Lieber im Pelz als nackt

Nicht nur auf dem Laufsteg sind Pelzmäntel wieder en vogue. Pelze säumen auch Kapuzen von modischen Freizeitjacken. Seit dem 1. März gilt eine verbindliche Deklarationspflicht: Sie soll Kunden im Pelzdschungel helfen, Überblick zu bewahren. Kann sie das?

Auf einer Etikette steht lediglich: Lapin, Zucht, China. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stichprobe von SRF-Konsum: Diese Deklaration ist gemäss der neuen Regel ungenügend. SRF

Kojote, Goldschakal, Schneckenkatze – sie zieren Jacken und Hüte und schützen vor Kälte. Und die Liste der exotischen Tiere ist noch viel länger: der argentinische Graufuchs, der Waschbär oder der Hermelin.

Nicht alle Felle sind in der Schweiz überhaupt zugelassen. Der Bund versucht, in diesem Pelzdschungel Überblick zu schaffen (s. Box). «Pelze und Pelzprodukte müssen deklariert werden, wenn sie in der Schweiz zum Verkauf angeboten werden.» So heisst es auf der Webseite des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Das Ziel: Der Konsument soll sich dank der Information entscheiden können, ob er den Pelz will oder nicht.

Auf dem Etikett muss klar ersichtlich sein, welches Tier sich hinter dem Pelz versteckt: Zwingend deklariert werden muss der wissenschaftliche und zoologische Name der Tierart. Zudem Herkunft und Gewinnung des Tieres – Gewinnung meint, ob ein Tier gejagt wurde oder aus welcher Art von Zucht es stammt. Die Deklarationspflicht für Pelze und Pelzprodukte gilt nun nach einer einjährigen Übergangsfrist verbindlich ab dem 1. März 2014.

Ein Model posiert mit einem Pelz auf ihrer nackten Haut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vorbei ist die Zeit, als Models «lieber nackt als im Pelz» auf ein «unethisches» Pelz-Tragen aufmerksam machten. Keystone

Stichproben zeigen mangelnde Umsetzung

Diese Regel lief während eines Jahres in einer Übergangsfrist. Wie hat sie sich durchgesetzt? Der Schweizer Tierschutz (STS) hat Pelzverkäufer in der zweiten Januarhälfte in sieben grösseren Städten unter die Lupe genommen. «Von 94 Stichproben in 90 Geschäften waren nur 13 mit einer vollständigen Deklaration versehen», schreibt der Verband in seiner Medienmitteilung. Dies entspricht einem Anteil von 14 Prozent.

Das Personal ist in den Läden gefordert. Es die Vergangenheit des Tierfelles kennen. Über die Tierart wusste die Hälfte des Verkaufspersonals laut dem STS gut Bescheid. Was die Gewinnung der Pelze betrifft, schnitt es aber schlecht ab: Nur 21 Prozent der Befragten Verkäufer (80 Gespräche) konnten kompetent Auskunft geben, so das Fazit der Tierschützer.

Fallenjagd oder Käfighaltung?

Konkret müsste bekannt sein, ob das Tier mit oder ohne Fallen gejagt wurde (Wildfang). Kann keine eindeutige Aussage gemacht werden, wären die Kleidungsstücke wie folgt zu kennzeichnen: «Kann aus Fallenjagd oder Jagd ohne Fallen oder aus jeder möglichen Haltungsart, insbesondere auch aus der Käfighaltung, stammen».

Der STS betont zwar, dass er bei der Auswertung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Dennoch gibt die Branche ein Jahr nach Inkrafttreten der Übergangsfrist kein gutes Bild ab.

Der Bund liess die Verkäufer während des Jahres absichtlich gewähren und zeigt ein gewisses Verständnis: «Die Produktion der Modeartikel zum Zeitpunkt der Inkraftsetzung war bereits abgeschlossen. Zudem sollten die Geschäfte und Händler genügend Zeit haben, für die neue Produktion auch die Etiketten anzupassen», schreibt Regula Kennel auf Anfrage von SRF News Online. Sie ist Leiterin für Kommunikation beim Bundesamt BLV, welches für die Durchsetzung der Deklarationspflicht verantwortlich ist.

Doch jetzt ist die Schonfrist für die Pelzgeschäfte vorbei. Ab 1. März gibt es laut Kennel stichprobenmässige Kontrollen. Dabei werde geprüft, ob die Deklaration an den Produkten korrekt sei. Zusätzlich könnten Unterlagen eingesehen werden. Fehlbare Detailhändler riskieren eine Busse von bis zu 10'000 Franken.

International kaum Kontrolle

Doch lässt das Bundesamt vorsichtige Nachsicht durchschimmern: «Tendenziell rechnen wir am Anfang damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis alle Branchen vollständig informiert sind und die Deklarationspflicht flächendeckend und korrekt umgesetzt wird», schreibt Kennel. «Wir werden Ende Jahr Bilanz ziehen und einen Bericht dazu verfassen.»

International ist die Deklarationspflicht lückenhaft. Das mache die Durchsetzung in der Schweiz nicht einfach. Die Schweiz übernimmt gemäss Kennel mit der Deklarationspflicht in Europa eine Pionierrolle. «Uns ist bewusst, dass das Beschaffen der Informationen für die Anbieter zum Teil schwierig ist, da es wie gesagt in der EU keine Deklarationspflicht gibt.» Online oder im Ausland können Schweizer auch künftig Pelz-Accessoires einkaufen, ohne Genaueres darüber zu wissen – sofern sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Aus dem Archiv: Pelz ist wieder in

9:20 min, aus Rundschau vom 8.1.2014

Pelz ist im Trend

Gelegenheit dazu gibt es reichlich. Der Pelzhandel weltweit erlebt seit Jahren einen Boom – und die Nachfrage wächst. Pelztragen ist kein Tabu mehr, wie damals in den 1990er-Jahren, als Models «lieber nackt als im Pelz» auf ein «unethisches» Tragen von Pelz aufmerksam machten. Seit Anfang 2000 hat der Umsatz um 74 Prozent zugenommen – auf rund 15 Milliarden US-Dollar jährlich.

China erbringt einen Viertel der gesamten Pelzverkäufe. Auch in der Schweiz ist die Nachfrage stetig gestiegen. Mit Ausnahme des Schweizer Rotfuchses stammen die meisten Pelzen aus Tierfarmen aus dem Ausland.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Deklaration von Pelzprodukten

    Aus Tagesschau vom 2.3.2014

    Für jedes Pelzprodukt gilt seit gestern eine Deklarationspflicht. Neu ist: die Verkäufer von Pelzprodukten müssen auf der Etikette die Tierart, die Herkunft und die Tierhaltung vermerken.