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CVP unter Druck
Aus Tagesschau vom 24.10.2016.
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Schweiz Mit Freiburg folgt der nächste «Pfister-Test»

Seit einem halben Jahr versucht Gerhard Pfister, die CVP nach der Niederlage auf nationaler Ebene wieder auf einen attraktiven Kurs zu bringen. Doch es harzt, wie das Wahlwochenende in Basel und im Aargau zeigt. Was kann der Steuermann aus Zug dem grossen Druck von links und rechts entgegensetzen?

Nein, natürlich ist Gerhard Pfister nicht zufrieden mit dem Wahlwochenende. Doch angesichts der trüben Prognosen stellt er fest: «Die Vorausschauen in beiden Kantonen waren für die CVP sehr viel schlimmer, als es jetzt herausgekommen ist. Das konnten wir durch einen engagierten Wahlkampf abwenden.»

Seit einem halben Jahr führt Pfister die CVP. Entsprechend sei es klar zu früh, den Reformprozess zu beurteilen. Immerhin habe er Medienaufmerksamkeit generiert wie noch selten. Man habe Debatten lanciert und bestimmt: «Das ist für eine Mitte-Partei schon ein grosser Erfolg, und diesen Weg werden wir fortsetzen.»

Wir haben Medienaufmerksamkeit generiert wie noch selten.
Autor: Gerhard PfisterPräsident CVP

Zum Beispiel hat Pfister eine Wertedebatte lanciert und versucht, die christliche Tradition der Partei neu zu beleben. Dass er dies in scharfer Abgrenzung zum Islam tat, provozierte Widerspruch. Sogar in der eigenen Partei. Die Basler Präsidentin meint, die CVP sollte die Finger von der Wertedebatte lassen. Das sei nicht zeitgemäss.

Ausdeutschen, was CVP heisst

Nach den Worten von Pfister ist es allerdings klar, dass es für eine CVP in Basel mit über 60 Prozent Konfessionslosen «noch etwas anspruchsvoller» ist, die Partei zu positionieren. An der Wertediskussion will er festhalten: «Wir wollen ausdeutschen, was CVP heisst. Wir wollen eine eigenständige christlich-demokratische Politik machen. Das ist genau das, was wir tun.»

Der Politologe Daniel Bochsler hat allerdings Zweifel, ob das funktioniert. Das Erfolgsmodell der CVP in den letzten hundert Jahren, sich an der katholischen Identität zu orientieren, sei ein Auslaufmodell. Ein Ersatz sei nicht gefunden. Doch Pfister will sich mit der Wertediskussion vor allem gegenüber der SVP abgrenzen. Es gehe darum, die Sorgen und Nöte der Bevölkerung aufzunehmen, sie zu thematisieren eigenständige Antworten dazu finden.

Politologe Bochsler räumt ein, dass dieser Kurs in den konservativen Stammlanden der CVP durchaus erfolgreicher sein könnte als jetzt in Basel oder im Aargau. Die Stammlande hat Pfister vor allem auch im Visier, wenn es darum geht, die CVP stärker als Wirtschaftspartei zu positionieren.

Schwierige Abgrenzungen in der Mitte

Die CVP sei mindestens in den Stammlanden schon lange eine Wirtschaftspartei und stehe dem Gewerbe sehr nahe, betont er. Es gehe auch hier – auch in Abgrenzung zur FDP – nicht darum, ein Thema nicht zu behandeln, nur weil eine andere Partei es behandle.

Doch ob Wertediskussion, Wirtschaftspolitik oder auch die Europafrage. Das Grund-Dilemma der CVP bleibt. Bochsler beschreibt es so: «Die CVP steht von beiden Seiten unter Druck. Egal was sie macht, sie wird auf der einen oder anderen Seite gewisse Wähler enttäuschen müssen.»

Egal was die CVP macht, sie wird auf der einen oder anderen Seite gewisse Wähler enttäuschen müssen.
Autor: Daniel BochslerPolitologe, Institut für Politikwissenschaft, Universität Zürich

Pfister will sich Zeit lassen, um im Druck von links und rechts zu bestehen. Für ihn sind die eidgenössischen Wahlen 2019 der Prüfstein. Doch bis dahin wird er Zwischenerfolge brauchen. Namentlich bei Kantonswahlen in den Stammlanden. Im November wählt Freiburg. Das wird der nächste «Pfister-Test».

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6 Kommentare

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  • Kommentar von U.E. Romer  (romeru)
    Die Rechten jammern über die Linken - und die Linken über die Rechten. Leider folgen viele dieser beiden Ideologien. Wer nach mehr Vernunft und Ausgewogenheit sucht, der kann nur eine Mittepartei wählen. Dies ist zurzeit weder trendy noch sexy.
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Pfister ist ohne Zweifel rechtskonservativ . Er hat jedoch seine Linie , kennt die Dossiers und grenzt sich klar von der SVP ab. Er macht auf mich den weitaus besseren Eindruck als seine Vorgänger Darbellay und Leuthard.
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      In der alles dominierenden Fluechtlingsfrae ist er aber sehr nahe an der SVP-Linie und verfolgt einen eher strengen Kurs Herr Panta. Daher wird er auch hin und wieder gezielt (medial) angegriffen und absichtlich desavouiert von den Linken.
  • Kommentar von D. Schmidel  (D. Schmidel)
    Die CVP des Kanton St. Gallen wurde von Lucrezia Meier-Schatz als Linke und SP-Freundin an die Wand gefahren und fast vernichtet. Dort werden viele CVP Frauen wieder zur SP wechseln, weil sie mit Pfister nun in der falschen Partei sind. Mittel- und langfristig wird die Rechnung von Pfister aber aufgehen. Die CVP muss sich wieder zu Leistung und Eigenverantwortung bekennen.
    1. Antwort von robert mathis  (veritas)
      Ich finde es unfair dass man erwartet dass Hr.Pfister den riesigen Scherbenhaufen den die Vorgänger angerichtet und hinterlassen haben mit ihren Linksdrall und Wischi-waschi in ein paar Wochen reparieren kann.Ich habe grosse Hoffnung in die CVP Zukunft unter Hr.Pfister.
    2. Antwort von Roman Loser  (Jessica)
      Robert Mathis, ganz meine Meinung! Er wird es noch eine Weile schwer haben, aber längerfristig gehts wieder obsi!