Nationalratskommission will Komatrinker zur Kasse bitten

Wer sich so stark betrinkt, dass er im Notfall landet, soll die Spitalkosten künftig selber bezahlen. Das hat die Gesundheitskommission des Nationalrates soeben entschieden. Dies wäre ein grundsätzlicher Wechsel im Gesundheitssystem, der aber auch im Parlament durchaus gute Chancen hat.

Wer sich vorsätzlich einen schlimmen Rausch antrinkt und deshalb ins Spital muss, der strapaziert die Solidarität zu stark. Diese Meinung hat sich heute in der Gesundheitskommission des Nationalrates im Verhältnis deutlich durchgesetzt.

«Paradigmenwechsel»

Die Kosten von bis zu 1000 Franken für so einen Spitalaufenthalt sollen die meist jugendlichen Trinkerinnen und Trinker künftig selber berappen, so der Entscheid der bürgerlichen Mehrheit. Mit dem deutlichen Stimmenverhältnis von 2:1 hat diese Parlamentarische Initiative von SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi gute Chancen, auch im Parlament eine Mehrheit zu finden.

Die Ärztin Yvonne Gilli von den Grünen bedauert das sehr. Sie spricht von einem Paradigmenwechsel im Sozialversicherungssystem. «Das wird auch so gesagt von den Befürwortern», so Gilli. «Damit führen wir das Verursacherprinzip ein.»

Gilli hält die Initiative für bedenklich, weil sie nicht glaubt, dass sich die Jugendlichen so vom Rauschtrinken abhalten lassen. Oft sei Rauschtrinken in jungen Jahren auch der Ausdruck einer Krise. Und eine solche Krise lasse sich nicht durch eine Drohung mit dem Portemonnaie aus der Welt schaffen.

Auch für andere Verhaltensweisen?

Zudem müsste man das Verursachersystem konsequenterweise auch auf andere Verhalten ausdehnen. Also auch Raucher oder Übergewichtige müssten für ihre Gesundheitskosten aufkommen – oder Menschen, die Risikosportarten betreiben und sich dabei schwer verletzen. Als nächstes diskutiert nun der Nationalrat über diese parlamentarische Initiative.