- Das Bezirksgericht Zürich hat einen 53-jährigen Ungarn wegen Mordes zu 13 Jahren und fünf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sprach auch eine Verwahrung aus.
- Nach Absitzen der Strafe soll der Mann für zwölf Jahre des Landes verwiesen werden.
- Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der krebskranke 53-Jährige soll am 30. August 2023 den Barmann der Kontaktbar «Lugano Bar» an der Langstrasse mit sieben Stichen getötet haben. Er bestreitet die Tat.
Die Beweise sprechen für das Gericht aber klar dafür, dass der Ungar der Täter war. Videoaufnahmen hätten ein Bewegungsmuster möglich gemacht. Dieses habe seiner Rufnummer zugeordnet werden können. Der Beschuldigte sei also zum Tatzeitpunkt am Tatort gewesen. Die Aufnahmen zeigten den 53-Jährigen, sagte der Richter weiter. Die Kleider, die zu sehen waren, seien bei ihm gefunden worden.
Ein Zeuge habe die Tötungshandlung als regelrechtes Abschlachten bezeichnet und sie mit der Duschszene im Thriller «Psycho» verglichen, sagte der Staatsanwalt am Prozess. «Das Opfer ist qualvoll verblutet.»
Wirre Ausführungen
Etwas mehr als zwei Monate nach der Tat konnte die Polizei den Ungarn weniger als hundert Meter vom Tatort entfernt verhaften. Das Messer, mit dem der Barkeeper erstochen wurde, lag auf dem Nachttisch des Beschuldigten in Ungarn. Dorthin war er nach der Tat zwischenzeitlich zurückgekehrt. Die Polizei fand auch die Kleider, die auf den Kamerabildern zu sehen waren.
Die Ausführungen des Beschuldigten am Dienstag waren über weite Strecken wirr. Er erzählte von gestohlenen Bitcoin-Konten und einer Erfindung, die er der Ehefrau von Rennfahrer Michael Schuhmacher verkauft haben will. Er sei zudem Erfinder des LED-Lichts.
Der Ungar verfolgte den Prozess auf einem Krankenbett liegend. Er ist im Pflegezentrum Bauma ZH untergebracht, einer Einrichtung für gesundheitlich eingeschränkte Häftlinge. Dort erhält er nur noch palliative Behandlung, weil er sich nach einer bereits durchgeführten Chemotherapie einer Immuntherapie verweigert. Er ist hingegen der festen Überzeugung, dass die Ärzte ihn sterben lassen wollen.
Im Wahn gehandelt
Sein Anwalt forderte einen Freispruch. Sein Mandant könne nicht einwandfrei als Täter identifiziert werden. Für eine Verurteilung würden die Beweise nicht ausreichen. Alternativ plädierte er auf Totschlag. Sein Mandant habe im Wahn seine Liebe retten wollen.
Motiv für die Tat war gemäss Anklage die Suche nach einer Frau namens «Debora» und einem gemeinsamen Kind. Der 53-Jährige sei überzeugt gewesen, dass der Barmann ihn bei dieser Suche behindere oder Frau und Kind gar in den Zimmern über der «Lugano Bar» versteckt halte.
Nach Absitzen der Strafe soll der Ungar 12 Jahre des Landes verwiesen werden. Der Lebenspartnerin des Opfers sprach das Gericht eine Genugtuung von 40'000 Franken zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.