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Schweiz Kurt Pelda: «Das hätte man schon viel früher machen sollen»

Ermittler hatten die An' Nur-Moschee schon seit langem im Visier. Zahlreiche Dschihad-Reisende waren in dem Winterthurer Gotteshaus radikalisiert worden. Jetzt wurden Staatsanwaltschaft und Polizei aktiv. Für den Schweizer Terrorismus-Experten Kurt Pelda kommt das aber alles viel zu spät.

Legende: Video Imam in Winterthurer Moschee rief zu Mord auf abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.11.2016.

Die Zürcher Justiz hat am frühen Morgen eine Razzia in der umstrittenen Winterthurer An' Nur-Moschee durchgeführt. Gegen vier Männer wird ein Strafverfahren eröffnet, darunter auch gegen einen äthiopischen Imam. Er soll am 21. Oktober in einer öffentlichen Predigt zum Mord an Muslimen aufgerufen haben, die sich nicht an die Gebetszeiten halten.

Dem Journalisten und Terrorismus-Experten Kurt Pelda ist die Predigt im Wortlaut bekannt. Er hat mehrere Quellen, die er aber nur vor Gericht offenlegen möchte, die ihm über die Vorgänge in der Moschee und deren Protagonisten berichten.

«Ich weiss über den äthiopischen Imam, dass er auf hocharabisch predigt», sagt Pelda dem SRF. Wenn man dann aber mit ihm spreche, dann antworte dieser in einem gebrochenen Arabisch. «Deshalb frage ich mich auch, wie er zu so einer hocharabischen Predigt gekommen ist, wo er doch selber die Sprache gar nicht so gut spricht.»

Das Gotteshaus ist «Treffpunkt für viele Konvertierte, die hier erstmals auf Radikale treffen», so Pelda. Die Hirnwäsche laufe dabei stets nach dem gleichen Muster ab. Man nehme den Neuling mit zum Teetrinken, zum Halal essen, vielleicht mal mit nach Hause – und dann werde das in der Moschee immer weiter vertieft.

Treiben hätte schon früher Einhalt geboten werden können

«Das wissen auch die Leute in der Moschee, das ist bekannt. Man kennt die Gruppen, die zusammensitzen und sich Videos auf einem Smartphone anschauen.» Weshalb der Staat diesem Treiben so lange tatenlos zugeschaut hat, ist für Pelda ein Rätsel.

«Ich glaube die heute durchgeführte Polizeiaktion hätte man schon sehr viel früher machen sollen.» Die Verdachtsmomente dafür hätten schon lange auf dem Tisch gelegen und eine Untersuchung der Vorgänge in der Moschee gerechtfertigt. «Und wäre das bereits vor ein, zwei Jahren gemacht worden, dann wäre der ein oder andere sicher nicht nach Syrien in den Krieg gezogen», ist sich Pelda sicher.

Die heutigen Hausdurchsuchungen wurden mit der Predigt vom 21. Oktober und dem darin enthaltenen Aufruf zum Mord begründet. «Ich bin mir aber nicht sicher, wie viele Gläubige diesen Aufruf auf hocharabisch überhaupt verstanden haben». Die meisten Moschee-Besucher seien albanischstämmig und ein Übersetzer seines Wissens nach sei nicht vor Ort gewesen.

Kurt Pelda

Kurt Pelda

Der Schweizer Kurt Pelda arbeitet seit 30 Jahren als Kriegsreporter. Er berichtet unter anderem für SRF, «Spiegel» und «Weltwoche» von den Brennpunkten dieser Welt – darunter Afghanistan, Libyen und Syrien.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Die Bedenken einiger, eine Schliessung verdränge nur die Szene in Hinterhofmoscheen, erübrigte sich, würden solche Leute konsequent ausgewiesen, Doppelbürgern der CHer-Pass entzogen. Unerlässlich wäre mE auch ein Verbot optischer und verhaltensmässiger Abgrenzungsdemonstrationen in Öffentlichkeit. Sie sind in jedem Fall gesetzeswidrig u.integrationsverhindernd und sollten mM aus dem Katalog Religions-+Kultusfreiheit gekippt werden. Welch eine Religion, die sich nach aussen derart abgrenzen muss!
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ja Kurt Pelda, bei allem Respekt, man kann nicht Leute verhaften, nur weil sie eine radikale Meinung haben und diese auch noch kund tun (sonst müsste man alle Greenpeace-Führungskräfte einsperren). Da muss schon mehr Fleisch am Knochen sein und wenn das gemäss Ihrem Wissenstand bereits schon seit längerem der Fall war, warum haben Sie da nicht interveniert? Zudem fehlt im Artikel die präzise Zeitangabe beim Ausdruck "seit langem" (eine Woche, ein Monat, ein Jahr, fünf Jahre, 10 Jahre, 50 Jahre?)
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  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Die Polizei haetten sich auch sagen koennen: "solange die Leute sich ruhig verhalten und nach dem Treffen friedlich nach Hause zurueckkehren, die Nachbaren nicht soeren etc etc " Gut, dass sie nun bei dieser Form der Radikalisierung richtig entschieden haben!
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    1. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      Und wer übernimmt die Verantwortung wenn es chlöpft....? Der Allahhu.....? Oder doch die Polizei....? Oder die Politik...?
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