Zum Inhalt springen

Header

Audio
Verkaufsverbot hindere Jugendliche nicht am Rauchen, sagt Ökonom Alois Stutzer im Interview.
Aus Regional Diagonal vom 12.07.2021.
abspielen. Laufzeit 02:56 Minuten.
Inhalt

Neue Studie zu Tabakkonsum Verkaufsverbot von Zigis hält Jugendliche nicht vom Rauchen ab

Aufwändig und kaum Wirkung: Jugendliche umgehen Verbote, indem sie die Glimmstängel einfach im Freundeskreis beziehen.

Wer keine Zigaretten kaufen kann, fängt nicht an zu rauchen - so die Überlegung hinter Verkaufsverboten von Zigaretten an Jugendliche. Eine neue, breit angelegte Studie der Universität Basel zeigt nun jedoch: Die Abgabeverbote halten junge Menschen kaum vom Rauchen ab.

Jugendliche bekommen die Zigaretten wohl einfach von älteren Freunden.
Autor: Alois Stutzer Mit-Autor und Ökonomieprofessor an der Universität Basel

«Die Erklärung ist simpel. Es ist viel zu einfach, das Verkaufsverbot zu umgehen», sagt der Basler Ökonomieprofessor Alois Stutzer, der die Studie mitgeleitet hat. «Jugendliche kaufen zwar weniger Zigaretten am Kiosk. Aber sie bekommen sie dann einfach von älteren Freunden.»

Die Studie: 80'000 Jugendliche befragt

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Studie zeigt: Verkaufsverbot von Zigis führt kaum zu weniger Tabakkonsum. Colourbox

Für die Studie wurden schweizweit über 80'000 Jugendliche unter 21 Jahren zu ihrem Zigarettenkonsum und ihren Einstellungen zum Rauchen befragt.

Seit dem Jahr 2006 führten die meisten Kantone gestaffelt Abgabeverbote von Zigaretten an unter 16- oder unter 18-Jährige ein. Demnach hätten die Verkaufsverbote das Rauchen von Jugendlichen nicht statistisch signifikant reduziert, berichten die Forscher im Fachmagazin «Journal of Economic Behavior & Organization».

Durchgeführt haben die Studie Ökonomen um Armando Meier sowie Alois Stutzer von den Universitäten Basel und Lausanne zwischen den Jahren 2001 und 2016.

Die Studie geht auch der Frage nach, wie Jugendliche zum Rauchen stehen. Die Ergebnisse zeigen, dass Qualmen seit dem Abgabeverbot zwar an «Coolness» verloren habe. Trotzdem griffen die Jugendlichen deswegen nicht weniger zu Zigaretten.

Zwar weniger cool, aber nicht weniger abschreckend

Weiter zeigt die Studie, dass die Jugendlichen Rauchen nicht als gesundheitsschädlicher einschätzten, nachdem das Verbot umgesetzt wurde. «Diese Risikoeinschätzung bleibt unverändert», sagt Wissenschaftler Alois Stutzer von der Universität Basel.

So viel raucht die Schweizer Jugend

Box aufklappen Box zuklappen

In der Schweiz raucht gut ein Viertel der Bevölkerung ab 15 Jahren.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind es 32 Prozent. Die Mehrheit greift vor dem 18. Altersjahr zum ersten Glimmstängel.

Bei den 15-jährigen Jugendlichen zeigt sich laut einer Studie aus dem Jahr 2018 ein Rückgang.

Die Forscher zeigen demnach: Ein Verkaufsverbot bringt Aufwand, aber nicht die gewünschten Effekte. «Man sollte sich daher bewusst sein, dass Abgabeverbote - zumindest, wenn sie nicht mit polizeistaatlichen Massnahmen umgesetzt werden - kaum dazu führen, dass weniger geraucht wird», sagt Alois Stutzer.

Auch Frauen greifen zur Zigi

Beim Rauchverhalten zeigen die Daten keinen statistisch erkennbaren Unterschied zwischen jungen Frauen und Männern. Weiter zeigt die Untersuchung, dass ein Verkaufsverbot für Jugendliche auch nicht dazu führt, dass sie im Erwachsenenalter weniger rauchen.

Regional Diagonal: Das Magazin, 10.07.2021, 12:03 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Es darf schon der Grundtenor herrschen, dass jeder für seine eigene Gesundheit verantwortlich ist, aber dann sollen die Strukturen wirklich dieser Devise angepasst werden. Solange ich morgens um 7 Uhr an meinem Arbeitsweg zum Bahnhof hinter Raucher hertrotten muss und den schädlichen Gestank mit einatmen muss, sind diese Voraussetzungen nämlich nicht erfüllt. Konklusion: Rauchen hinter die eigenen vier Wänden verbannen, dann interessiert es mich auch nicht mehr.
  • Kommentar von Tomi Zeller  (Thommygun)
    Unglaublich das es immer noch Leute gibt die glauben es könnte eine drogenfreie Gesellschaft geben. Würden Tabak ( nun dann müsste auch Alkohol und Zucker - Drogen Nr 1) verboten werden. Die Menschen würden sich dann einfach Medis reinziehen, was übrigens aktuell sicher mehr tun als Rauchen ( Schlafmittel, Ritalin z.b.).
    Übrigens schadet Zucker der Gesundheit der Gesellschaft sicher mehr als Tabak, Übergewichtige Kinder en mass, faulige Zähne bei Zweijährigen und dies schon bei den Kleinsten.
    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ach so. Zucker erlaubt, das legitimiert Rauchen und Heroin. Got it.
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "Ein Verkaufsverbot bringt Aufwand, aber nicht die gewünschten Effekte." - Der Aufwand ist ja nicht sehr hoch. Und dass "nicht die gewünschten Effekte" eintreten, heisst ja nicht, dass das Verbot gar nicht wirkt, sondern dass es z.B. langsamer wirkt (das wurde im Artikel leider nicht genau angegeben).