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Schweiz Luzerner Polizeikommandant in Erklärungsnot

Der Luzerner Polizeikommandant hat nach dem Suizid-Drama in Malters verschwiegen, dass ein Polizeipsychologe vor Ort unmissverständlich gewarnt hatte, die Wohnung mit einer verschanzten, 65-jährigen Frau zu stürmen. Das zeigen Untersuchungs-Akten, die der «Rundschau» vorliegen.

Legende: Video Luzerner Polizeikommandant in Erklärungsnot abspielen. Laufzeit 12:04 Minuten.
Aus Rundschau vom 24.08.2016.

Der Einsatz dauerte schon über 19 Stunden, dann befahl Polizeikommandant Adi Achermann über seine Einsatzleitung den Zugriff. Die Sondereinheit «Luchs» stürmte am 9. März die Wohnung mit der dort verschanzten Frau, deren Sohn zuvor wegen Hanfanbaus im grossen Stil verhaftet worden war.

Die Polizei wollte deshalb auch diese Wohnung durchsuchen. Doch die Frau mit der Diagnose paranoide Schizophrenie drohte, sich zu erschiessen: Aus Angst, wieder in eine psychiatrische Klinik eingeliefert zu werden.

Nach dem Suizid der 65-jährigen Frau reichte der Anwalt des Sohnes Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen die Polizeiführung ein. Ein ausserkantonaler Staatsanwalt untersucht den Fall.

Polizeikommandant verschwieg Warnung

Aus diesem Verfahren liegen der «Rundschau» Aussagen des Polizeipsychologen vor, der mit der Einsatzleitung am 9. März vor Ort war. Er habe dem Polizeikommandanten und seinem Kripochef unmissverständlich vom Zugriff abgeraten: «Aufgrund von Reizüberflutung und Intervention könnte sich die Frau das Leben nehmen.» Die Einsatzleitung solle zuwarten: «Irgendwann ist die Frau erschöpft und man hat die Möglichkeit, die Situation ohne Eskalation zu beenden.»

Doch an der Pressekonferenz verschweigt Polizeikommandant Achermann die Warnung des Psychologen und behauptet, die Einsatzleitung sei unter Einbezug aller Beteiligten zum Schluss gekommen, die Frau gefährde die Sicherheit von Polizisten und Anwohnern. Deshalb habe er den Zugriff befohlen.

Die Interventionseinheiten hätten zwei Schüsse im Treppenhaus gehört. Erst danach hätten sie die Türe aufgebrochen und die tote Frau im Badezimmer entdeckt. Laut Akten der ausserkantonalen Untersuchung wird klar: Auch diese Darstellung entspricht nicht den Tatsachen.

Zeitgleich mit einem Ablenkungsmanöver ausserhalb des Hauses öffneten die «Luchs»-Elitepolizisten die Wohnungstür gewaltsam und schickten einen Interventionshund ins Innere, um die psychisch-kranke Frau zu fixieren. Dieser kehrte aber zweimal erfolglos zurück. Erst dann habe sich die Frau erschossen.

Faktor Zeit vor Faktor Sicherheit

Achermann an Medienkonferenz
Legende: Polizeikommandant Adi Achermann an einer Medienkonferenz. Keystone/Archiv

Der ehemalige Basler Polizeikommissär Markus Melzl hat die Akten studiert: «Der gewaltsame Gang in die Wohnung ist mit höchster Wahrscheinlichkeit kausal mit dem Suizid der Frau verbunden.» Die Einsatzleitung habe offenbar den Faktor Zeit höher gewertet als die Unversehrtheit der verschanzten Frau. Die Luzerner Einheit war nach 19 Stunden an die Grenze der Durchhaltefähigkeit gestossen und hätte teilweise durch Berner Polizisten ersetzt werden müssen.

Der Luzerner Polizeikommandant und sein Kripo-Chef nehmen mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellung zu den Recherchen der «Rundschau». Die Anwälte der Beschuldigten betonen jedoch mit Nachdruck, für ihre Mandanten gelte die Unschuldsvermutung.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Anton Furrer (Pitoni)
    Bei allem Verständnis über "Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser" ist es unglaublich was hier wieder mal abgeht - es werden wieder mal "Schuldige" gesucht! Will damit wieder jemand die Täter zu Opfer machen und das noch auf Kosten der Steuerzahler ??? NACH einem Einsatz ist nicht VOR oder WÄHREND eines Einsatzes!! Wer will in Zukunft noch Polizeiarbeit machen ?? Fördern nur "Dummis" den Täterschutz und merken es viele Steuerzahler noch nicht ???
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Die Tote Frau hat sich nichts zuschulden kommen lassen und war damit ganz sicher kein Täter. Aber jetzt ist sie tot und damit Opfer. Ob es ein Täter gibt und wer das allenfalls war wird gerade untersucht. Aber sicher ist die Frau nicht selber schuld.
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  • Kommentar von Daniel Blanchard (Daniel Blanchard)
    Das ist kein Luzerner Problem. 90 Prozent aller Polizisten sind dazu da, das Bussen-Budget das sie sich selber machen, einzutreiben. Logisch dass sie bei anderen Einsätzen total überfordert sind. @Bolliger: Was verstehen sie denn vom Motorradrennfahren, oder anders gefragt, wissen sie wie viel Rennfahrer die letzten 3 Jahre im Vergleich zu normalen Bürgern bei Polizeieinsätzen umgekommen sind?
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  • Kommentar von Professor Jones (IndyJ)
    @ Chr. Helfenstein: der Sohn hätte nur seine Mutter anrufen und ihr sagen müssen, sie solle den Polizisten die Tür öffnen. Die richtige Fragen lauten: - warum hat der Sohn nicht kooperiert? - wusste der Sohn, dass seine Mutter krank war? - warum gibt er seiner Mutter eine Pistole? Damit sie seine Plantage vor der Polizei schützt oder vor noch besseren Freunden? Reagiert die Luzerner Polizei in Zukunft auf meinen Notruf erst, wenn Rundschau-Reporter und Kameramann für die Überwachung bereit sind?
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    1. Antwort von Jonas Ammann (jonas.ammann)
      Für Sie ist also die richtige Frage: Warum hat der Sohn nicht kooperiert? Der Sohn war gar nicht vor Ort, wieso soll ausgerechnet das die richtige Frage sein? In dieser Angelegenheit gibt es ganz viele andere richtige und wichtige Fragen, zum Beispiel: Warum stürmt die Polizei die Wohnung, obwohl ein Polizeipsychologe vor Ort empfohlen hat, genau das in dieser konkreten Situation nicht zu machen? Und weiter: Warum verschweigt der Polizeikommandant diese Empfehlung? Hat er etwas zu verbergen?
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Und wie hätte der Sohn seine Mutter anrufen sollen aus der Untersuchungshaft heraus?
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