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Schweiz Negativzins und Nullrendite – jetzt handeln die Pensionskassen

Wegen fehlenden Renditen greifen die Pensionskassen zu unkonventionellen Mitteln. Sie planen, Gelder teilweise als Bargeld zu horten. Zudem hat der Pensionskassenverband bei der Nationalbank beantragt, dass alle Pensionskassen einen Teil ihrer Gelder zu mindestens 0 Prozent deponieren dürfen.

Legende: Video Pensionskassen wehren sich gegen Negativzinsen abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.02.2015.

Seit der Aufgabe des Franken-Mindestkurses zum Euro und der Einführung von Negativzinsen durch die Nationalbank hat sich die Situation der Schweizer Pensionskassen massiv erschwert. Die Negativzinsen schmälern die Renditen und erschweren das Geschäft.

Deshalb handeln sie jetzt: Gemäss Recherchen der Sendung «10vor10» rechnen derzeit mehrere Pensionskassen die Möglichkeit durch, Teile ihres Kapitals von den Banken abzuziehen und in bar zu deponieren.

Anlagevermögen in bar einlagern

Dazu holen sie Offerten bei Sicherheitsfirmen und Transportunternehmen ein. Eine mittelgrosse Pensionskasse bestätigt gegenüber «10vor10» gar, dass sie bereits Verträge mit Sicherheitsfirmen unterzeichnet habe und bald schon einen mehrstelligen Millionenbetrag in bar lagern will.

Eine der grössten Lagerfirmen für Bargeld ist die Swiss Gold Safe. Deren Sprecher Ludwig Karl bestätigt, dass sie derzeit mehrere solcher Anfragen von Pensionskassen haben. Er sagt zu «10vor10»: «Wir sind mit mehreren institutionellen Kunden, darunter Pensionskassen wegen der Lagerung von Bargeld in Kontakt.»

Ausschnitt aus dem Brief an die Nationalbank.
Legende: Der Antrag der Pensionskassen an die Nationalbank. SRF

Geld bei der Nationalbank deponieren

Um die Renten in Zukunft sichern zu können, geht der Pensionskassenverband ASIP sogar noch einen Schritt weiter. In einem Schreiben, das «10vor10» exklusiv vorliegt, beantragt der Verband bei der Nationalbank, dass Pensionskassen einen Teil ihrer Gelder zu mindestens 0 Prozent bei der SNB parkieren dürfen.

ASIP-Präsident Hans Peter Conrad sagt: «Wir glauben, dass man in diesem Tiefzinsumfeld den Pensionskassen einige Lösungen aufzeigen muss. Girokonti sind aus unserer Sicht eine Möglichkeit. Darum haben wir uns jetzt an Herrn Jordan gewendet.»

Negativzinsen vermeiden

Dieser Schritt würde bedeuten, dass die Pensionskassen Negativzinsen, die sie jetzt teilweise bei Geschäftsbanken bezahlen müssen, umgehen könnten. Und sie würden auch eine Gleichbehandlung erreichen. Denn die «Publica», die Pensionskasse des Bundes, ist derzeit die einzige, die bereits eine solche Lösung hat.

Legende: Video Oberaufsichtskommission versteht Kampf um gleich lange Spiesse abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.02.2015.

Bei der Einführung der Negativzinsen hat die Nationalbank ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Bund und bundesnahe Betriebe von Negativzinsen ausgenommen seien. Conrad betont: «Wir legen das Geld im Interesse der Versicherten und ihrer Renten an und deshalb hoffe ich, dass wir mit unserem Antrag bei der Nationalbank Gehör finden.» Die Schweizerische Nationalbank wollte die Forderung der ASIP heute gegenüber «10vor10» nicht kommentieren.

Vera Kupper Staub, Vizepräsidentin der Oberaufsichtskommission der Beruflichen Vorsorge, versteht den Kampf um gleiche lange Spiesse. Dem Vorhaben vieler anderer Pensionskassen, ebenfalls keine Negativzinsen zu zahlen, räumt sie aber wenig Chancen ein.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    @ PhilGreene: Ich bin zwar bei der Publica versichert! Diese hat mir aber auf meine Immobilien keine Hypothek gewähren wollen, ja, hat vor ein paar Jahren sogar alle Hypotheken an die BKB abgetreten!!!! Nach gesundem Menschenverstand werden NUR Gold und Greifbares den Wert bewahren - jedenfalls keine wertlosen Wertpapiere oder bunt bedruckte Scheinchen!
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Mit den PK-Geldern könnte die Schweiz eine blühende Landschaft für KMU sein, was sich auch in Krisensituation bewähren würde. Diese Geldschwemme, welche zu Marktpreisen, d.h. günstigen Zinsen, den KMU verwehrt wird, ist eine wesentliche Ursache für die Krise, und ist nicht nur ein Problem der Schweiz sondern unseres Wirtschaftssystems weltweit. Misswirtschaft in höchstem Mass ist das was mit dem Geld geschieht.
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Hört auf zu jammern. Wenn die Teuerung auf Null zurückgeht oder sogar eiine leichte Deflation zeigt, dann ist es Wurst, dass das Parkieren von Geld bei der Bank null Zinsen bringt (bloss ein Blick auf die Bankgebühren und ggf. wechseln lohnt sich; ich kriege nichts, aber zahle auch nichts). Dabei verlieren wir auch bei so angelegten PK-Geldern unter dem Strich des Lebens nichts.
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  • Kommentar von Fam. Widmer, Bern
    Das Pensionskassengeld in einen Haus- oder Wohnungskauf investieren und als Eigenmittel einsetzen - oder falls schon erworben - so die Hypothek abbauen, erscheint mir zur Zeit die beste Lösung. So wird jedenfalls im Pensions-Alter der Mietzins nicht unerschwinglich, da die paar hundert Franken monatliche PK-Rente dann eh nur für teure Wohnungs-Miete oder Zinsen hinhalten müsste.
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Widmer: Das sehe ich gänzlich anders. Wenn man beruflich oft mit Fragen der vorzeitigen Pensionierung konfrontiert wird und dabei nicht selten feststellen muss, dass mit PK Geldern der Erwerb eines Eigenheims mitfinanziert wurde - ohne, dass zusätzlich eine 3. Säule oder eine Lebensversicherung abgeschlossen werden konnte , dann ist ein solcher Schritt nicht denkbar und die PK Rente wird selbst bei einer ordentlichen Pensionierung nicht eben "üppig" ausfallen. Fazit: Vorsicht mit solchen Tipps.
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    2. Antwort von Regina Fürst, Chur
      @Flükiger: Die wenigsten Arbeitnehmer können sich eine vorzeitige Pensionierung leisten, geschweige eine Lebensversicherung abschliessen. Nur wenige Menschen haben so gute Löhne, dass das Geld für die Altersvorsorge ausreicht. PS. in der CH ist es besser, auf Pump zu leben, denn im AHV Alter kommt noch die Ergänzungsleistung zum Tragen, nebst der IPV. Ein Hausbesitzer wird im AHV Alter aus dem Haus geworfen, weil die Banken keine Hypo mehr vergeben, obschon der Hypozins ca 300.-/Mte ausmacht.
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