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Schweiz «Lagarde-Liste»: Spuren führen nach Gstaad

Mindestens drei Griechen, die auf der sogenannten «Lagarde-Liste» stehen, haben ein Chalet im Berner Nobelort. Sind die Liegenschaften und Konti in der Heimat deklariert? Haben sie Steuern hinterzogen? Dies wird nun von der griechischen Polizei überprüft, wie die «Rundschau» aufzeigt.

Die drei Griechen haben die Nummern 784, 1866 und 1392 auf der sogenannten «Lagarde-Liste». Laut der Gemeindeverwaltung Saanen bezahlen sie – zwei Unternehmer und ein Anwalt – Liegenschafts-Steuern im Kanton Bern.

Alle weiteren Angaben haben die angefragten Personen mit einer «Sperre» belegen lassen, schreibt der Gemeinderat von Saanen als Antwort auf eine schriftliche Anfrage der «Rundschau». Nachgefragt beim Steuerverwalter des Kantons Bern, Bruno Knüsel, könnte man die drei Personen aufgrund ihres Eintrages auf der «Lagarde-Liste» steuerlich genauer überprüfen.

Man warte aber auf allfällige Amts- und Rechtshilfe-Ersuchen aus Griechenland, weil die Personen ja möglicherweise dort und nicht in der Schweiz Steuern hinterzogen haben könnten. Erschwerend für eine spätere Schweizer Hilfe könnte sein, dass die Daten durch Diebstahl erworben worden sind, gibt Knüsel zu bedenken.

Die anderen sind «Steuervermeider»

Die «Rundschau» versuchte, die drei Griechen zu kontaktieren. Der Anwalt teilte mit, er habe keine Zeit und reise gerade aus Gstaad ab. Ein Klient des Anwalts ist Taki Theodoracopulos, ein sehr reicher griechischer Pauschalbesteuerter, der seit zwanzig Jahren in Gstaad wohnt. Laut Theodoracopulos sei sein Anwalt sauber.

Er bestreite zwar den Eintrag auf der Liste nicht, die Behörden könnten aber jederzeit seine Bücher anschauen, sagt Taki Theodoracopulos. Die zwei anderen Griechen seien neu in Gstaad und wohl «Steuervermeider», stellt der 75jährige Jet-Setter im «Rundschau-Interview» lakonisch fest.

«Wir werden darüber sprechen»

In Athen hat sich die «Rundschau» bei einer neu gegründeten Abteilung der Kriminal-Polizei nach der Steuerehrlichkeit der drei Griechen in Gstaad erkundigt. Brigadier Dimitri Georgatsis stellte eine Überprüfung der drei in Aussicht. «Wir arbeiten mit der Steuerpolizei zusammen, wir werden darüber sprechen. Vielleicht gibt es bereits Nachforschungen über sie.»

Legende: Video Knatsch um Konten abspielen. Laufzeit 09:15 Minuten.
Aus Rundschau vom 16.01.2013.

Georgatsis betont, dass ein Chalet in Gstaad und ein Konto in Genf an sich nichts Illegales seien. «Wir möchten nur wissen, wer die Illegalen sind». Darum hofft Georgatsis auf den baldigen Abschluss eines neuen Doppelbesteuerungsabkommens, welches den Informationsaustausch zwischen griechischen und Schweizer Behörden ausdehnt.

Noch keine einzige Anklage

Recherche-Journalist Kostas Vaxevanis, der die «Lagarde-Liste» Ende Oktober veröffentlicht hat, beklagt gegenüber der «Rundschau», dass es noch keine Anklagen gebe. Fast drei Jahre sind vergangen, seit die griechische Regierung in Besitz der «Lagarde-Liste» kam.

Wegen dem zeitweiligen Verschwinden und der Manipulation der Liste würden momentan «gegen niemanden» Untersuchungen laufen. Alle würden von den fehlbaren Ministern sprechen, niemand würde sich aber an die Arbeit machen und die Daten der Namen auf der «Lagarde-Liste» auswerten. Das sei «tragisch», findet Vaxevanis.

Was ist die «Lagarde-Liste»?

Die «Lagarde-Liste» wurde 2009 unter dem Namen «Falciani CD» bekannt. Damals stahl Hervé Falciani, ein Ex-Angestellter bei der Genfer HSBC-Filiale, Konten-Angaben von über zweitausend Kunden,vor allem Griechen. Die Daten wurden der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde zugespielt. Diese reichte die Liste nach Athen weiter.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Während der Zeit in der das Schweizer Fernsehen in Gstaad wieder mal einen Skandal aufdeckt der uns nichts angeht, wurde in der Schweiz x-Mal eingebrochen, x-Mal Drogen an Minderjährige verkauft, x-Vergewaltigungen verübt, x-Portmannaies gestohlen und x-Hantaschen entrissen. Wahrscheinlich ist auch ein Bank- Post- oder Juwelierüberfall passiert. X-Autos wurden gestohlen und x-Leute wurden zusammengeschlagen. All diese Opfer sind unserem teuer bezahlten Fernsehen keine Sendesekunde wert.
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  • Kommentar von Whistle Blower, Mühlau
    Anzufügen ist ein Beitrag aus der Sendereihe "Envoyé Speciale" vom 20.12.2012 im Sender France 2: Um Geld zu generieren, verkauft der griech. Staat auch Villen wie z.B. jene Sommerresidenz des letzten Königspaares. Da eine solche Prachtsvilla in Stand gehalten werden muss, wurde zu diesem Zweck EU-Gelder in der Höhe von knapp 1,2 Mio Euro gesprochen. Ein Reporterteam ging nachschauen: Das ganze Anwesen ist am Zerfallen, Bodygards standen Schmiere am Haupteingang!
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  • Kommentar von Esther, Basel
    ...macht ja nichts. Die Milliarden fliessen ja aus der EU nach Griecheland, wieso soll man denn noch die eigenen "armen" Landsleute mit sowas "Trivialem" wie Steuern etc. behelligen resp. dem Ganzen nachgehen ? Das würde ja in Arbeit ausarten und wäre der "Vetterliwirtschaft" abträglich.
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