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Schweiz «Marsch fürs Läbe» ohne Kindersärge

Mit Luftballons und Holztafeln haben am Samstag in Zürich-Oerlikon rund 3500 Personen aus christlichen und rechtskonservativen Kreisen gegen Abtreibungen demonstriert. Wie angekündigt, versuchten Autonome, den «Marsch fürs Läbe» zu stören. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Polizisten vor einem Demonstrationszug
Legende: Polizeischutz für Abtreibungsgegner: Tausende nahmen an der Demo in Zürich-Oerlikon teil. Keystone

Die Gegendemonstranten hatten ihren Auftritt vergangene Woche bei einem Farbanschlag auf das Zürcher EVP-Sekretariat angekündigt.

Es war das erste Mal, dass auch die Mutterpartei ihre Teilnahme am Anlass beschlossen hatte - nachdem die Organisatoren einen «differenzierten, nicht plakativen Auftritt» versprochen hatten.

Legende: Video Zürich-Oerlikon: Demo gegen Abtreibung abspielen. Laufzeit 00:48 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 19.09.2015.

«Total Mensch!»

So wurden dann beim Umzug am Samstag auch nicht wie in Vorjahren Kindersärge mitgetragen. Auch verzichteten die Abtreibungsgegner auf Bilder mit Embryonen. Der Flyer und Holztafeln, welche die Umzugsteilnehmer dabei hatten, zeigte aber einen Fötus im Mutterleib mit der Aufschrift «Total Mensch!» oder «Ja zum Leben».

Vor dem Umzug versammelten sich die Abtreibungsgegner auf dem Marktplatz zu einem Gottesdienst. Seine Teilnahme zur 6. Ausgabe der Kundgebung absagen, musste der Bischof von Freiburg, Charles Morerod. Er weilte gerade in Rom. An seiner Stelle wandte sich der Zürcher Weihbischof Marian Eleganti an die Anwesenden.

Mehrere Dutzend Personen abgeführt

Der Verein «Marsch fürs Läbe» tritt kompromisslos gegen Abtreibung und für das Recht auf Leben ein. Die Umzugsteilnehmenden sammelten am Samstag zudem Unterschriften für das Referendum gegen das Fortpflanzungsmedizingesetz. Sie wehren sich gegen die Einführung der Präimplantationsdiagnostik.

Schon vor dem Gottesdienst hatten sich beim Marktplatz etwa 200 junge Leute zu einer Gegendemonstration versammeln wollen. Die Polizei war jedoch mit einem Grossaufgebot vor Ort und erstickte die Störaktionen im Keim. Sie riegelte den Marktplatz für die «Marsch-fürs-Läbe»-Teilnehmenden von allen Seiten her ab.

Demomaterial sichergestellt

Nach Polizeiangaben wurden rund 100 Personen für eine Kontrolle auf eine Polizeiwache geführt und danach wieder entlassen. «Vor Ort war es nicht möglich, die Demonstrierenden zu überprüfen», sagte Judith Hödl. Zahlreiches Demomaterial wurde sichergestellt, wie die Stadtpolizei mitteilte.

Von der Polizei eskortiert konnte der «Marsch-fürs-Läbe»-Umzug dann praktisch ungestört durchgeführt werden. Vor Beginn der Schlusskundgebung blockierten dann rund 50 Personen den Zugang zur Bühne auf dem Marktplatz. Als sie sich weigerten, den Ort zu verlassen, wurden sie von Polizisten weggetragen.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Für mich beginnt mit der Befruchtung, menschliches Leben. Wer dies willentlich, gleich in welchem Stadium der Schwangerschaft, auslöscht oder auslöschen lässt, muss diese Tat einmal verantworten. Der verschobene Zeitpunkt des beginnenden Menschlebens, wurde durch Menschen und nicht durch Den, dem unser Leben gehört, bestimmt.
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Wem gehört den unser Leben? Sie müssen bitte unterscheiden zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen. Jeder darf glauben was er will aber bitte sagen Sie nicht Andersgläubigen, was richtig und was falsch ist. Gemäss meinem Glauben gehört das Leben niemandem. Hier geht es aber um Politik für ein ganzes Land und nicht um religiöste Dogmen für eine Glaubensgruppe, die Argumentation geht also nicht auf. Sachliche Argumente sind gefragt.
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    2. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      p.s. was ist denn mit der "Pille danach"? Dadurch wird eine befruchtete Eizelle am Einnisten gehindert...
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    3. Antwort von Otto Murbach (OttoMurbach)
      Ja Herr J.Baltensberger. So ist mal das Leben. Sie haben Ihre Meinung und ich habe meine Gewissheit.
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  • Kommentar von D. Thrum (Thrum)
    Was soll das eigentlich? Keiner hat das Recht, die körperliche Selbstbestimmung eines Menschen zu unterwandern. Niemand kann dazu gezwungen werden, Blut oder gar Organe einem anderen Menschen zu geben, selbst wenn sie für diesen lebensnotwendig wären. So hat auch kein Mensch das Recht darauf eine Uterus zu besetzen. Erst recht kein Embryo. Schwangerschaft sollte auch nicht als 'Bestrafung' für Sex angesehen werden. Ist doch absolut krank wenn Leute Frauen weniger Rechte anerkennen als Leichen.
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  • Kommentar von Rebekka Ilg (R.Ilg)
    @Baltensberger. Eine Frau hat Rechte und einen Verstand, die Entscheidung für ein Kind sollte vor dem Geschlechtsverkehr fallen. Als 3 fache Mutter die auch 3 Aborte hatte wage ich zu fragen: Wenn eine Frau schwanger und in einer misslichen Lage ist, löst dann die Abtreibung ihr Problem? Sie muss das alles seelisch und körperlich verkraften und ist daran noch mitschuldig (ausgenommen Vergewaltigung). Wenn sie vergewaltigt wurde, dann wird sie auch noch mit dem Abreibungstrauma konfrontiert.
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Lassen Sie das doch die Frau entscheiden. Wie wollen Sie wissen, was für einen Menschen in einer solchen Situation gut ist - jeder Mensch ist doch verschieden. Eine ungewollt schwangere Frau möchte - genauso wie Sie auch - selber über ihren Körper entscheiden und das soll sie auch bis zu einem gewissen Grad dürfen. Hier die Schuldfrage zu stellen ist müssig.
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