantone testen Push-Alarm

Ein Kind wird in ein Auto gezerrt und entführt: Jetzt zählt jede Sekunde für Hinweise aus der Bevölkerung. Deshalb haben die Kantone vor fünf Jahren den SMS-Alarm eingeführt. Weil sich aber fast niemand registriert hat, wollen sie künftig vor allem auf andere Kanäle setzen.

Ein Polizist und sein Spurenhund waten durch einen Bach. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Polizist sucht 1986 bei Wetzikon TG nach einer vermissten Achtjährigen. Keystone

Mit über elf Millionen gibt es in der Schweiz mehr Handys als Einwohner. Aber nur 60'000 Personen würden auf ihrem Handy alarmiert, wenn in der Schweiz ein Kind entführt wird.

Nicht gerade viel, findet Philipp Maier von der Kriminalpolizei Schaffhausen. Er leitet die zuständige Arbeitsgruppe der Kantone. «Wir haben festgestellt, dass zu Beginn eine sehr grosse Welle losgetreten wurde», sagt er. In den ersten Wochen seien über 40‘000 von den 60‘000 Registrierungen insgesamt zustande gekommen. Die restlichen 20‘000 seien dann «eher schleppend» eingegangen.

Zwar können sich Handynutzer weiterhin registrieren und bei einer Entführung würde auch eine SMS versandt. Doch um noch einen grösseren Teil der Bevölkerung zu erreichen, setzt die Arbeitsgruppe in Zukunft stärker auf die Online-Medien und deren sogennanten Push-Meldungen. Solche kennen viele Handynutzer bereits: Als Push-Meldungen erhalten sie aktuelle Nachrichten auf ihr Smartphone.

Bund mit neuer Gefahren-App «alertswiss»

Noch gezieltere Fahndungsinformationen könnte der Bund selbst mit seiner neuen Gefahren-App «alertswiss» versenden. Ab 2017 will er mit dieser nur Nutzer in einer bestimmten Region erreichen können. Wenn ein Kind beispielsweise in Aarau in ein Auto gezerrt wird, könnte er alle App-Benutzer in der Umgebung von Aarau mit den Fahndungsinformationen versorgen.

In der Praxis musste sich der Entführungsalarm aber noch nicht bewähren: Die Kantone haben ihn noch nie ausgelöst.