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Parlamentarier feiern trotz Corona-Regeln
Aus Tagesschau vom 01.12.2020.
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Nationalrat singt trotz Corona Ständchen für Maurer sorgt für rote Köpfe

Überraschung für Ueli Maurer. Er feierte am 1. Dezember seinen 70. Geburtstag und wurde im Parlament gefeiert. Teilweise ohne Maske, ohne Abstand, dafür mit Gesang. Zudem hatte es am Montag noch eine Blasmusik-Einlage zu Ehren des neuen Ständerats-Präsidenten Alex Kuprecht gegeben. Das sorgt für erhitzte Gemüter, denn: Laut Bundesamt für Gesundheit soll nicht gefeiert werden. Und wenn, dann bitte mit Abstand. Singen und Blas-Instrumente spielen – lieber gar nicht.

Besonders bei der Bevölkerung sorgt die Aktion für Kopfschütteln. Wegen der Corona-Pandemie werden alle in ihren Freiheiten eingeschränkt: Sing-Vereine und Clubs mussten schliessen, Partys sind auf Eis gelegt, auch in Kitas und Kirchen ist Singen verboten und die Weihnachtsfeier steht bei vielen auf der Kippe. Da mutet das spontane Ständchen schal an.

Disziplinierte Bevölkerung, singende Politiker

In den sozialen Netzwerken und auf Social Media hagelt es seit dem Ständchen erboste Einträge. «Das ist jetzt nicht euer Ernst? Wie respektlos könnt ihr Parlamentarier noch sein gegenüber dem Volk? Kein Abstand, keine Masken und dann wird noch gesungen? Während wir uns bitte diszipliniert verhalten sollen und 100 Menschen täglich sterben?», meint eine Twitter-Userin auf das Video von SVP-Politikerin Barbara Steinemann, die ein Video des Ständchens hochgeladen hatte. Der Beitrag wurde schon hundertfach kommentiert und fast 90'000 mal angeschaut.

Einige Eltern fragen sich auf Twitter auch, wie sie ihren Teenager erklären sollen, keine WG-Partys zu feiern, während in Bern offensichtlich andere Regeln gelten würden. Zudem kritisieren sie, dass sie die Glaubwürdigkeit der Schutzmassnahmen gleich selber zunichtemachen würden, für die sie Monate gearbeitet hätten.

Steinemann meinte zum Shitstorm auf ihrem Kanal auf Anfrage von watson: «Kein Grund zur Aufregung.» Der Gesang hätte nur 20 Sekungen gedauert und nicht die kritischen 15 Minuten, die gesetzliche Massnahmen auslösen könnten. Zudem hätten die meisten Nationalräte Masken getragen. «Das übersehen viele Wutbürger gerne.»

Balthasar Glättli, Präsident der Grünen, hatte ebenfalls Geburtstagswünsche auf Twitter gepostet. Er fände das Gratulieren in Ordnung, aber das Singen sei schlecht gewesen – auch wenn er selbst nicht gesungen habe.

Kritik auch vom BAG und aus den eigenen Reihen

Doch nicht nur Herr und Frau Schweizer finden die Aktion schwer zu verstehen. Auch seitens der Experten beim Bundesamt für Gesundheit sieht man die Aktion kritisch.

Die Feier ist keine Superidee gewesen.
Autor: Virginie MassereyBAG

Bereits am Dienstag Nachmittag meldete sich Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG: Die Feier ist keine Superidee gewesen.

SP-Co-Präsident-Nationalrat Cédric Wermuth kann die Empörung «sehr gut verstehen». Er sagt gegenüber watson, er habe von der Aktion nichts gewusst und fände sie «unangebracht».

Auch Ruedi Löffel, Bereichsleiter Prävention und Gesundheitsförderung Blaues Kreuz und ehemaliger Kantonsrat, findet die Aktion im Parlament beschämend.

Ueli Maurer hat sich zu dem Ständchen bisher nicht geäussert. Generell fährt man seitens der Landesregierung bisher offensichtlich die Strategie, den Vorfall totzuschweigen. Um die eine oder andere unangenehme Frage der Journalisten wird sie bei der nächsten Corona-Bundesratspressekonferenz wohl nicht herumkommen.

Tagesschau; 1.12.20; 19:30 Uhr;

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145 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Möchte einfach noch etwas ergänzen. Wenn es Politiker oder Menschen gibt, die nur die SVP beschuldigen, warum haben die andern Parteien den Saal nicht verlassen für diese kurze Zeit, weil sie sich ja bewusst waren welche Gefahr es haben könnte. Dann wäre es wirklich Offensichtlich, dass die SVP alleine Verantwortlich für diesen Fauxpas wäre. Dies ist meine persönliche Meinung. Es ist auch keine Lüge sondern eine Überlegung. Danke allen für die Unterstützung, aber auch Ablehnung meiner Kommentare
  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Am Ende dieser Diskussion hat mich B. Glätli Grüner am meisten überzeugt bei einem Interview mit dem Journalisten, er sagte ja es war keine gute Idee, er habe auch nicht mitgesungen. Solche ehrliche Politiker wünschte ich mir in Zukunft mehr. Es war ein Fauxpas um dies zu akzeptieren braucht es ehrliche Menschen die nicht einfach nur eine Partei beschuldigen. Wenn diese Parteien nicht einverstanden gewesen wären, hätten sie den Parlamentsaal verlassen können, so wäre das ganze offensichtlicher.
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      Nachtrag er entschuldigte sich sogar noch, für diesen Fehler. Danke B. Glättli für Ihre Ehrlichkeit, auch wenn ich manchmal nicht gleicher Meinung bin in gewissen Themen Sie zeigten Grösse als Politiker.
  • Kommentar von ruedi hug  (ruedihug)
    Eine Schnapsidee war das. Auf welcher wissenschaftlicher Basis wurden die 15 Minuten denn ermittelt? Bisher hatte ich noch nie etwas dazu gehört.
    1. Antwort von Thomas Schmid  (Hand und Fuss)
      Im Kanton ZH z. B. muss keiner in Quarantäne, wenn eine Person corona-positiv getestet wurde, wenn alle im Raum immer Masken trugen und der vorgeschriebene Abstand eingehalten wurde ODER dieser für höchstens insgesamt 15 Min. pro Tag unterschritten wurde (z. B. zum etwas zeigen oder vorbeigehen...)
      Also nicht so wie beim Ständchen, ohne Maske und singend....