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Schweiz Moschee-Razzia: Islam-Verband suspendiert Glaubensbrüder

Nach der Razzia in der Winterthurer Moschee hat der Dachverband der Islamischen Organisationen in Zürich, der fast alle Moscheen im Kanton vertritt, den An'Nur-Verein suspendiert. Man sei «erschüttert, dass ein Imam in einem unserer Gotteshäuser zu Gewalt aufruft».

Absperrband und Polizeifahrzeuge an einem Gebäude.
Legende: Nach dem Gewaltaufruf durch einen Imam und der Moschee-Razzia zogen jetzt Glaubensbrüder die Konsequenzen. Keystone

Der Dachverband der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), der fast alle Moscheen im Kanton vertritt, hat den An'Nur-Verein nach der Razzia in der Winterthurer Moschee suspendiert. Das beschloss der Verband an einer Krisensitzung.

Wir verlangen von unseren Mitgliedern ein Bekenntnis zum Rechtsstaat und zur Schweizer Demokratie
Autor: Mahmoud El GuindiPräsident des Dachverbandes der Islamischen Organisationen in Zürich

«Wir sind erschüttert, dass ein Imam in einem unserer Gotteshäuser zu Gewalt aufruft», sagte VIOZ-Präsident Mahmoud El Guindi gegenüber der «SonntagsZeitung».

Warnung an den Verein

Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, den An'Nur-Verein bis auf weiteres zu suspendieren und distanziere sich von den Aussagen des Imams. «Wir verlangen von unseren Mitgliedern ein Bekenntnis zum Rechtsstaat und zur Schweizer Demokratie», sagte El Guindi weiter.

Die Suspendierung sei eine Warnung an den Verein. Gegen einen Ausschluss aus dem Dachverband spreche, dass jeder «eine zweite Chance verdient» habe.

«Anforderungen an Prediger formulieren»

Auch sei es nicht Ziel des VIOZ, Leute für ihr rechtswidriges Verhalten zu bestrafen. «Wir wollen radikale Elemente auf den richtigen Weg zurückbringen. Das erfordert in gewissen Fällen zuerst einmal Toleranz.» Es sei wichtig, den Kontakt zu Moscheegängern mit radikalem Gedankengut zu halten, um ihnen andere Ansichten mit auf den Weg zu geben.

Entschieden stellt sich El Guindi gegen die Schliessung der An'Nur-Moschee. «Dafür gibt es ja auch gar keine Rechtsgrundlage». Um ähnliche Vorkommnisse wie jene in Winterthur zu verhindern, prüft der Verband derzeit, wie man den Imam-Beruf besser definieren und auch schützen könnte. «Wir als Verband müssen jetzt Anforderungen an Prediger in unseren Moscheen formulieren.» Er bezweifle, dass der nun inhaftierte Imam die nötigen Qualifikationen mit sich brachte, so El Guindi weiter.

Die Justiz hatte am Mittwoch in der umstrittenen An'Nur-Moschee in Winterthur-Hegi eine Razzia durchgeführt. Die Moschee war in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit radikalisierten Jugendlichen immer wieder ins Blickfeld der Behörden und der Medien geraten.

Imam in Untersuchungshaft

Legende: Video Razzia in An'Nur-Moschee hat Konsequenzen abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.11.2016.

Der äthiopische Imam und ein Vorstandsmitglied des Vereins befinden sich in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, öffentlich zu Verbrechen oder Gewalt aufgerufen zu haben. Bereits am Mittwoch war der ehemalige Präsident der An'Nur-Moschee wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Am Donnerstag wurde eine weitere Person aus dem An'Nur-Umfeld entlassen.

Bei der Razzia hatte die Polizei vier weitere Personen in der Moschee angetroffen, welche sie vorläufig verhaftete. Gegen drei von ihnen hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Strafbefehle erlassen. Sie wurden wegen rechtswidrigen Aufenthalts und teilweise wegen rechtswidriger Einreise bestraft.

Die vierte Person wurde von der Staatsanwaltschaft bereits am Mittwochnachmittag wieder entlassen. Diese hielt sich rechtmässig als Tourist in der Schweiz auf und konnte die gültigen Ausweisdokumente vorweisen.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der Basler Journalist Beat Stauffer, der die islamische Szene in der Schweiz seit 20 Jahren beobachtet und auch für die NZZ tätig ist, warnt allerdings davor, zu stark auf wenige Moscheen zu fokussieren. Ebenso gefährlich seien Hassprediger, die ihre Botschaften subtiler und unter Umständen unterhalb einer strafrechtlich relevanten Schwelle verbreiteten, aber nicht weniger radikal seien. Das gebe es in vielen Moscheen, ohne dass es von aussen wahrgenommen werde.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Vor Jahren schon warnten die Kundigen über diesen Islam - dass die nicht aus Liebe zu uns nach Europa und in die Schweiz gekommen sind und frech Rechte einfordern die sie selbst niemandem gewähren würden . Viele Warnungen wurden als Fremdenhass gewertet und zensiert, nun wo das Kind im Brunnen liegt, melden sich nicht die Damen und Herren denen es anstehen würde -nein- wieder sind es dieselben die schon lange die Gefahr voraussahen. Nun hat die gesamte Politik inkl. BR durchgreifend zu handeln !
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Endlich distanziert sich der islamistische Dachverband von solchen "Hass-Predigern" in muslimischen Moscheen oder alten Fabrikgebäuden! Dieses oberste Verbandsorgan hätte schon längst klar Stellung nehmen sollen, wenn sich ultraextreme Islamisten total gegen unsere rechtsstaatlichen Gesetze und Verhaltensweisen stellen, sogar Attentate planen (oder ausführen!) und sich in andersgläubigen Länder Europas nie und nimmer intergrieren wollen!
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Die Verantwortlichen haben gemerkt, dass Negativpropaganda über Hassprediger auf den eigenen Dachverband zurückfällt. Es gibt derzeit in der Schweiz eine breite Ablehnung für eine offizielle Anerkennung des Islam (61%).
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