Konsumverhalten wirkt sich aus Mehr Karton, weniger Papier – und schuld ist das Internet

Das grösste Schweizer Sortierwerk für Altpapier und Karton wird heute eröffnet – doch der Altpapiermarkt ist im Umbruch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Heute wird in Bern das grösste Schweizer Sortierwerk für Altpapier und Karton eröffnet.
  • Und das in einer Zeit, wo der Altpapiermarkt im Umbruch ist.
  • Das Konsumverhalten wirkt sich auf den Papier- und Kartonverbrauch aus.
  • Mehr Karton – weniger Papier: Daran sei das Internet Schuld, sagt der Altpapier-Fachmann Ulrich Egger.

Säuberlich verschnürt am Strassenrand bereitgestellt, steht es nun da. Und es wartet darauf, mitgenommen zu werden: das Altpapier-Bündel. Die Zusammensetzung des Altpapiersammelgutes hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Mehr Karton – weniger Papier.

Daran sei das Internet schuld, sagt der Altpapier-Fachmann Ulrich Egger. «Durch die Internet-Bestellungen haben wir jedes Jahr einen wesentlich höheren Anteil an Verpackung im Altpapier.» Und, sagt er weiter: «Leider – auch wieder durch das Internet – weniger bedruckte Zeitungen.»

Egger hat für die Firma Alpabern den Bau der neusten und grössten Schweizer Papier- und Karton-Sortieranlage in Bern geplant. 70'000 Tonnen Altpapier und Altkarton sollen hier jedes Jahr schön sortiert das Werk verlassen. Altpapier wird zu neuem Zeitungspapier.

«  Durch die Internet-Bestellungen haben wir jedes Jahr einen wesentlich höheren Anteil an Verpackung im Altpapier. »

Ulrich Egger
Altpapier-Fachmann

Und dafür gibt es schon bald nur noch einen einzigen Abnehmer in der Schweiz, die Papierfabrik in Perlen bei Luzern. Denn: Auf Ende Jahr schliesst die Papierfabrik im bernischen Utzenstorf. Nicht zur Freude von Egger. Er erklärt: «Das ist natürlich eine unglückliche Situation für unseren Standort hier in Bern. Aber wir werden ganz sicher die freien Mengen, die nun dazukommen, in der Schweiz soweit wie möglich verkaufen und sonst werden wir auch mit gewissen Mengen in den Export gehen.»

Und auch der Altkarton werde oftmals exportiert: Dorthin, wohin wir unsere Internet-Bestellungen aufgeben – und wo entsprechend viel Verpackungsmaterial benötigt werde. «Verpackungen: Hier sind wir gezwungen zu exportieren, weil einfach die Abnahme in der Schweiz nicht gross genug ist», sagt Egger.

Die Altpapier-Preise in der Schweiz seien recht stabil, sagt er; wie viel er den Gemeinden pro Tonne angeliefertes Altpapier zahlen müsse, will er aber nicht bekanntgeben: Geschäftsgeheimnis.

«  Verpackungen: Hier sind wir gezwungen zu exportieren, weil einfach die Abnahme in der Schweiz nicht gross genug ist. »

Altpapier und Altkarton: Rohstoffe von Wert

Auch die in Privatbesitz befindliche Entsorgungsgruppe Barec – zu der Alpabern gehört – gibt keine Geschäftszahlen bekannt. Immerhin so viel: Altpapier und Altkarton seien Rohstoffe von Wert. Für die Gemeinden, die heute fast überall regelmässig das Altpapier sammelten, wie auch für Schulen, Pfadi oder Vereine, lohne es sich, Altpapier zu sammeln. «Das ist dort, wo es noch gemacht wird, sicher ein guter Zustupf für die Schulreise oder für die Skilager und so weiter», sagt Egger.

So werden auch künftig schweizweit viele Bündel mit Altpapier und Karton auf willige Sammler warten.