Lausanne: Dieser Mann kämpft gegen die linke Phalanx

In Lausanne haben sich die Linken schon im ersten Wahlgang sieben der sechs Stadtratssitze gesichert. Am Wochenende entscheidet sich, ob die Linken gar alles erobern oder ob FDP-Kandidat Pierre-Antoine Hildbrand noch einen Sitz ergattert.

SRF: Wie gross ist Chance, dass Lausanne eine rein linke Stadtregierung erhält?

Sascha Buchbinder: Klein. Pierre-Antoine Hildbrand von der FDP wird höchst wahrscheinlich gewählt. Die FDP ist immerhin die zweitstärkste Partei im Parlament und die bürgerlichen stehen geeint hinter seiner Kandidatur.

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Sascha Buchbinder

Sascha Buchbinder

Für Radio SRF ist Sascha Buchbinder Korrespondent für die Westschweiz und das Bundesgericht in Lausanne. Zuvor arbeitete er in der Inlandredaktion in Bern.

Was ist im ersten Wahlgang geschehen, dass von 7 Sitzen deren 6 an linke Parteien gingen?

Die bürgerlichen Parteien sind im ersten Wahlgang über die Listenverbindung von SP, Linken und Grünen gestolpert. Die Verbindung durch eine vorgedruckte gemeinsame Liste bei einer Exekutivwahl ist eine Besonderheit in Lausanne. Während die SVP, FDP und die Grünliberalen für sich alleine kämpften, haben sich die linken Parteien alle auf einer Liste präsentiert. Weil viele Menschen einfach die Liste eingeworfen haben, wurde sogar der wenig bekannte neue Kandidat der Partei der Arbeit im ersten Wahlgang gewählt.

Warum konnten die linken Parteien offenbar mobilisieren?

Die Wahlen für den Stadtrat in Lausanne waren am gleichen Tag wie die Abstimmung zur die Durchsetzungs-Initiative, die Abstimmung hat gerade im linken Lager stark mobilisiert.

Die FDP war doch aber wohl auch in Lausanne gegen die SVP-Initiative?

Ja. Seit dem Ja zur Zuwanderungsinitiative der SVP steht die Partei in der Romandie isoliert da. Die Bürgerlichen werden nicht müde zu unterstreichen, dass die SVP der Wirtschaft schade.

Was sind die Gründe für die linke Übermacht in Lausanne?

Lausanne wählt deutlich linker als Rest des Kantons. Das ist nicht neu: Überall im Land wählen die Städte linker als die Vorstädte und Dörfer.

In andern Städten sind die Linken aber nicht derart in der Überzahl.

Im Moment wählt man in der Westschweiz stärker links als in der Deutschschweiz. Das war nicht immer so. Vor dem Kalten Krieg waren die Romands tendenziell konservativer. In Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein scharfer Antikommunismus etabliert, der auch auf die Deutschschweiz überschwappte. Darum existiert hier auch keine Partei links von der SP. Das ist in Westschweiz anders – ähnlich wie in Frankreich und Italien – wo es auch viele kommunistische Parteien gibt.

Könnte die FDP mit einem einzigen Mann in der Exekutive überhaupt noch etwas bewirken gegen die linke Übermacht?

Auf ersten Blick scheint das tatsächlich aussichtslos. Aber die Linksalternativen und die SP sind überhaupt nicht bei allen Themen auf der gleichen Linie. Der politische Graben verläuft nicht nur zwischen linken und rechten Parteien. Es gibt auch den Graben zwischen den Liberalen und Antiliberalen. Die FDP kann in der Regierung mit SP Kompromisse schmieden und im Parlament braucht die SP die Bürgerlichen, um Mehrheiten zu erlangen. Zudem hat die FDP in der Exekutive die Möglichkeit, ihre Standpunkte und Politik sichtbar zu machen.

Das Gespräch führte Christa Gall.