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Gastro-Präsident Platzer: Heizpilze, um den «Corona-Marathon» zu überstehen
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.10.2020.
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Klima vs. Corona «Unsinn!»: Gastro und Grüne streiten sich wegen Heizpilzen

Die Gastrobranche fürchtet, dass im Winter die Gäste ausbleiben – und fordert Wärmestrahler für Aussenbereiche.

Die Tage werden kürzer und die Temperaturen fallen. In Corona-Zeiten stellt das Gastrobetriebe vor eine besondere Herausforderung. Noch im Sommer konnten viele Bars und Restaurants ihre Gäste grosszügig in den Aussenbereichen bedienen – und damit trotz der Abstandsregeln einen wirtschaftlichen Betrieb hochfahren.

In der kalten Jahreszeit fürchtet die Gastrobranche aber nun, dass das Geschäft wieder einbricht. Die naheliegende Lösung: Heizpilze. Die Wärmestrahler würden es den Betrieben erlauben, weiterhin Gäste an der frischen Luft zu bedienen. Die einleuchtende Logik: mehr Tische, mehr Gäste, mehr Einnahmen.

Die Covid-Krise ist noch nicht vorbei. Wir sind vielleicht erst auf den ersten Kilometern eines Marathons.
Autor: Casimir PlatzerPräsident von GastroSuisse

Wie im Sommer brauche es jetzt schnelle und unbürokratische Massnahmen, um dem Gastgewerbe zu helfen, fordert denn auch Casimir Platzer, der Präsident von GastroSuisse. «Die Covid-Krise ist noch nicht vorbei. Wir sind vielleicht erst auf den ersten Kilometern eines Marathons.»

Umstrittene Wärmespender

Gerade kleinere Betriebe seien dringend auf die Aussenflächen angewiesen, um mehr Gäste bewirten zu können. «Zumal diese wohl auch im Winter lieber draussen sitzen als in einem engen Lokal», vermutet Platzer. Das Problem: Heizpilze gelten wegen ihres hohen Energieverbrauchs als klimaschädlich. In einigen Regionen der Schweiz sind sie aus Umweltgründen sogar verboten.

Corona darf kein Feigenblatt sein, damit man diese veraltete Technologie wieder einführt.
Autor: Thomas ForrerFraktionschef der Grünen im Zürcher Kantonsrat

Für den Zürcher Grünen-Politiker Thomas Forrer sind Heizungen im Freien schlicht «Unsinn». «Die warme Luft entschwindet draussen sofort. Das ist energetisch äusserst ineffizient.»

Klimaschutz in Ehren: Doch wäre es in der aktuellen Ausnahmesituation nicht angezeigt, den Gastronomen entgegenzukommen? Forrer hat Verständnis für die schwierige Situation der Branche. «Corona darf aber kein Feigenblatt sein, damit man diese veraltete Technologie wieder einführt.»

Für Gastro-Suisse-Präsident Platzer ist jedoch klar: Aussergewöhnliche Zeiten erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. «Wenn man Heizmöglichkeiten mit einer ausgeglichenen CO2-Bilanz hat, sollte man für den nächsten Winter Ausnahmen gewähren. Alles andere ist unverständlich.»

Geht es nach Platzer, sollten zumindest Heizpilze bewilligt werden, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. «Oder man könnte den CO2-Ausstoss kompensieren oder mit Holz heizen.»

Angestellte bedient Heizpilz in deutschem Restaurant
Legende: Auch im Ausland – wie hier in Deutschland – wird derzeit kontrovers diskutiert. Einzelne Städte zeigen sich offen für eine temporäre Ausnahmeregelung für Heizpilze – andernorts ist das Thema Tabu. Getty Images

Doch auch Heizpilze, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, sieht Forrer kritisch: «Biogas ist eine derart wertvolle Energieressource, dass es wenig Sinn macht, diese als Wärme in die Luft hinauszublasen.»

Zelte und Hütten in Aussenbereichen sind eine weitere Möglichkeit, um Gäste im Winter draussen zu bewirten. In vielen Gemeinden und Kantonen wird derzeit diskutiert. Zumindest bei Zelten braucht es für Platzer aber ebenfalls Möglichkeiten zu heizen.

Reicht die gute alte Wolldecke?

Die Empfehlung des Grünen-Politikers: Wolldecken statt Heizpilze, und womöglich auch Zelte oder Hütten in Aussenbereichen – dies allerdings unter Einbezug der Anwohner, denen die Betriebsamkeit vor der eigenen Haustüre ein Dorn im Auge sein könnte.

Der Grüne Kantonsrat schliesst mit einem Plädoyer. «Wir als Gäste haben es in der Hand, etwas für die Gastwirte zu tun: Wir können dafür sorgen, dass die beschränkten Plätze in den Lokalitäten ausgelastet sind – und auch mal zu Randzeiten ins Restaurant gehen.»

SRF 4 News, 06.10.2020, 6:25 Uhr;

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46 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Ich bin nicht gegen die Gastro-Branche. Aber wenn besondere Situationen besondere Massnahmen erfordern, soll man trotzdem überlegen was eine sinnvolle besondere Massnahme wäre. Heizpilze gehören m.E. nicht dazu. Man erinnere sich: Als das Rauchverbot in Restaurants angekündigt wurde, wähnte sich die Branche im kollektiven Konkurs. Inzwischen ist klar dass die Branche ganz im Gegenteil profitiert hat. Viel mehr Qualität (Atmosphäre) und daher mehr Essen. Also: Denkt Euch Schlaueres aus.
  • Kommentar von Ulrich Schlegel  (genau)
    Heizpilze heizen nur den Kopf (wie weit die Austrocknung der Schleimhäute dabei das Virus fördert, wäre noch zu untersuchen); sie sind in ihrer Funktion sinnlos, ökonomisch unsinnig und ökologisch eine Katastrophe. Mir ist im Uebrigen das ewige Gejammer von Platzer verleidet - alle leiden unter der Coronakrise, nicht nur die Gastronomie.
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Zuerst war die Schweiz verantwortlich für den Klimawandel und jetzt sind es schon Heizpilze die mit Gas gefüttert werden, es wird immer absurder.
    Die selben die jetzt ein t
    TamTam wegen dieser Heizpilze( ich muss schon wieder lachen, so lächerlich ist es) machen, fordern dann dass man Gaskombikraftwerke baut um die Kernkraftwerke früher abschalten zu können. Einfach nur noch eine Muppet Show ist das hier.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich gehe davon aus, dass Sie sich täuschen. Ich habe schon einige Jahre nirgends mehr die Forderung nach Gaskraftwerken vernommen. Wenn, dann dürfte dies eher in engen Zirkeln laut werden. Die Meisten Leute die ernsthaft die Reduktion unseres Oeko-Footprints fordern und anstreben sind sich bewusst, dass wir keinen Bedarf an Gaskombi-Kraftwerken haben.