Krankenkassen bezahlen neu teure Trisomie-Bluttests

Ab dem 15. Juli werden die neuen Tests zur Bestimmung einer Trisomie bei Ungeborenen von der Krankenkasse bezahlt. Das BAG hofft damit, dass invasive Tests, welche ein Fehlgeburtenrisiko bergen, abnehmen.

Video «Debatte um von den Kassen bezahlte Trisomie-Tests» abspielen

Debatte um von den Kassen bezahlte Trisomie-Tests

3:38 min, aus 10vor10 vom 8.7.2015
Blut läuft in ein Reagenzglas. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Bluttest soll als Ergänzung zum bekannten Ersttrimester-Test gesehen werden, sagt der Experte. Keystone

Eine schwangere Frau macht in der Regel beim Frauenarzt den so genannten Ersttrimester-Test. Dabei wird beim Fötus die Nackenfalte gemessen und das Blut der Schwangeren wird untersucht. Aus dem Test ergibt sich ein bestimmtes Risiko einer Trisomie 21, 18 oder 13 beim Ungeborenen. Ist dieses Risiko hoch, hat die Schwangere zwei Möglichkeiten.

Sie kann sich erstens einer invasiven Chorionzotten- oder Fruchtwasseruntersuchung unterziehen. Invasiv bedeutet einen Eingriff in die Gebärmutter. In rund einem Prozent der Fälle kommt es dabei zu einer Fehlgeburt. Oder sie kann zweitens einen neuartigen Test durchführen lassen, bei dem eine mögliche Trisomie des Fötus im Blut der Mutter erkannt werden kann. Dieser Test musste bislang allerdings von den werdenden Eltern selbst bezahlt werden.

Nur noch wenige hundert invasive Tests?

Bislang. Denn ab dem 15 Juli werden die Tests von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vergütet – unter Auflagen. Bedingung ist, dass zuvor ein Ersttrimester-Test durchgeführt wurde und bei diesem ein Trisomie-Risiko von mehr als 1:1000 festgestellt worden ist. Die Kosten für den Bluttest belaufen sich auf 950 Franken.

Gemäss Modellrechnungen dürfte mit der Aufnahme des Bluttests in die Krankenkassen-Grundversicherung die Anzahl der invasiven Untersuchungen wegen des Verdachts auf Trisomie von über 3000 jährlich auf einige Hundert zurückgehen, wie das Bundesamt für Gesundheit in einer Mitteilung schreibt. Damit soll auch die Zahl der Fehlgeburten durch invasive Tests reduziert werden

Man dürfe diese Trisomie-Tests aber nicht als 100 prozentige Sicherheit ansehen, sagt Professor Peter Miny von der Abteilung für Medizinische Genetik des Universitätsspitals Basel auf Anfrage von SRF News. Es handle sich vielmehr um ein Screening. Die Tests seien in der Auslage zwar sehr viel besser als der Ersttrimester-Test. Sie sollten dennoch als Ergänzung zu diesem Test gesehen werden.

Mehr Geld auch für Geburtsvorbereitungskurse

Die DNA im Blut der Mutter stammt nicht vom Kind, sondern von einem Teil der Plazenta. Je nach Ausgangslage der Mutter seien die Trisomie-Tests genauer oder weniger genau. Die Tests können auch viele falsch-positive Resultate liefern, so dass die allfälligen Befunde wiederum mit einem invasiven Test abgeklärt werden müssen, betont Miny.

Das BAG hat noch weitere Behandlungen in die Grundversicherung aufgenommen. Der Betrag für Geburtsvorbereitungskurse wird beispielsweise von 100 auf 150 Franken erhöht. Zudem werde die Betreuungsregelung nach der Geburt konkretisiert und vereinfacht, heisst es in der Mitteilung. Insbesondere können Mütter künftig Hausbesuche von Hebammen ab dem zehnten Tag nach der Geburt neu auch ohne ärztliche Anordnung in Anspruch nehmen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Debatte um Trisomie21-Tests bei künstlichen Befruchtungen

    Aus Tagesschau vom 7.9.2014

    Sollen bei künstlichen Befruchtungen Tests erlaubt werden um Behinderungen, wie zum Beispiel Trisomie 21, feststellen zu können? Unter anderem damit befasst sich morgen der Ständerat. Eine Debatte, die grundsätzliche Fragen aufwirft.

  • Nationalrat im Grundsatz für Fortpflanzungsmedizin

    Aus Tagesschau vom 3.6.2014

    Die Grosse Kammer hat sich mehrheitlich für eine liberale Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. So sollen Embryonen auf nicht vererbbare Chromosomenstörungen wie Trisomie 21 untersucht werden dürfen.

  • Neuer Trisomie-Test ohne Risiko für das Ungeborene

    Aus Puls vom 4.6.2012

    Um herauszufinden, ob ein ungeborenes Kind am Down-Syndrom leidet, wird oft eine Fruchtwasser-Punktion durchgeführt - ein Eingriff mit Risiken für den Embryo. Ein neuer Test soll viele dieser Punktionen überflüssig machen: Er kann mit dem Blut der Mutter durchgeführt werden und ist für das Ungeborene ungefährlich.