Zum Inhalt springen

Header

Zwei Männer und eine Frau (Hüfte abwärts zu sehen) betreten einen Lift.
Legende: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Immer noch ein Wunschtraum. Auch bei Bund-Zulieferern. Keystone
Inhalt

Schweiz Lohndiskriminierung trotz Gesetz

Wer vom Bund Aufträge erhält, muss schriftlich bestätigen, dass er Männern und Frauen gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit bezahlt. Doch Kontrollen zeigen, dass dieser Grundsatz oftmals nicht eingehalten wird.

In der Schweiz gibt es keine Lohnpolizei. Lohnkontrollen bezüglich Lohngleichheit gibt es nur bei Unternehmen, die einen öffentlichen Auftrag erhalten. Solche Firmen haben per Selbstdeklaration bestätigt, dass sie Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit auch gleiche Löhne zahlen. Das eidgenössische Büro für die Gleichstellung kann diese Angaben überprüfen.

Audio
Erklärung von Patric Aeberhard vom Büro für Gleichstellung
03:12 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.07.2014.
abspielen. Laufzeit 03:12 Minuten.

Nur wenige Kontrollen

Doch von rund 30'000 Unternehmen, die den Bund jedes Jahr mit Waren und Dienstleistungen beliefern, hat das Gleichstellungsbüro in den letzten sieben Jahren nur gerade deren 28 kontrolliert. Bei 19 der Kontrollen gab es Probleme mit der Lohngleichheit.

Dies widerspiegle die Schweizer Realität bei den Löhnen, erklärt der zuständige Spezialist Patric Aeberhard. Tatsächlich verdienen Frauen im Durchschnitt nach wie vor 20 Prozent weniger als Männer. Doch weniger Berufserfahrung, kürzere Ausbildung oder ein einfacherer Job erklären lediglich die Hälfte des Lohnunterschiedes. Für die andere Hälfte gibt es keine nachvollziehbaren Gründe. Das heisst: Frauen verdienen rund 10 Prozent weniger als Männer, allein weil sie Frauen sind.

Künftig soll es mehr Stichproben geben

Daniella Lützelschwab, Lohnspezialistin des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, befürwortet die Stichprobenkontrollen. Aber die Ergebnisse dürften nicht überinterpretiert werden, betont sie. Denn lediglich bei drei 3 der 28 kontrollierten Firmen sei die Lohndifferenz grösser als 5 Prozent gewesen. Bis zu dieser Limite toleriert das Gesetz über das Beschaffungswesen unterschiedliche Löhne.

Es sei sicher nicht im Interesse der Unternehmen, die Frauen zu diskriminieren, sagt die Vertreterin der Arbeitgeber. Denn schliesslich wollten sie ihre Mitarbeiterinnen behalten.

Audio
Viele Firmen halten sich nicht ans Gesetz
02:25 min, aus HeuteMorgen vom 24.07.2014.
abspielen. Laufzeit 02:25 Minuten.

Die zufälligen Stichproben lassen einen gewissen Interpretationsspielraum zu. Trotzdem ist der Befund eindeutig: Bei vielen der 30'000 Unternehmen, bei denen der Bund Kunde ist, gibt es Probleme mit der Lohngleichheit.

Zwar soll es künftig mehr Stichproben geben. Trotzdem können sich schwarze Schafe in der grossen Herde verstecken. Das Risiko, wegen Lohndiskriminierung ertappt zu werden und einen Auftrag nicht zu erhalten, tendiert gegen Null.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Anders , ZH
    Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht. Gleiche Löhne für ALLE, unabhängig ob Frau, Mann und Position, egal ob Direktor oder Arbeiter, ob Invalide oder AHV-Rentner, gleiche Löhne für ALLE!
    1. Antwort von Emanuele Franke , Niederdörfli, Zürich
      Bedingungsloses Grundeinkommen.
  • Kommentar von Sascha Stalder , Oberdiessbach
    Gibt es den Lohngleichheit unter Frauen? Gibt es den Lohngleichheit unter Männern? Ich finde es zwar wünschenswert, aber total schwierig umzusetzen. Das Lohngefüge beugt sich doch auch den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.
    1. Antwort von Marius Schmidlin , Wollishofen
      Ja, die Nachfrage nach "ich brauche unbedingt Geld zum Überleben, ich mache alles!" und das Angebot von "ja dann geb ich dir so wenig wie ich nur kann damit du mir nicht ganz wegstirbst, weil du hast ja keine Wahl"
  • Kommentar von Alaphia Zoyab , Aarau
    "In der Schweiz gibt es keine Lohnpolizei" ..schade, notwendig wär's schon. Ich halte die Aussage von P.Aeberhard für zu diplomatisch, und zu wenig politisch korrekt.