Luzern: Mehr Frauen im Job dank Betreuungs-Gutscheinen

Investitionen in die Kinderbetreuung lohnen sich wirtschaftlich – das zeigt eine Studie der Universität St. Gallen. Seit die Stadt Luzern Betreuungs-Gutscheine eingeführt hat, arbeiten mehr Frauen als früher, und das Einkommen der unterstützten Haushalte ist um über fünf Prozent gestiegen.

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Mehr berufstätige Mütter

3:46 min, aus 10vor10 vom 14.11.2014

In der Schweiz fehlen Fachkräfte. Der Bundesrat will deshalb inländisches Potential besser ausschöpfen, sprich: die Frauen motivieren, im Job zu bleiben, statt sich ausschliesslich um die Kinderbetreuung zu kümmern.

Noch gibt es erst für 11 Prozent der Kinder im Vorschulalter einen Vollzeit-Krippenplatz, und die Betreuung ist oft so teuer, dass sich arbeiten nicht lohnt. Die Stadt Luzern hat diesen falschen Anreiz beseitigt und ein neues System eingeführt: Betreuungs-Gutscheine.

Luzern hat ihre Investitionen in die familien-ergänzende Kinderbetreuung in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Letztes Jahr waren es knapp vier Millionen Franken. Mit Betreuungs-Gutscheinen leistet die Stadt Pionier-Arbeit.

Denn statt wie früher einzelne Krippen mit Subventionen zu unterstützen, erhalten heute alle Eltern, die bestimmte Kriterien erfüllen, Betreuungsgutscheine. Die Familien werden so direkt unterstützt und können sich frei für eine Krippe entscheiden.

«  Dank Betreuungs-Gutscheinen lohnt sich arbeiten auch finanziell. »

Alma Ramsden
Doktorantin Uni St. Gallen

Alma Ramsden hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität St. Gallen untersucht, was das neue System gebracht hat. Die Ergebnisse sind eindeutig: Heute gehen in Luzern mehr Frauen arbeiten als früher, und das Einkommen der untersuchten Haushalte hat sich um über fünf Prozent erhöht.

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Wer bekommt Gutscheine?

Es gilt eine Einkommens-Obergrenze von 124‘000 für Paarhaushalte, die Höhe der Gutscheine variiert zwischen 4 und 110 Franken pro Tag, je nach Einkommen und Alter des Kindes. Heute profitieren insgesamt mehr Familien von Unterstützungsleistungen, im Durchschnitt sind die Beiträge pro Kind allerdings etwas tiefer als früher.

«Dank Betreuungs-Gutscheinen lohnt es sich finanziell, wenn die Mütter arbeiten gehen. An anderen Orten ist es oft noch so, dass unter dem Strich weniger Geld bleibt, wenn die Frau arbeiten geht und die Kinder extern betreuen lässt, als wenn sie zu Hause bleiben würde», sagt die Wissenschaftlerin im Interview mit «10vor10».

Mehr Wettbewerb belebt den Markt

In Luzern ist mit dem neuen System die Nachfrage nach Krippenplätzen massiv gestiegen, und das Angebot zieht mit: Die Zahl der Krippenplätze hat sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt, auf über 750.

Viele neue Anbieter sind auf den Markt gekommen. Das System mit Betreuungs-Gutscheinen sorgt für gleich lange Spiesse unter den Krippen, im Gegensatz zu früher, als einzelne Krippen subventioniert wurden und andere nicht.

Das belebe den Wettbewerb, sagt Fabian Haindl, Inhaber von insgesamt acht Krippen in der Region, gegenüber «10vor10»: «Einerseits gibt es heute mehr Kunden, die sich eine Krippe leisten können. Und andererseits können die Eltern frei wählen, wo sie ihre Kinder betreuen lassen möchten.

Wir als Anbieter müssen uns durch spezielle Angebote, zum Beispiel mehr Flexibilität oder längere Öffnungszeiten auszeichnen. Der Markt spielt definitiv stärker, seit es Betreuungs-Gutscheine gibt.»

Kinder nicht als Karriere-Hindernis sehen

Die Positiven Effekte seien in allen Bildungs- und Einkommensschichten spürbar, und Paarhaushalte profitierten gleichermassen wie Alleinerziehende, sagt die Ökonomin Alma Ramsden: «Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde in Luzern dank Betreuungs-Gutscheinen gefördert.»Es brauche ein Umdenken in der Gesellschaft, ist sie überzeugt.

Kinder dürften nicht länger als Karriere-Hindernis betrachtet werden und finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung nicht als blosser Kostenfaktor, sondern als lohnende Investition: «Gut ausgebildete Frauen bleiben im Job, verdienen mehr und bezahlen am Ende auch mehr Steuern.»