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Beratungsstelle geplant Krebsliga: Immer häufiger verweigern Kassen die Behandlung

Legende: Audio Krebsliga unterstützt Patienten abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
01:08 min, aus HeuteMorgen vom 18.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Krebsärzte (Onkologen) in der Schweiz sind beunruhigt, weil Krankenkassen nicht selten die Behandlungskosten für Tumorerkrankungen nicht mehr zahlen wollen.
  • Vor diesem Hintergrund hat die Krebsliga eine Stelle geschaffen, bei der sich Patienten ab Juni gratis beraten lassen können.
  • Genaue Daten über die Situation will auch das Bundesamt für Gesundheit ab Mai über drei Jahre sammeln. Auf dieser Grundlage soll dann der Eindruck der Krebsärzte anhand von Fakten überprüft und verifiziert werden.

Der Arzt stellt eine schwere Krankheit fest – und dann will die Krankenkasse die Behandlung nicht bezahlen. Deutlich häufiger als früher passiere genau das in letzter Zeit, sagen Mediziner. Insbesondere Krebsärzte sind über die Situation beunruhigt.

Wie Recherchen von Radio SRF zeigen, schafft die Krebsliga Schweiz deshalb jetzt eine Unterstützungsstelle für Patienten. Sie soll helfen, wenn die Krankenkasse Nein sagt. Und Daten sammeln, damit man bald Genaueres weiss über das Verhalten der Kassen.

Wir haben den Eindruck, dass das Prinzip der Zugangsgerechtigkeit, also dass jeder Mensch in der Schweiz den gleichen Anspruch hat, oft verletzt wird.
Autor: Jakob PasswegPräsident der Krebsliga

Zuerst die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Medikamente gegen Krebs, die helfen. Jetzt die schlechte: Diese kosten viel Geld. Für die Krankenkassen offenbar zu viel: Seit etwa anderthalb Jahren weigerten sie sich zunehmend, zu bezahlen – zum Teil sogar bei älteren, bewährten Behandlungen. Das heisst es bei der Vereinigung der Krebsärzte – und das hat Folgen.

«Deshalb haben wir beschlossen, jetzt diese Stelle zu schaffen», sagt Jakob Passweg, Präsident der Krebsliga. Ab Juni können sich Krebskranke, deren Kasse nicht bezahlen will, bei der Anlaufstelle beraten lassen – gratis. Das sei auch deshalb nötig, sagt Passweg, «weil wir den Eindruck haben, dass das Prinzip der Zugangsgerechtigkeit, das heisst, dass jeder Mensch in der Schweiz den gleichen Anspruch hat, oft verletzt wird».

Eindruck nicht aus der Luft gegriffen

Allerdings, Passweg sagt es, ist das bloss ein Eindruck – die neue Anlaufstelle soll deshalb zu den Kostengutsprachen der Kassen auch Daten sammeln und damit Klarheit schaffen.

Klar ist aber schon jetzt: Aus der Luft gegriffen ist der Eindruck der Krebsärzte nicht. Auch Urs Vogt, Vertrauensarzt des Krankenkassenverbands Santésuisse, sagt, gerade im Moment würden sich Kassen und Pharmaindustrie oft nicht einig bei den Preisen für Medikamente – zulasten der Kranken: «Dass dann vielleicht mehr Ablehnung kommen kann, kann ich zwar statistisch nicht bestätigen, aber wäre möglich.»

BAG: Daten-Erhebung ab Mai

Was tun? Vogt hofft auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieses solle genau festlegen, was die Kassen bezahlen müssen. Jörg Indermitte vom BAG antwortet, man habe sich der Sache bereits angenommen und sammle ab Mai ebenfalls Informationen: «In den nächsten drei Jahren werden Daten von den Versicherern erhoben. Es findet dann eine neue Evaluation statt.»

