Die Pandemie brachte viele an den Anschlag, und manche wurden krank. Doch an Basler Schulen besserte sich die Lage auch danach kaum mehr. Seit 2020 haben die Ausfälle unter Basler Lehrerinnen und Lehrern um 27 Prozent zugenommen.
Die Lücken zu stopfen, damit die Schulkinder dennoch unterrichtet werden, ist aufwendig und teuer. Von 2022 bis 2024 musste der Stadtkanton jeweils rund acht Millionen Franken dafür aufwenden, weit mehr als budgetiert. Auf das Problem hat die Finanzkommission des Grossen Rates in ihrem jüngsten Jahresbericht hingewiesen.
Wir machen nicht einfach gerne blau, im Gegenteil: Wir lieben unseren Job.
Den Verband Freiwillige Schulsynode, quasi die kantonale Gewerkschaft der Lehrkräfte, überrascht das nicht. Der Job sei generell anspruchsvoll und fordere einen jeden Tag, sagt Präsident Jean-Michel Héritier.
Zudem würden sich die Lehrpersonen auch sehr stark engagieren: «Wir machen nicht einfach gerne blau, im Gegenteil: Wir lieben unseren Job.» Manche seiner Kolleginnen schleppten sich selbst mit hohem Fieber noch an ihre Schule, weil sie weder die Kinder noch ihre Kolleginnen und Kollegen hängen lassen wollten.
Besonders streng sei es an der Unterstufe, wo viele sehr verschiedene Kinder in einer Klasse zu betreuen seien. Die Schulwoche habe 28 Lektionen, so ist es laut Héritier «nicht ganz ohne», alles hineinzupacken und auch jedem einzelnen Kind gerecht zu werden.
Betriebsgesundheitsmanagement fehlt
Nötig sei ein betriebliches Gesundheitsmanagement auch an den Schulen. Damit könnte man belastende und fördernde Massnahmen planen und besser anwenden, mahnt er. Das bringe am Ende mehr Qualität an den Schulen.
Die hohe Belastung hat inzwischen auch das baselstädtische Erziehungsdepartement auf dem Radar. Dessen Personalverantwortlicher Marc-Oliver Möller schreibt diese neben der hohen Zahl von Schülerinnen und Schülern auch dem grossen Angebot zu, also dass sehr viele Kompetenzen zu erlernen seien. Der gesellschaftliche Wandel mache den Job als Lehrperson nicht einfach.
Die genauen Ursachen für die vielen Ausfälle kenne das Departement bisher nicht. Eine Umfrage auch zu Gesundheitsthemen soll diese nun klären und präzise Massnahmen ermöglichen. Bisher gebe es kein einheitliches System, wo Krankheitstage erfasst würden – und es sei nicht zulässig, bei Krankmeldungen zu fragen, ob sie wegen einer Grippe oder wegen Überlastung erfolgen.
Irgendetwas in diesem System stimmt nicht.
Dass der Kanton erst nach fünf Jahren aktiv werde, lässt Möller nicht gelten. Wegen der Covid-Massnahmen sei zunächst offen gewesen, ob es sich um eine permanente Entwicklung handle. Als das klar geworden sei, habe man sich gesagt: «Irgendetwas in diesem System stimmt nicht.» Darum handle der Kanton jetzt.
Ergebnisse der Umfrage sollen bis Ende Jahr vorliegen. Damit sollen Massnahmen per 2027 ergriffen werden können.