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Raser-Debatte Nationalrat wird mit dem Tod bedroht

Nationalrat Fabio Regazzi (CVP/TI) sammelt derzeit Unterschriften für eine Volksinitiative, die mildere Strafen für Raser vorsieht. Das nehmen ihm einige übel. Regazzi wird in Mails mit dem Tod bedroht. Die Diskussion, welche Strafen für Raser angemessen sind, bleibt hoch emotional.

Legende: Video Hier kommentiert ein Staatsanwalt ein Raser-Video abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.06.2017.

Die Unterschriftensammlung läuft harzig, vor allem in der deutschen Schweiz gibt es wenig Zuspruch für das Anliegen des Tessiner Nationalrates. Fabio Regazzi verlangt mit seinem Volksbegehren «Stopp den Auswüchsen der Via secura», dass jeder Fall von Raserei einzeln geprüft wird. Pauschale Strafen für Raser sollen fallen. Regazzi will den Gerichten damit mehr Spielraum geben.

Ein nachdenklicher Fabio Regazzi.
Legende: Ein nachdenklicher Fabio Regazzi. Keystone

Das bringt einige besorgte Bürger auf die Palme. Regazzi bekommt haufenweise böse Mails. «Einige haben mir sogar den Tod gewünscht», sagt er gegenüber der «Rundschau». «Das finde ich extrem. Emotionen sollten in diese Diskussion nicht miteinbezogen werden.»

Die gegenwärtigen harten Strafen für Raser gibt es seit 2013. Wer innerorts schneller als hundert fährt, muss ins Gefängnis. Für Ersttäter werden diese Strafen allerdings meist auf Bewährung ausgesprochen. Das neue Gesetz greift. 2013 gab es 45 bedingte Freiheitsstrafen für Raser, 2015 schon 340.

Falsches Signal

Anstoss zur Gesetzesverschärfung war ein Raser-Unfall vor neun Jahren in Schönenwerd SO. Ein Grieche, ein Türke und ein Kroate hatten sich in der Nacht ein Rennen geliefert. Innerhalb der Ortschaft kollidierte einer von ihnen mit einem einbiegenden Auto. Lorena Wittwer, die auf dem Rücksitz sass, wurde auf der Stelle getötet. Ihre Mutter, Brigitte Wittwer, ist bis heute traumatisiert von dem Raser-Unfall. Sie kann nicht verstehen, dass es Politiker gibt, die mildere Strafen für Raser fordern. «Es ist das falsche Signal», sagt sie der Rundschau. Denn Raser sind aus ihrer Sicht Wiederholungstäter – sie versuchen es immer wieder.

«Vollkommenes Glücksgefühl»

Wer sind die Raser, die andere in Gefahr bringen? Was treibt sie an? Die «Rundschau» sprach mit jungen Autofahrern, die sich auf dem Parkplatz vor dem Burger King in Wetzikon jeden Samstagabend treffen. Dort vergleichen sie ihre getunten Fahrzeuge, viele verfügen über vierhundert PS und mehr.

Keiner von ihnen sieht sich als Raser. Aber einige gestehen, dass sie regelmässig über die Grenze nach Deutschland fahren, um das Gaspedal durchzutreten. «Ein vollkommenes Glücksgefühl», schwärmt eine Frau aus der Ostschweiz. «Das Adrenalin geht hoch, es ist super.»

Mit diesen Rasern hat Nationalrat Regazzi kein Mitleid, wenn sie erwischt und hart bestraft werden. Ihm tun rechtschaffene Bürger leid, die aus Versehen zu schnell fahren, zuvor aber nie negativ aufgefallen sind. «Sie brauchen eine zweite Chance», sagt er. «Es kann nicht sein, dass für Rasen das gleiche Strafmass ausgesprochen wird wie für Vergewaltigung oder Raub.»

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Nix da, Herr Politiker. Wir wischen Sie vom Tisch. Am besten ziehen Sie diese Initiative zurück, so spart der Bund nur Geld. Oder etwa soll ich auch eine Initiative starten, wenn ich aus Versehen zu wenig Steuer zahle und Sie Lohnsenkung erleiden, ist es Ihr Problem? Oder wie tönt Kausalität in Ihren Augen? Danke für eine Antwort.
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  • Kommentar von John Johnson (Kelten)
    Für mich hat dieser CVP Politiker, Fabio Regazzi, nicht begriffen, dass diese Autoraser den Tod anderer Menschen bewusst in Kauf nehmen. Eigentlich sollten die Politiker das Wohl des Schweizer Volkes vertreten; und nicht die Energie für die rechtswidrigen Gesellschaftsverbrechern vergeuden. Spätestens bei der Abstimmung wird dieser CVP-Politiker für seine Strafminderungs-Initiative die Quittung bekommen.
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  • Kommentar von Hans Müller (domino2)
    Ich bin selber an den Treffen und auch in Burgerking. Es war klar, dass hier einseitig berichtet wird. Es war auch klar, dass Raser und Autoliebhaber in eine Schublade gesteckt werden. Es ist nicht verboten auf der Bahn in Deutschland schneller zu fahren, solange es die Verkehrssituation erlaubt. Das hat mit Rasen nichts zu tun. Wer innerorts 100 oder ausserorts 150 fährt, soll ruhig hart bestraft werden. Aber es war schon immer so. Die Schweizer lassen sich gerne eine Zwangsjacke anziehen.
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