Mehlwurm-Burger statt «Iklemmts»

Häppchen der etwas anderen Art: Am Insekten-Apéro im Bundeshaus sind Heuschrecken und Mehlwürmer aufgetischt worden. Zu den Organisatoren gehören unter anderem Nationalrätin Isabelle Chevalley von den Grünliberalen.

Teigtaschen mit knusprigen Grillen, gefolgt von einem erfrischenden Mehlwurm-Zitronencake. Etwa so könnte die Einladung zum Insekten-Apéro gelautet haben, die den Parlamentarierinnen und Parlamentariern zugestellt wurde. Dieser fand gestern Montag in der Galerie des Alpes im Bundeshaus statt.

«Es gab auch Mehlwurm-Burger, Macarons mit karamellisierten Heuschrecken oder Heuschrecken nature», sagt Matthias Grawehr von Essento. Das Jungunternehmen beschäftigt sich mit Insekten als menschliche Nahrung und hat den Anlass mitorganisiert. Grawehr versichert, der Mehlwurm-Burger schmecke fast wie ein herkömmlicher Burger. «Er ist vielleicht etwas nussiger im Geschmack».

Insekten nur für Eigenbedarf erlaubt

Hinter dem Insekten-Apéro verbarg sich nicht etwa eine neue Ökowelle, die in Bundesbern Einzug gehalten hat, sondern das Anliegen der grünliberalen Nationalrätin, Isabelle Chevalley, und ihrem Team. Sie wollen erreichen, dass der Bundesrat das Schweizer Lebensmittelgesetz über Insekten lockert. Dieses besagt, dass Heuschrecken, Mehlwürmer oder Ameisen wohl für den eigenen Gebrauch gezüchtet und verzehrt werden dürfen, nicht aber deren Handel. Grund: Insekten könnten Krankheiten übertragen, Allergien auslösen oder giftige Substanzen enthalten.

Insekten für Mutige

2:43 min, aus Schweiz aktuell vom 30.3.2011

Frittierte Mehlwürmer statt Steak?

«Ich verstehe das einfach nicht. Heute essen Menschen Meeresfrüchte und Pilze, die ebenso Allergien auslösen oder giftig sein können», argumentiert Chevalley. Weltweit ernährten sich zwei Milliarden Menschen mit Insekten. Aus gutem Grund: Die Tierchen seien nahrhaft und enthielten viel Proteine, Mineralien und Ballaststoffe. «Ausserdem benötigt man für die Zucht viel weniger Fläche und Rohstoffe, sie ist demnach schonender für die Umwelt und ein guter Ersatz für Fleisch und Fisch», sagt Chevalley weiter.

Die Nationalrätin hat beim Bundesrat mehrere Interpellationen und einen Vorstoss eingereicht. Nun folgen zwei weitere Interpellationen. Sie wolle nicht lockerlassen. Bereits habe Parteikollege Martin Bäumle seine Teilnahme am Insekten-Apéro zugesichert, sagt sie.

Befinden sich in den Tiefkühlabteilungen von Migros und Coop bald schon Packungen mit Mehlwürmern und Heuschrecken? Matthias Grawehr von Essento ist sich sicher: «Irgendwann werden wir auch in der Schweiz Insekten als Nahrungsmittel kaufen können. Vielleicht in fünf bis zehn Jahren», schätzt er. Bis dahin brauche es aber ein Umdenken in der Gesellschaft und die Bereitschaft, kulturelle Barrieren zu überwinden.

Insekten-Umfrage

  • Insekten-Umfrage

    Frittierte Heuschrecken und Mehlwurm-Burger – würden Sie Insekten essen?

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  • Ja, ich würde es ausprobieren.

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Insekten auf dem Teller: Das sagt die Prominenz dazu

    Aus glanz und gloria vom 11.3.2014

    Die grünliberale Partei servierte gestern bei einem Insekten-Apéro im Bundeshaus den Parlamentarier geröstete Grashüpfer, Mehlwurm-Burger oder eine Heuschrecken-Torte. Insekten sollen als Nahrungsmittel zugelassen werden. «glanz & gloria» wollte von prominenten Persönlichkeiten wissen, ob Käfer, Mehlwürmer oder Fliegen auf ihren Tellern landen würden.

  • Insekten-Apéro im Bundeshaus

    Aus 10vor10 vom 10.3.2014

    Während der Session der eidgenössischen Räte in Bern vergeht kaum ein Tag, ohne dass irgendwo im Bundeshaus ein Apéro stattfindet. Auch heute am frühen Abend war ein Apéro angesagt - allerdings der etwas anderen Art. Serviert wurden keine Lachscanapés oder Salzstängeli sondern Hamburger mit Mehlwürmern oder Heuschrecken-Mousse.