Schweizer Aussenminister Marcel Pilet-Golaz, 1940-1944

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Bildlegende: Marcel Pilet-Golaz, FDP, VD; 1940-1944 sozialarchiv zürich

Als Aussenminister im Zweiten Weltkrieg musste Pilet-Golaz eine «unmögliche Balance» finden zwischen den deutschen Forderungen, den alliierten Einwänden und dem Unabhängigkeitswillen der Schweiz. Sein Weg, ein relativ gutes Verhältnis zum Deutschen Reich aufzubauen, war stark umstritten.

Typisch dafür ist die bekannte Radioansprache, die Pilet-Golaz als Bundespräsident am 25. Juni 1940, kurz nach der Kapitulation Frankreichs hielt. Sie trug ihm den Vorwurf der vorauseilenden Anpassung an Deutschland ein.

Eine Rede mit Zündstoff

Die im Bundesrat abgesprochene Rede sollte das Volk trotz der neuen Lage in seiner Eigenständigkeit versichern. Sie wirkte aber gegenteilig: Denn die vor dem deutschen Westfeldzug üblichen Worte wie «Widerstand», «bewaffnete Neutralität», «Unabhängigkeit» kamen in der Rede nicht vor.

Der so genannte Rütli-Rapport von General Henri Guisan wurde vielerorts als Entgegnung auf Pilet-Golaz‘ Radiorede interpretiert. Obwohl die Forschung auch die schwierigen Umstände von Pilet-Golaz‘ Haltung ausleuchtete, blieb dieser Grundeindruck am Wirken von Aussenminister Pilet-Golaz haften.