Er sagt aber auch: Die Kassen müssten weiterhin jeden Kranken einzeln anschauen – und öfters Nein sagen. Denn gerade die neuen, teuren Medikamente würden eben nicht bei allen Patienten helfen.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Krebs ist die Geissel der Menschheit. An keiner Krankheit gehen mehr Patienten zugrunde. Wir alle kennen jemanden, der an Krebs erkrankt ist oder daran starb. Jeder hat ein Anrecht auf medizinische Hilfe, ob Jung oder Alt. Das KK die Kosten für Tumorerkrankungen nicht mehr zahlen wollen ist unerhört. Eine Zweiklassen versicherte Gesellschaft wünscht sich niemand. Die Pharmaindustrie muss diese Medikamente zu bezahlbaren Preisen für alle anbieten. Keine Abzockerei auf Kosten der Kranken.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Es sollte gründlich analysiert werden, warum diese Medikamente so teuer sind. Die Pharmaindustrie kommuniziert zu wenig transparent.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Dies ist Willkür. Wenn sie KK-s die teuren Behandlungen nicht übernehmen wollen, oder nur für bestimmte Kreise, dann wäre eine Abstufung nach Versicherungsdauer eine Idee. Diejenigen, die seit Längerem bei derselben Versicherung versichert sind, sollten ohne wenn und aber die Krebsbehandlung bezahlt bekommen. Man hört so allerlei Geschichten, daher ist eine schwere Krankheit klar ein Armutsrisiko in CH. Wegen Stellenverlust (liberales ArGesetz) und KK. Dürfte eigentlich nicht sein, oder?
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Schlechte Idee, da wir die Wahlfreiheit bei der Krankenkasse haben und es generell empfohlen wird, in der Grundversicherung in die jeweils günstigste Kasse zu wechseln. Diejenigen die kostenbewusst ihre Versicherung wechseln wären dann also die Gelackmeierten.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Punkt für Sie, Herr Starnberger. Dann wie wäre es mit Länger der Versicherungszeit in der Schweiz generell?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Tja, die Überalterung ist ein weiterer Faktor. Immer mehr Menschen, auch immer mehr eingewanderte, werden immer älter. Und immer mehr Menschen in diesem 8 Millionen plus Staat leiden an Krebs. Und da in Sachen Bundesfinanzen "andere" Prioritäten gesetzt werden, reicht es dann eben für die Bedürfnisse der kranken Menschen nicht mehr genügend. Die Schuldenlast liegt bei gewissen Politikern, ohne Wenn und Aber.
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    1. Antwort von Denise Casagrande (begulide)
      M.Zelger: Noch gibt es die gesunden, alten Menschen, welche noch in "unbelasteter" Umwelt aufwuchsen und deshalb auch älter werden. Zukünftig wird sich das leider ändern, da immer mehr junge Menschen früher und teilweise schwer erkranken, da ua die "Umweltbelastungen" weltweit massiv zunahmen/weiter zunehmen werden(Vergiftungen durch Chemie-Pharmalobby, radioaktive Verstrahlung, Elektrosmog...). Nicht zu vergessen, der zunehmende Leistungsdruck in der Berufswelt...
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    2. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Richtig, Frau Casagrande, aber woher kommt die erhöhte Umweltbelastung? Immer mehr Verkehr auf der Strasse, erzeigt immer mehr CO2 Ausstoss. Es muss immer mehr für immer mehr Menschen produziert werden. Immer mehr Wohnungen müssen beheizt werden, immer mehr Natur wird verbaut, und dadurch regeneriert sich die Luft immer schlechter.
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    3. Antwort von Simon Reber (kokolorix)
      Und grad noch ein bisschen gegen die Ausländer hetzen. Einfach erbärmlich. Jede Statistik zeigt, dass es wir Schweizer sind die mit überteuerten Behandlungen die KK belasten, mit völlig sinnlosen Geländewagen die Strassen verstopfen und mit völlig übertriebenem Platzbedarf die Landschaft zubauen. Es ist billig das alles auf die Zugewanderten abzuwälzen welche meist unter Umstanden leben welche kein Schweizer akzeptieren würde, und meist Arbeiten tun für die sich die Eidgenossen zu schade sind
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