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Das Teströhrchen in den Händen einer Krankenschwester.
Legende: Für den Trisomie-Test reicht ein bisschen Blut der werdenden Mutter. Keystone
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Schweiz Massive Zunahme bei Trisomie-Tests

Bei der Einführung der neuen Bluttests zum Nachweis von Trisomie 21 bei Föten war der Aufschrei bei den Behindertenverbänden gross: Sie befürchteten eine Stigmatisierung der Behinderten. Nun zeigt sich: Die Nachfrage nach den Tests ist grösser als angenommen – und sie steigt.

Der Test sorgte schon vor seiner Einführung vor einem Jahr für Aufregung: Mit einer simplen Blutentnahme bei einer schwangeren Frau kann Trisomie 21 (Down Syndrom) beim Fötus nachgewiesen werden – ohne risikoreiche Fruchtwasser-Untersuchung.

Vor allem die Behindertenverbände hatten Angst, der Druck auf Schwangere könnte massiv zunehmen, bei einem positiven Test abzutreiben. Eine heftige Ethik-Debatte war die Folge. Von Stigmatisierung der Behinderten war die Rede.

Schätzungen zu tief

Nach einem halben Jahr konnten die Verbände aufatmen: Nach Schätzungen liessen sich in sechs Monaten nur gerade 500 Frauen in der Schweiz testen. Die Diskussion versandete. Doch nun zeigt sich: Das Bedürfnis werdender Eltern zu wissen, ob ihr Kind mit einer Behinderung zur Welt kommen würde, ist offenbar weit grösser als bisher angenommen.

Erstmals kommuniziert die Deutsche Firma Lifecodexx, die den Test vertreibt, ihre Zahlen. Seit Markteinführung im August 2012 seien rund 1400 der Tests in die Schweiz verkauft worden, sagt Unternehmenssprecherin Elke Decker gegenüber SRF. Und dabei ist Lifecodexx längst nicht mehr der einzige Anbieter der Tests auf dem Schweizer Markt. Auch zwei US-Firmen haben das Geschäft mit Schweizer Kunden entdeckt. Und seit kurzem bietet zudem ein Schweizer Unternehmen einen ähnlichen Test an.

Zahl der Tests verdreifacht

Insider sprechen von bis zu 1000 Tests, die in den vergangenen fünf Monaten allein von der Firma Genesupport ausgeliefert wurden. Die Gesamt-Zahl der Tests hätte sich damit im zweiten Halbjahr – konservativ geschätzt – gegenüber den ersten sechs Monaten seit der Einführung mindestens verdreifacht.

Diese Zunahme spürt man auch in den Spitälern. Das bestätigt beispielsweise Sabina Heuss vom Unispital Basel. Ähnliches ist vom Universitätsspital Zürich zu hören. Dort hat die gestiegene Nachfrage bereits Konsequenzen: Während solche Pränatal-Tests in vielen Spitälern nur in Gesprächen mit Risiko-Patientinnen erwähnt werden, informiert man in Zürich praktisch alle Schwangeren über diese Möglichkeit.

Schwangere müssen Kosten bislang selber übernehmen

Die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Anbietern hat inzwischen auch zu einem Preiskampf geführt, was den Absatz der Tests zusätzlich anheizt. Denn die Untersuchungen werden nur in Einzelfällen von der Zusatzversicherung einer Krankenkasse abgedeckt. In den meisten Fällen zahlen die Frauen den Test selber.

Doch die Firmen, welche den Test anbieten, möchten dies ändern: Bei Genesupport heisst es, das Ziel sei, dass der Test «möglichst schnell» in die Liste der von der Grundversicherung vergüteten Leistungen aufgenommen wird. Auch Lifecodexx bestätigt eigene Bemühungen, damit der Test möglichst rasch in die Analyseliste aufgenommen wird. Beide Firmen wollen zu diesem Zweck schon bald entsprechende Gesuche beim Bundesamt für Gesundheit einreichen.

Wenn es soweit ist, dürfte die Ethik-Diskussion neu lanciert werden.

(snep;brut)

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann , Bern
    Es stimmt zwar, U. Fankhauser, dass Trisomie 21 bei bspw. 25j Schwangeren nur ca. 1:1000 vorkommt. Inzwischen erkennen aber Wissenschaftler, dass weit mehr grav. Erkrankungen des Kindes und damit verbundene Schwangerschftskomplikationen der Mutter als bisher gedacht im Zusammenhang mit einem fortgeschrittenen Alter des Vaters stehen.
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  • Kommentar von Ueli Fankhauser , Bern
    Die Häufigkeit von Trisomie 21 steigt quasi exponentiell bei über 35 jährigen Müttern. Vor 35 macht dieser Test daher keinen Sinn. Nun warten viele mit der Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen bis sie biologisch zu alt sind dafür und dann wird ihnen ermöglicht, falls es nicht das erwünschte Ergebins ist, es abzutreiben. Dies ist vom Grundsatz her falsch und tatsächlich wirkt es durch den shopping-gedanken (Qualitätskinder vs Kinder minderer Qualität) für Behinderte diskriminierend.
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  • Kommentar von john doe , bärn
    gehts noch?es geht doch hier nicht ums geld! sondern darum, dass unsere gesellschaft und das gesetz den wert eines menschen nur über leistungsfähigkeit definiert. aber menschen mit down-syndrom sind halt anders. sie können das tun was wir nicht können. sie leben -ohne gesellschafts- oder leistungsdruck wie wir ihn kennen. sie sind irgendwie zufriedener als unsereins! und sie bereichern unsere gesellschaft viel positiver, als die allermeisten von uns "normalen". die welt wäre grauer ohne sie!
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