Medienqualität: Publikum und Experten sind sich meist einig

Die Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF erhält im ersten «Medienqualitätsrating» die besten Noten von Experten und Publikum. Die neue Studie hat die Qualität der Schweizer Medienlandschaft untersucht – doch sie ist nicht unumstritten.

Symbolbild: Zeitungssständr mit vielen verschiedenen Zeitungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: ExpertInnen und LeserInnen sind meist einer Meinung, was die Qualität der Schweizer Medien angeht. Keystone

Die beste Bewertung durch Publikum und Experten erhält über alles gesehen ein Produkt von Radio SRF. Die Hintergrundsendung «Echo der Zeit» richte ihren Fokus auf die wichtigsten Ereignisse und zeige relevante Zusammenhänge sachlich und unabhängig auf. So lautet das Fazit des «Medienqualitätsrating 2016», welches 43 Medientitel miteinbezogen hat.

NZZ und «Tages-Anzeiger» vorn

Online-Angebote werden auch in dieser Studie kritischer eingeschätzt als zum Beispiel Printtitel: Die besten Zeitungen sind demnach die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag». Beide werden von Publikum und Experten jeweils am besten bewertet.

«Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung» des Medienhauses Tamedia kommen nicht ganz so gut weg wie die NZZ-Titel. Wie immer auf den hinteren Rängen sind die Ringier-Blätter «Blick» und «Sonntagsblick» zu finden – weil sie als Boulevardmedien zu wenig Relevanz und zuviel Seichtes böten, so die Begründung.

Ähnliche Einschätzungen kennt man schon aus früheren Studien. Das gibt auch der frühere «Sonntagszeitung»- und «Facts»-Chefredaktor Andreas Durisch zu. Er ist Gründer der Stiftung Medienqualität, welche die Studie in Auftrag gegeben hat.

Meinung des Publikums fliesst mit ein

Durisch betont, dass sein Medienqualitätsrating nicht nur die Meinung von 60 Medienexperten berücksichtige, sondern dieser auch die Meinung des Publikums gegenüberstelle. Befragt wurden dazu rund 1600 Personen in der Deutsch- und Westschweiz.

Dabei habe sich gezeigt, «dass die Einschätzung zwischen der inhaltlichen und der wahrgenommenen Qualität sehr stark übereinstimmt», so Durisch. Medien, die von den Experten als qualitativ gut eingeschätzt werden, geniessen also in der Regel auch beim Publikum ein hohes Ansehen.

Ausreisser: «Weltwoche» und BaZ

Allerdings gibt es zwei prominente Ausnahmen: Die «Basler Zeitung» und die «Weltwoche» sind laut Durisch besser als ihr Ruf: «Sie schneiden bei der Publikumsbefragung unterdurchschnittlich ab.» Dabei erzielten beide Titel laut Expertenmeinung in Sachen Relevanz und Einordnungsqualität im Vergleich mit den anderen Printtiteln ein gutes Ergebnis.

Ein wichtiges Versprechen kann die erste Ausgabe des Medienqualitätsratings noch nicht einlösen: Die Stiftung Medienqualität möchte nämlich auch aufzeigen, wie die Medienhäuser die Qualität ihrer Produkte sicherstellen. Prominente Verlage wie Ringier, Tamedia oder AZ-Medien würden die Informationen dazu aber verweigern.

Sie kritisieren unter anderem, Boulevardmedien könnten nicht nach den gleichen Kriterien beurteilt werden, wie eine politische Wochenzeitung. Ausserdem bestand eine gewisse Skepsis, weil die Stiftung aus der Privatwirtschaft finanziert wird. Erst auf Drängen der Verlage legte die Stiftung denn auch einige Geldgeber wie Swiss Re oder Credit Suisse offen.

Wie ist das Qualitätsverständnis der Medienhäuser?

Stiftungsgründer Durisch ist aber weiter im Gespräch mit den Medienhäusern und hofft, diesen Teil der Studie im nächsten Jahr ebenfalls publizieren zu können. Denn seiner Meinung nach sind «die Kultur und das Qualitätsverständnis der Medienhäuser ebenfalls sehr aussagekräftig.»

Durisch zeigt sich zuversichtlich, dass die Verlage ihre Skepsis nach Vorliegen des ersten Medienqualitätsratings ablegen werden; damit die nächste Ausgabe noch aussagekräftiger wird.