Mehr Wasser bedeutet nicht immer mehr Strom

Der nasse Sommer lässt vergessen, dass die erste Hälfte des Jahres zu trocken war. Für die rund 500 Flusskraftwerke in der Schweiz hatte das Folgen. Sie konnten zu wenig Strom produzieren. Aber das heisst nicht, dass die Stromproduzenten das mit dem Regen der letzten Wochen wettmachen können.

Führen die Flüsse zu wenig Wasser, haben die Kraftwerke ein Problem. Führen sie zu viel Wasser haben sie aber auch ein Problem, sagt Andreas Meier, Pressesprecher vom Kraftwerkbetreiber Alpiq: «Die Gleichung stimmt nicht, wenn wir sagen, je mehr Wasser, desto mehr Strom.» Die Flusskraftwerke seien auf eine optimale Menge Wasser ausgerichtet, und bei Hochwasser komme zu viel Wasser.

Das Wasserkraftwerk Mühleberg im Kanton Bern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weder zu viel noch zu wenig Wasser sind der Stromproduktion, etwa beim Wasserkraftwerk Mühleberg (BE), zuträglich. Keystone

«Das kann dann nicht in Strom umgewandelt werden», so Meier. Das überschüssige Wasser wird über das Stauwehr abgelassen, dadurch aber verringert sich das Gefälle des Flusses. «Und je tiefer das Gefälle, desto geringer ist auch die Stromproduktion.»

Probleme mit Schwemmgut

Doch noch viel störender für die Kraftwerkbetreiber sind die Bäume und Äste, welche das Hochwasser mitbringt, wie Meier erklärt: «Dieses Schwemmgut sammelt sich in den Einlaufrechen der Kraftwerke an und muss aus dem Wasser genommen und entsorgt werden. Das verursacht Kosten. Unser Betriebspersonal war während mehrerer Wochen quasi ununterbrochen im Einsatz, um diese Rechen zu reinigen.»

Abschaltung wegen Hochwasser

Mit den grossen Wassermassen kämpfen vor allem Kraftwerksbetreiber entlang der Aare und des Rheins. Die Berner Kraftwerke mussten teilweise gar Kraftwerke abschalten wegen des Hochwassers. Über die ganze Schweiz gesehen sei die Situation aber nicht dramatisch, sagt Roger Pfammatter, Geschäftsführer vom Verband für Wasserwirtschaft: «Da und dort gab es schon etwas mehr Aufwand, aber nicht ausserordentlich viel.»

Das könne sich aber ändern. Nämlich dann, wenn der Regen anhalte, warnt Pfammatter: «Die Böden sind grundsätzlich gesättigt. Das heisst, es gibt kaum mehr Puffer im Boden. Das deutet darauf hin, dass das zu Problemen führen könnte, wenn jetzt langandauernde Regen kommen.»

Nach dem zu trockenen ersten Halbjahr droht den Flusskraftwerken nun also ein zu nasses zweites Halbjahr.