NEAT-Zufahrtsstrecke: Norditalien macht Druck auf Rom

Die Schweiz will Italien 280 Millionen Franken zur Verfügung stellen, damit die NEAT-Zufahrtsstrecken fertig gebaut werden können. Denn Rom kann und will den Bahnausbau nicht selbst finanzieren. Heute trafen sich in Varese Vertreter von Politik, Transportgewerbe und der italienischen Staatsbahn.

Ein Streifen Land quer durch eine Siedlung, mit einem Zaun links und rechts. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hier entlang sollten die Schienen in Richtung Varese verlaufen. Zu sehen war hier im September noch nicht viel. Keystone

158 Millionen Tonnen Güter exportiert die Lombardei quer durch die Schweizer Alpen in den Norden Europas. Wie gut diese Anbindung an den Norden gelingt, entscheidet über Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.

Renato Scapolan ist Präsident der Handelskammer in Varese. Die Zeit der Absichtserklärungen sei vorbei, sagte er bei dem Treffen von Vertretern aus Politik, Transportwesen und Bahn. Die Wirtschaft Norditaliens sei keine regionale mehr, sondern Teil des europäischen Wirtschaftssystems. Jetzt müsse Gewissheit entstehen.

Schweiz will Italien unter die Arme greifen

Der Ständerat möchte 280 Millionen Franken Finanzhilfe an die NEAT-Ausbauten im Süden leisten. Mit längeren Ausweichgleisen und höheren Tunnels können dereinst viel längere Güterzüge verkehren. Und weil die Eckhöhe auf vier Meter wächst, können auch Sattelschlepper-Anhänger auf die Bahn. Das bringt tiefere Produktionskosten.

Maurizio del Tenno ist Verkehrsminister der Lombardei. 750 Meter lange Güterzüge, vier Meter Eckhöhe – das werde nicht mehr diskutiert. «Wir wollen das!», betonte er. Auf die Regierung und auf die italienische Staatsbahn werde grosser Druck ausgeübt. Und die Staatsbahn müsse schliesslich das tun, was die Bevölkerung von ihr verlange.

Dringendste Ausbauten zuerst anpacken

Die Ausbauten für 750 Meter Güterzuglänge und vier Meter Eckhöhe haben begonnen. Bei den übrigen Projekten werde noch abgewartet, erklärte Giorgio Botti, Norditaliendirektor bei der Staatsbahn RFI. Das bestätigte auch Ökonomieprofessor Lanfranco Senn. Erst die dringendsten Ausbauten von 220 Millionen Euro seien einigermassen finanziert. Für Projekte von 2,6 Milliarden Euro sei erst ein Drittel der Kosten zugesagt. Senn warnte deshalb vor einem Engpass bei den Verladeterminals.

Nach dem Ausbau der Güterbahnen müssen auch mehr Güter auf die Züge verladen werden können. Bis im Jahr 2020 fehlt in den norditalienischen Terminals die Kapazität von 420'000 Sendungen pro Jahr, diagnostizierte Lanfranco Senn.

Finanzierung der Luino-Strecke kommt voran

Die Delegationen aus der Schweiz und aus Italien arbeiten derzeit an einer Finanzierungsvereinbarung für die Luino-Strecke. Diese ist für die Güterbahnen besonders wichtig. Die Vereinbarung ist laut Bundesamt für Verkehr weit gediehen.

Lanfranco Senn bestätigte zudem ein Umdenken in Rom. Es gebe eine starke Entschlossenheit, von der Regierung über die Eisenbahnen bis zu den Regionen. Der Beschluss zum vier-Meter-Korridor sei nicht nur an der politischen Spitze gereift, er sei auch verankert in der Bürokratie. Senn gab seiner Hoffnung Ausdruck: «Auch wenn der Minister wechselt, dann bleiben die Fachbeamten und die Entscheidung steht.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel