Kurzerwerbstätige stellen Behörden vor neue Herausforderungen

Obwohl die Zahl der kurzfristig in der Schweiz erwerbstätigen Personen nicht sehr hoch ist, stellt sie die Behörden vor neue Herausforderungen. Vor allem die Vielzahl der verschiedenen Arbeitsmodelle und die so genannte Pendelmigration beschäftigt die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen.

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Pendelmigration fordert die Behörden

1:53 min, aus Tagesschau vom 17.12.2013

Ausländische Erwerbstätige, die nur für kurze Zeit in der Schweiz arbeiten kommen, stellen das Land vor neue Herausforderungen. Dazu hat die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen (EKM) eine Studie in Auftrag gegeben.

Die Studie hat erstmals untersucht, was diese Menschen hier tun, welche Rolle sie auf dem Arbeitsmarkt spielen, was ihre Motivationen sind und welche Vorteile und Schwierigkeiten ihr Kurzerwerbseinsatz mit sich bringt.

Dabei handelt es sich allerdings nur gerade um fünf Prozent der ausländischen Erwerbstätigen, die für einen solchen Kurzerwerbsaufenthalt die Schweiz besuchen. Dazu gehören Personen mit L-Bewilligung, die in der Hochsaison bis zu 1,7 Prozent aller Beschäftigten darstellen, und die Meldepflichtigen, die 0,8 Prozent des gesamten Arbeitsvolumens leisten. Dies entsprach im August 2012 70'000 Menschen, die hauptsächlich aus EU/EFTA-Ländern stammten.

Blick in die Asylunterkunft Schweig bei Realp im August 2013. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laut einer Studie kommen fünf Prozent der ausländischen Erwerbstätigen für einen Kurzerwerbsaufenthalt in die Schweiz Keystone

Vielzahl von Arbeitsmodellen

Die Studie zeigt eine Vielfalt von Arbeitsmodellen auf: saisonal beschäftigte Erntehelferinnen, die Kost und Logis erhalten, asiatische Ingenieure, welche hier neue Maschinen kennen lernen, um sie später montieren und warten zu können, Job-Rotations-Programme in grossen Konzernen oder Engagements von Bühnenkünstlern.

Vor allem im häuslichen Pflegebereich zeige sich laut der Studie allerdings auch ein neues Phänomen: die Pendelmigration. Dabei kommen beispielsweise polnische Frauen für eine oder mehrere Wochen in die Schweiz, arbeiten und leben im Haus der zu betreuenden Person und kehren dann für einige Wochen wieder nach Polen zurück. Sie kommen zwar regelmässig in die Schweiz, haben aber keine Absicht, ihren Lebensmittelpunkt hierher zu verlegen.

Flexible Rahmenbedingungen und pragmatische Lösungen

Für die Alltagsprobleme dieser kurzfristig in der Schweiz Erwerbstätigen müssten pragmatische Lösungen gefunden werden, lautet denn auch das Fazit der EKM. Angesichts der Vielfalt und Komplexität der Herausforderungen sei grosse Flexibilität notwendig, um die Bedürfnisse aller zu befriedigen.

Weiter brauche es flexible gesetzliche Rahmenbedingungen für einen internationalen und transnationalen Arbeitsmarkt. Die EKM empfiehlt, dass sich Behörden und Sozialpartner vertieft mit der Pendelmigration befassen und Richtlinien ausarbeiten, die faire Rahmenbedingungen für alle Beteiligten ermöglichen: Dazu gehörten Arbeitsverträge, welche den Besonderheiten von Anstellungen von Personen in Privathaushalten Rechnung tragen oder die Verbesserung der Aufenthaltsbedingungen.

Kein «neues Eintrittstor»

Die Pendelmigration werde in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Es handle sich dabei aber nicht einfach um ein «neues Eintrittstor» für Migranten, wie EKM-Präsident Walter Leimgruber betonte. Denn viele von ihnen möchten gar nicht dauernd in der Schweiz arbeiten. Gleichzeitig müsse die Entwicklung genau beobachtet werden.

So müsse etwa ein Auge darauf gehalten werden, ob beispielsweise einheimische Arbeitskräfte verdrängt würden oder ob das Lohnniveau gesenkt werde. Die neuen Arbeitsformen, wie etwa die 24-stündige Pflege und Betreuung im Privathaushalt würden auch Fragen aufwerfen, ob künftig ganz neue an Stelle der hergebrachten Kategorien notwendig seien.