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Schweiz Medikament für 190‘000 Franken pro Jahr und Patient vor Zulassung

Bis zu 190'000 Franken soll das Präparat Orkambi gegen Cystische Fibrose pro Jahr und Patient kosten. «10vor10» hat erfahren: Orkambi wird von der Heilmittelbehörde Swissmedic zugelassen. Doch die hohen Kosten sorgen für Kritik.

Legende: Video Teures Medikament - Orkambi soll in der Schweiz zugelassen werden abspielen. Laufzeit 7:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.06.2016.

Das Medikament Orkambi gegen Cystische Fibrose kostet in den USA jährlich gemäss Listenpreis 259'000 Dollar – pro Patient. In der Schweiz wird es zwischen 150‘000 und 190'000 Franken kosten, wenn es nach dem Willen des US-Herstellers Vertex, Link öffnet in einem neuen Fenster Pharmaceuticals Inc. geht.

Cystische Fibrose gilt als seltene Krankheit und trifft rund vier von zehntausend Menschen. Die schwere vererbte Stoffwechselkrankheit schreitet chronisch voran und verstopft die Lunge mit zähem Schleim. Patienten müssen täglich bis zu drei Stunden lang Therapien durchführen, etwa inhalieren. Zudem müssen sie häufig hospitalisiert werden.

Kosten von jährlich rund 50 Millionen Franken

Wie «10vor10» weiss, will das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic als Kontrollbehörde für Medikamente das Präparat Orkambi zulassen. Ein entsprechender Vorentscheid ist ergangen.

Eine Schachtel mit dem Medikament Orkambi.
Legende: Das neue Medikament Orkambi soll Linderung bei Cystischer Fibrose bringen –- zu einem hohen Preis. SRF

Jetzt muss das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Vergütung durch die Krankenkassen prüfen und den Preis festlegen. Erfahrungsgemäss können Pharmafirmen für Medikamente gegen seltene Krankheiten hohe Preise verlangen, die von den Behörden häufig genehmigt werden.

Arzneimittel-Spezialist und Arzt Max Giger, langjähriger Präsident der Eidgenössischen Arzneimittelkommission (EAK), sagt, die klinische Wirkung von Orkambi sei gemäss Studiendaten «nicht berauschend» und der geforderte Preis zu hoch. «Eine kleine Gruppe von 250 bis 300 Patienten würde Medikamenten-Kosten von bis zu 50 Millionen Franken zu Lasten der Krankenversicherung verursachen. Das sprengt den Rahmen.»

Ausgleich durch volkswirtschaftlichen Nutzen

Bruno Mülhauser, Präsident der Patientenorganisation Gesellschaft für Cystische Fibrose (CFCH), setzt sich dafür ein, dass das Präparat von den Kassen bezahlt wird. Die Kosten des Medikaments würden durch den volkswirtschaftlichen Nutzen ausgeglichen, wenn Patienten länger arbeiten können. «Es kann auch sein, dass wegen des Medikaments auf eine Lungen-Transplantation verzichtet werden kann und so hohe Folgekosten vermieden werden können».

Auch Christian Benden, leitender Arzt an der Klinik für Pneumologie am Universitätsspital Zürich, hält den hohen Preis für gerechtfertigt – bei Patienten, bei denen das Medikament wirkt. Er hat bei mehreren Patienten positive Effekte von Orkambi beobachtet.

Der Hersteller Vertex nimmt nicht Stellung. Die Pharmabranche begründet hohe Preise bei seltenen Krankheiten unter anderem mit grossen Forschungskosten. Experte Max Giger sagt jedoch: Die Behörden könnten durchaus tiefere Preise durchsetzen. Denn das Geschäft mit seltenen Krankheiten sei für Pharmafirmen häufig lukrativ.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    @Albert Planta. Nur zwei Tatsachen sind sicher in unserem Leben. Nach der Geburt folgt der Tod. Nun ist die Frage, wie viel darf die Lebenserhaltung unter gewissen Umständen kosten? Viele Menschen können in der Schweiz ihre Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlen! Nun kommen noch zahlreiche Migranten die einen medizinischen Nachholbedarf haben. Und Behandlungen sind sehr, sehr kostspielig.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Hauptsache ist, die Pharma-Industrie und die Wissenschaftler machen Kohle. Geht das so weiter, kollabiert das Gesundheitswesen. Wir haben bereits das annähernd teuerste Gesundheitswesen der Welt. Jährlich bleiben einige hundert Millionen Krankenkassenprämien unbezahlt.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Natürlich ist es billig, einmal mehr über die unablässig steigenden Gesundheitskosten zu lamentieren. Wenn wir aber das Prinzip der Gegenseitigkeit aufgeben, sagen wir auch einem Stück Menschlichkeit Ade. Statt zu lästern, sollten wir uns freuen, dass ein Pharmahrrsteller nochmals versucht, einer kleinen Minderheit zu helfen. Reich wird er damit nicht!
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Das verstehen Laien nicht, die haben keine Ahnung, wieviel die Entstehung eines Medikamentes kostet..
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