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Ein Jahr an der FDP-Spitze Konnte Petra Gössi den Kurs halten?

Legende: Video «Ein Jahr Parteipräsidentin: Petra Gössi» abspielen. Laufzeit 3:41 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.06.2017.

«Ich werde als Präsidentin das Rad nicht neu erfinden, aber ich will das Rad der Freisinnigen vorwärtstreiben. Das sagte vor vierzehn Monaten die damals wenig bekannte Schwzyer Wirtschaftsanwältin Petra Gössi bei ihrer Wahl. Sie übernahm die Geschicke der Partei von Philipp Müller, der die FDP wieder auf die Erfolgsstrasse geführt hatte. Konnte sie ihr Versprechen einlösen? Gössi und der Politikwissenschaftler Michael Hermann blicken auf das erste Präsidialjahr zurück.

Die Fakten:

  • Nach acht kantonalen Wahlen: Die FDP verzeichnet 10 Sitzgewinne.
  • Von zwölf eigenössischen Abstimmungen hat die FDP 11 gewonnen.

Hat die neue Präsidentin die Erfolgswelle der FDP zu verantworten?

Petra Gössi: «Hauptsache, wir haben Erfolg. Als ich bei der FDP angefangen habe zu politisieren, durfte man das kaum laut sagen. Und unterdessen haben die Menschen wieder Freude, bei uns mitzumachen. Ich bin viel an der Basis unterwegs und man fühlt den positiven Drive. Das müssen wir so weitertragen. Das ist auch ein ganz grosser Verdienst der letzten paar Monate. Und das Ziel ist, das so weiterzuziehen bis zu den nationalen Wahlen.»

Michael Hermann (Politikwissenschafttler): «Frau Gössi hat es leicht und schwer. Sie hat es leicht, weil sie eine Partei übernommen hat, die erstmals wieder in einer guten Form ist – wieder zugelegt hat. Sie hat es schwer, weil sie aus dem grosse Schatten von ihrem Vorgänger Philipp Müller heraustreten musste. Ich würde sagen, zumindest das ist ihr doch recht gut geglückt. Sie konnte sich ein eigenes Profil erarbeiten.

Die Frage ist, ob sie jetzt immer noch vom Erfolg Müllers profitiert oder ob es bereits ihr eigener Erfolg ist. Das kann man heute wohl noch nicht genau sagen.»

Jüngst war die FDP nicht immer geschlossen: Ein Problem auch in Zukunft?

Petra Gössi: «Wir haben jetzt bei vielen Abstimmungen gesehen, dass wir sehr geschlossen sind. Ich erinnere an die Altersvorsorge 2020. Natürlich gibt es manchmal Fragen, bei denen wir von Anfang an wissen, hier ist die FDP gespalten. Das gilt übrigens genauso für die Basis. Als Beispiel wäre hier die Energiestrategie zu nennen.

Ich finde, das ist durchaus zulässig. Was mir aber viel wichtiger ist, dass wir geschlossen in die Zukunft sehen können. Gerade bei der Energiefrage ist für uns klar: Wir wollen eine Liberalisierung des Marktes vorantreiben. Und das wollen wir gemeinsam, geschlossen erreichen.»

Michael Hermann: Die FDP hatte in den letzten Jahren den Ruf, sehr geschlossen aufzutreten. Jetzt sieht es so aus, als gebe es bei der Energiestrategie Brüche in der Partei. Ganz wichtig ist für Frau Gössi, dass sie es schafft, die Partei weiterhin grundsätzlich beieinander zu halten. Und dass sie genügend Autorität entwickeln kann, damit sich nicht wieder neue Flügel ausbilden können.

Welche Schulnote bekommt Gössi?

Petra Gössi: 5,5

(Begründung: «Wenn ich eine tiefere Zahl genommen hätte, dann wäre mir angekreidet worden, das sei typisch für Entscheidungsschwache. Hätte ich einen ganz tiefen Wert genommen, dann hätte es geheissen: Typisch Frau, stellt ihr Licht unter den Scheffel. Und damit zeige ich: Es gibt noch Luft nach oben, aber ich setze hoch an.»)

Michael Hermann: 4,5.

Welche Note geben Sie Petra Gössi?

  1. 1 – schlecht
    %
  2. 2 – schwach
    %
  3. 3 – ungenügend
    %
  4. 4 – genügend
    %
  5. 5 – gut
    %
  6. 6 – sehr gut
    %

Vielen Dank für Ihre Teilnahme.

Sendebezug: «10vor10», 19.06.2017, 21:50 Uhr

3 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    "Kann Petra Gössi den Kurs halten?" ist die falsche Frage, denn für die Lösung der Zukunftsprobleme braucht es mehr als "Kurs halten". Ich bin aber zuversichtlich, dass PG den Erfolg noch steigern kann, weil: Sie kann aus dem Vollen schöpfen, ihrem eigenen Charakter vertrauen und braucht nicht, wie Rösti, vorsorglich nach Tönen aus Herrliberg zu lauschen, oder (wie Pfister) doktrinär einen Kurs zu verfolgen. Das färbt auch ab auf die Parteimitglieder und gibt dem Wort "Freisinn" einen Sinn.
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    1. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      Die FDP hat bei den letzten Wahlen zugelegt, weil einige enttäuschte SVP-Wähler ihr die Stimme gegeben haben, andere taten es, um den Linken den Weg ins Parlament zu schneiden.Seitdem sieht sich die FDP wieder stark und fährt einen alten neo-liberalen Kurs, der für Wachstum alles tut.Sogar mit den linken kuscheln, in die Kamera schauen und behaupten,die MEI wäre umgesetzt. P.Gössi ist eine würdige Vertreterin der Wirtschaftsprofitöre,die Freiheit beim Ausverkauf der CH und beim Auslagern wollen.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Die SVP ist auch eine neoliberale Partei unter dem Deckmantel traditioneller Schweizerischer Werte
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