Mutmasslicher Mörder von Genf legt bei Festnahme Geständnis ab

Der Chef der Deutschen Bundespolizei gibt in der «Tagesschau» Details zur Verhaftung des Vergewaltigers Fabrice A. bekannt. Der Vergewaltiger und mutmassliche Mörder war möglicherweise unterwegs zu einer ehemaligen Therapeutin.

Video «Dieter Romann, Chef Deutsche Bundespolizei» abspielen

Dieter Romann, Chef Deutsche Bundespolizei

1:06 min, vom 16.9.2013

«Er hat sich bei unseren Beamten für seine schreckliche Tat im Waldstück bei Genf entschuldigt», sagt der Chef der Deutschen Bundespolizei, Dieter Romann, über den zweifachen Vergewaltiger zur «Tagesschau». Fabrice A., mutmasslicher Mörder einer Genfer Sozialtherapeutin, war am Sonntagabend an der deutsch-polnischen Grenze gefasst worden.

Deutsche Polizei war alarmiert

«Aufgrund von Hinweisen durch die Schweizer Kollegen wussten wir, dass der gesuchte Täter früher auch private Beziehungen nach Polen unterhalten hatte», so Romann. Man habe die Fahndung daraufhin bis zur deutsch-polnischen Grenze ausgedehnt. Laut der Bundespolizei war es keine Verfolgungsjagd, sondern eine reguläre Verfolgungsfahrt in normaler Geschwindigkeit.

Zusatzinhalt überspringen

Gedenkmarsch

Am Montagabend fand vor dem Genfer Rathaus eine Gedenkveranstaltung für die letzte Woche getötete Sozialtherapeutin statt. Viele Menschen hielten an der stillen, aber emotionalen Kundgebung Kerzen in der Hand. Politische Forderungen wurden nicht gestellt. Zu dem Anlass hatte die Gewerkschaft vpod aufgerufen.

Nach kurzer Flucht hätten die Kollegen der Bundespolizei den Täter gestellt, berichtet Romann weiter. Nach Eintreffen der polnischen Kollegen hätten diese formal die Verhaftung erklärt und die Tatwaffe im Rucksack gefunden. Er habe angeblich keinen Widerstand geleistet.

Reiseziel eine weitere Therapeutin?

Möglich ist, dass Fabrice A. zu einer weiteren Therapeutin wollte. Eine Polin habe sich in der Vergangenheit um den 39-Jährigen gekümmert, sagte ein polnischer Polizeisprecher aus Stettin. Noch sei der Mann aber noch nicht vernommen worden.

Fabrice A. war wegen zwei Vergewaltigungen zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll am Donnerstag bei einem Freigang in der Nähe von Genf seine 34 Jahre alte Therapeutin ermordet haben. Anschliessend war er geflohen.

Auslieferung in ein paar Monaten

Nun muss das Stettiner Bezirksgericht über eine Auslieferung des mutmasslichen Mörders an die Schweiz entscheiden. Zurzeit warten die Justizbehörden noch auf das offizielle Auslieferungsgesuch der Schweiz.

«Erfahrungsgemäss ist die Zusammenarbeit mit Polen gut», sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz, auf Anfrage. Gemäss Übereinkommen muss das Ersuchen schriftlich abgefasst und auf diplomatischem Weg innert 18 Tagen nach Verhaftung des mutmasslichen Täters in Polen eintreffen.

Die polnischen Behörden rechnen mit einer Verfahrensdauer von insgesamt drei bis vier Monaten, wie der polnische Konsul in Bern, Marek Wieruszewski, erklärte.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Richter verhängen Verwahrung nur zögerlich

    Aus 10vor10 vom 16.9.2013

    Mit der Annahme der Verwahrungsinitiative wollte das Stimmvolk den Richtern die Möglichkeit geben, gefährliche Täter für immer wegzusperren. In der Praxis gestaltet sich das Vorhaben aber schwierig – Richter werden aufgrund eines Gutachtens, das lediglich die Rückfallwahrscheinlichkeit einschätzt, gezwungen, einem Täter lebenslänglich die Freiheit zu entziehen.

  • Fabrice A. in Polen verhört

    Aus 10vor10 vom 16.9.2013

    Nach seiner viertägigen Flucht wurde der Schweizer, der unter akutem Tatverdacht steht, seine Therapeutin ermordet zu haben, an der polnischen Grenze gefasst. Unterdessen treten immer mehr Details zum Fall zu Tage: So soll Fabrice A. mit Genehmigung der Haftanstalt ein Messer gekauft haben. Im Interview mit «10vor10» berichtet eine Ex-Freundin von A., wie er sie damals mit einem Messer bedrohte.

  • Fall Fabrice bewegt weiter

    Aus Tagesschau vom 16.9.2013

    Der Fall der Sozialtherapeutin, die wahrscheinlich von einem verurteilten Vergewaltiger getötet worden ist, bewegt die Schweiz nach wie vor. Mit einem Marche Blanche haben die Menschen am Abend in Genf dem Opfer gedacht. Und aus der Politik werden Forderungen laut, unter anderem nach einem einheitlichen Strafvollzug für Sexual- und Gewalttäter.

  • Kritik am Westschweizer System

    Aus Schweiz aktuell vom 16.9.2013

    Der tragische Fall von Genf sorgt schweizweit für Unverständnis und Kritik. Nach dem Fall Marie ist es bereits das zweite Mal innerhalb von wenigen Monaten, dass eine junge Frau von einem verurteilten Straftäter umgebracht wird. Auch in der Westschweiz ist die Debatte über den Umgang mit Gewalt- und Sexualstraftätern lanciert.

  • Marche blanche in Genf

    Aus Schweiz aktuell vom 16.9.2013

    Das Tötungsdelikt an der westschweizer Sozialtherapeutin sorgt für grosse Betroffenheit. In Genf gedenken die Menschen der 34-jährigen Sozialtherapeutin und Mutter eines kleinen Jungen. Der mutmassliche Täter ist seit gestern wieder in Haft.