Nervtötende Werbeanrufe könnten bald Geschichte sein

Tausende Menschen in der Schweiz werden regelmässig von Telefonwerbung belästigt. Während früher nur Personen mit Festnetzanschluss betroffen waren, leiden zunehmend auch Handynutzer unter den Anrufen. Eine Gruppe von Konsumentenschützern, Telekomfirmen und Callcenters hat nun eine Lösung parat.

Mitarbeiter eines Callcenters Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit einem Filtersystem sollen Anrufe von Callcenters sowohl für Festnetztelefone als auch für Natels geblockt werden. Keystone

Die Schweizer Telekombranche möchte ihren Kunden bald Filter gegen unerwünschte Werbeanrufe anbieten. Dies ist das Resultat eines Runden Tisches, den die Konsumentenschutzorganisationen initiiert haben. Werbeanrufe sind aber bereits seit vier Jahren verboten.

Sunrise, Swisscom und UPC Cablecom versprachen, eine Lösung zu suchen. Swisscom wird voraussichtlich Ende Jahr, upc cablecom in einem Jahr eine Lösung anbieten können. Bei Sunrise dürfte es noch länger dauern.

Gespräche seit vergangenem Herbst

Wie der Schutz realisiert wird, ist noch offen. «Erfolgversprechend erscheint derzeit, dass die Telekommunikationsunternehmen illegal operierende Callcenter identifizieren und ihren Kunden optional anbieten, solche Werbeanrufe auf das Fest- und Mobilfunknetz herauszufiltern», schreiben die Konsumentenschützer in einer Mitteilung.

Die Gespräche liefen seit vergangenem Herbst: Auf der einen Seite sassen die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen (FRC, ACSI), das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und das Seco, auf der anderen Seite Salt, Sunrise, Swisscom, UPC Cablecom, VTX sowie der Branchenverband für Contact Center- und Kundenkontakt-Management, CallNet.ch.

Werbeanrufe seit vier Jahren verboten

Werbeanrufe sind in der Schweiz zwar bereits seit vier Jahren verboten. Das entsprechende Gesetz ist jedoch zahnlos geblieben, denn nach seinem Inkrafttreten wanderten viele Callcenter ins Ausland ab und belästigten die Leute weiterhin. Denn auch Unternehmen im Ausland dürfen Schweizer Telefonnummern erwerben. Für die Strafverfolger ist oft nicht zu ermitteln, wer die schwarzen Schafe sind.

Früher musste mit einem Werbeanruf nur rechnen, wer ein Festnetztelefon hatte. Doch zuletzt blieben auch Handynutzer nicht verschont. Entsprechend gross ist die Unzufriedenheit bei Konsumentinnen und Konsumenten.

Ärger wird auch in Bundesbern gehört

Unerwünschte Werbeanrufe würden «in grossen Teilen der Bevölkerung als Ärgernis empfunden», schreiben die Schweizer Konsumentenorganisationen in ihrer Mitteilung. Im vergangenen Jahr verdoppelten sich die Beschwerden im Vergleich zu 2014 auf rund 28'000, wie Zahlen des Seco zeigen.

Der Ärger wurde auch im Parlament gehört: Bei der laufenden Revision des Fernmeldegesetzes sollen die Regeln gegen Werbeanrufe verschärft werden. Die Branche möchte aber möglichst wenig Regulierungen.