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Schweiz Krebserregende Fette auch in Süssigkeiten

Nach den Berichten über krebserregende Stoffe in fetthaltigen Produkten sieht Ernährungswissenschafterin Sabine Rohrmann keinen Grund zur Panik: Mit der täglichen Nahrung würden wir schliesslich zahlreiche krebserregende Stoffe zu uns nehmen. Dennoch sieht sie die Industrie in der Pflicht.

Legende: Audio Krebserregendes Palmöl auch in Süssigkeiten abspielen. Laufzeit 5:13 Minuten.
5:13 min, aus Espresso vom 13.10.2016.

Frischgebackene Eltern dürften aufgehorcht haben über die Berichte der Konsumentensendungen «Kassensturz» und «A Bon Entendeur»: Babymilch enthält Stoffe, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. Es handelt sich um Glycidol und 3-MCPD. Säuglinge, die Schoppenmilch trinken, nehmen möglicherweise Tag für Tag zu viel dieser Schadstoffe zu sich, wie Laboranalysen von «Kassensturz» und «A Bon Entendeur» zeigen.

Auch Süssigkeiten betroffen

Neben Babymilch finden sich die krebserregenden Stoffe auch in anderen Lebensmitteln. «Die Stoffe können eigentlich in allen Produkten mit pflanzlichen Fetten und Ölen – vor allem Palmöl – vorkommen», sagt Sabine Rohrmann, Ernährungswissenschafterin an der Universität Zürich. Insbesondere betroffen seien Süssigkeiten: «In Süssigkeiten oder Schokolade-Brotaufstrichen wird immer häufiger Palmöl verwendet aufgrund seiner Zusammensetzung, der Verfügbarkeit und wohl auch aufgrund seines neutralen Geschmacks.»

Und tatsächlich: «A Bon Entendeur» fand beispielsweise Glycidol im Brotaufstrich «Nutella» oder in «Prinzenrolle»-Biskuits. Aber auch in den «Farmer»-Müesliriegeln der Migros.

Vernünftiger Umgang mit Süssem und Fettigem

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stuft Glycidol als derart heikel ein, dass sie rät, die Aufnahme dieses Stoffs wenn möglich ganz zu vermeiden, da aus ihrer Sicht «jede Dosis schon ein Risiko sein und Krebs auslösen könnte».

Sollen wir also ganz auf Süssigkeiten und palmölhaltige Brotaufstriche verzichten? «Nein», meint Ernährungswissenschafterin Rohrmann. «Wir raten generell zu einem vernünftigen Umgang mit Süssigkeiten und Fetten.»

«Ich will das nicht verharmlosen»

Wer sich diesbezüglich beispielsweise an die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung halte, sollte sich nicht allzu grosse Gedanken machen. «Ich will das nicht verharmlosen, aber wir nehmen durch die Nahrung viele andere krebserregende Stoffe auf, über die wir uns null Gedanken machen.» So empfehle beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO), man soll möglichst kein verarbeitetes Fleisch essen, weil es krebserregend sei.
Die Ernährungswissenschafterin sagt aber auch: «Wenn man die Konzentration solcher Stoffe in Produkten durch die Herstellung oder über die Ausgangsprodukte senken kann, dann ist das unbedingt zu tun.»

Hersteller versprechen Massnahmen

Auf die Problematik angesprochen reagierten die Hersteller betroffener Produkte gegenüber «A Bon Entendeur» ähnlich: Migros beispielsweise gab in einer Stellungnahme an, sie habe bereits Massnahmen ergriffen, um die Konzentration von Glycidol in ihren Produkten zu senken. Und man arbeite weiter mit dem Ziel, den Stoff irgendwann ganz zu eliminieren. Gleiches teilte Mondelēz International mit, die Herstellerin von «Prinzenrolle». Nicht geäussert hat sich «Nutella»-Hersteller Ferrero.

«Kassensturz» vom 11.10.2016:

«Kassensturz» vom 11.10.2016:

Mütter, die nicht stillen, sind auf industriell hergestellte Pulvermilch angewiesen. «Kassensturz»-Analysen zeigen nun: Babymilch enthält zu viele Schadstoffe, die als krebserregend gelten. Ein mögliches Gesundheitsrisiko, mit dem niemand gerechnet hat. Mehr

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