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Schweiz Mülldetektive: Von falschen Abfallsäcken und richtigen Strafen

Sie sollen Müllsünder jagen und Basel sauberer machen – die Abfallkontrolleure der Stadt. Für ihren Job braucht es gute Nerven, Geduld und ein Gespür für Menschen. Was den Reiz dieses Berufes ausmacht und wie die Sünder reagieren, darüber sprach SRF News Online mit einem Basler Mülldetektiv.

Seit anderthalb Jahren ist Martin Spycher in Basel als Abfallkontrolleur unterwegs. In dieser Zeit hat der Mülldetektiv schon einiges gesehen und erlebt.

Die Palette reicht dabei vom entsorgten Sofa mitten im Park über ungeöffnete Pakete im Abfallsack bis hin zu Menschen, die ihren Hausmüll häppchenweise in die städtischen Abfallkübel bringen. «Und doch bin ich nach wie vor froh, diesen Job zu machen.»

Besonders rund um den Barfüsserplatz im Zentrum Basels trägt Spychers Arbeit und die seiner drei Kollegen Früchte. «Warf hier früher nahezu jeder seinen Müll achtlos auf den Gehsteig, so ist es heute in aller Regel picobello sauber.»

Grund dafür seien stete Präsenz und das direkte Verhängen von Bussen. Gern mache er das aber nicht. Denn «viel wichtiger ist doch, dass die Leute verstehen, was sie da gerade falsch gemacht haben.»

Nur selten wird es wirklich brenzlig

Mülldetektiven weht im Alltag ein rauer Wind entgegen – zumindest liest man das immer wieder. Zuweilen stimme das schon, so Martin Spycher. «Aber es hat auch viel damit zu tun, wie man auf die Leute zugeht.» Denn den meisten sei es schlicht und einfach peinlich, dass sie erwischt wurden.

«Manche haben auch einen schlechten Tag. Da heisst es dann: Aufpassen!», so Martin Spycher. Denn 200 Franken Busse können dem ein oder anderen schon mal die Laune verderben. Aber richtig brenzlige Situationen habe er nur zweimal erlebt. «Da musste dann tatsächlich die Polizei anrücken.»

Sünder erwischt man Inflagranti oder gar nicht

Die Liste der Müllsünder geht quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Besonders viel zu tun gibt es für die Abfallkontrolleure im Sommer. «Je besser das Wetter, umso mehr Leute halten sich draussen auf.»

Da werde es dann sehr aufwendig und am Abend könne es auch schon mal deutlich länger gehen, so Spycher. Denn beim Littering müsse man die Leute in flagranti erwischen, sonst bringe das Ganze nichts.

Lieber Einsicht statt Busse

Ein gutes Gespür für Menschen und ein Auge für potentielle Sünder sollte man in seinem Job schon haben, meint Spycher. «Wenn man dann noch die Routine hat und weiss wo die Problemecken sind, dann liegt man nur selten falsch.»

Noch wichtiger als Einfühlungsvermögen und Ortskenntnisse sei es aber, Präsenz zu zeigen. Das schrecke die Sünder ab und führe ganz nebenbei auch zu kuriosen Szenen. «Wir haben einmal einen älteren Mann beobachtet, der ganz offensichtlich seinen Hausmüll in einem Abfallkübel entsorgen wollten. Weil er uns aber zuvor entdeckte, zog er wieder unverrichteter Dinge von dannen – mitsamt seinem Müll.»

Theoretisch muss laut Spyher für jede weggeworfene Zigarettenkippe und jeden achtlos ausgespuckten Kaugummi gezahlt werden. «Aber das büssen wir natürlich nicht, sondern sprechen die Leute an. Im Vordergrund steht die Einsicht und nicht die Busse.»

Auch in Zürich gibt es Mülldetektive – und das sogar schon seit 1996. Allerdings dürfen sie im Gegensatz zu ihren Kollegen in Basel keine Bussen aussprechen, sondern müssen die Beweise an die Polizei weitergeben. Die entscheidet dann, ob eine Verzeigung möglich ist. Über 1300 Mal war das 2013 der Fall. Hinzu kamen noch 1000 Verwarnungen.

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