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Der erste Blick in den fertig gebauten Kunsthaus-Erweiterungsbau
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 11.12.2020.
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Neuer Chipperfield-Bau Erweiterung Zürcher Kunsthaus: Marmor, Stein und Messing besticht

Der neue Bau krönt das Zürcher Kunsthaus zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Auch die Besucherzahlen sollen steigen.

Der Erweiterungsbau des Architekten David Chipperfield prägt den Zürcher Heimplatz. Das geometrische Gebäude aus hellem Jurakalkstein kontrastiert den grauen Winterhimmel. Im Innern durchflutet Licht die zentrale Halle. Helles Eichenholz, weisse Marmorböden, eine grosszügige Marmortreppe und Messing-Elemente kreieren ein edles, fast prunkvolles Ambiente.

Zwölf Jahre dauerten Planung und Bau des Erweiterungsbaus. 206 Millionen Franken hat er gekostet. Die feierliche – aber coronabedingt stille – Schlüsselübergabe gilt als Meilenstein in der Geschichte des Kunsthauses. Stadtpräsidentin Corine Mauch schwärmt: «Der Bau hat eine Grosszügigkeit, die man in Zürich sonst gar nicht so kennt. Es ist wirklich ein neuer Ort.» Und prunkvoll sei das Gebäude, aber nicht protzig: «Es ist von der Form her auch sehr schlicht.» Tatsächlich liefern eine strenge Geometrie und der Sichtbeton einen Ausgleich zu allfälligen ausstatterischen Frivolitäten.

Es ist eine Grosszügigkeit, die man in Zürich so nicht kennt.
Autor: Corine MauchZürcher Stadtpräsidentin

Mit Chipperfield's Gebäude wird das Zürcher Kunsthaus zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Die Ausstellungsfläche beträgt neu 11'500 Quadratmeter, 5000 mehr als bisher. Dies bedeutet, dass das Kunsthaus mehr seiner verborgenen Schätze zeigen kann. «Das war die ursprüngliche Absicht und ist auch ganz wichtig für das Kunsthaus», betont Mauch.

Wer ist David Chipperfield?

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Wer ist David Chipperfield?

Der bald 67-jährige Brite gilt als einer der weltweit angesehensten Architekten für Museumsbauten. Nach einem Architekturstudium machte er sich in seiner Geburtsstadt London 1985 selbständig.

Heute ist das Büro David Chipperfield Architects auf die Standorte London, Berlin, Mailand und Shanghai verteilt. Das Architektenteam hat bereits über hundert Auszeichnungen gewonnen, wie etwa den «Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur».

Das Kunsthaus zeigt im Erweiterungsbau die Sammlungen von Emil Bührle, Werner Merzbacher und Hubert Looser. Darunter finden sich Werke von Grössen wie Cézanne, Monet oder Van Gogh. Zusätzlich sind im neuen Gebäude temporäre Ausstellungen geplant.

Der Erweiterungsbau wird in drei Etappen fürs Publikum zugänglich gemacht. Im kommenden Herbst geht es schliesslich in den Vollbetrieb. Das Kunsthaus rechnet durch das neue Gebäude auch mit mehr Publikum: «Unser Businessplan sieht vor, dass mehr Besucher aus der Romandie und dem grenznahen Ausland kommen», sagt Sprecher Björn Quellenberg.

So erwartet das Kunsthaus ab 2022 einen jährlichen Besucherzuwachs von rund 30 Prozent. Der Erweiterungsbau soll also jährlich rund 130'000 zusätzliche Personen ins Museum locken oder mehr. Stellt sich die Frage: Wie realistisch ist diese Prognose?

Ein Vergleich mit dem Kunstmuseum Basel zeigt: Es wird nicht einfach. Das Kunstmuseum Basel eröffnete im Jahr 2016 einen Erweiterungsbau der Architekten Christ & Gantenbein.

Neubau des Kunstmuseums Basel
Legende: Das Kunstmuseum Basel verfügt heute über drei Häuser – hier der Erweiterungsbau aus dem Jahr 2016. Keystone

Das Kunstmuseum Basel rechnete ursprünglich damit, dank dem Erweiterungsbau rund 100'000 zusätzliche Eintritte zu generieren. Die Erwartungen lagen damit bei insgesamt 300'000 Besucherinnen und Besuchern.

Heute sagt Kommunikations- und Presseleiterin Karen Gerig: «Die Besucherzahlen sind gestiegen. Allerdings nicht in dem Mass, wie es erwartet worden war». Nur im ersten Jahr nach der Eröffnung wurden die Erwartungen mit 323'000 Eintritten übertroffen. In den letzten beiden Jahren gingen die Besucherzahlen wieder zurück – auf bis zu 230'000 Personen. «Dies könnte vor allem daran liegen, dass die Anzahl Sonderausstellungen gleich geblieben ist», erklärt Gerig.

Was sagt der SRF-Kunstexperte?

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Kunstexperte Stefan Zucker vom «Kulturplatz» findet die Erwartungen des Kunshauses realistisch, zumindest im ersten Jahr: «Da überwiegt die Neugier, alle wollen wissen, wie es aussieht, die neue Architektur, die neuen Ausstellungen, vor allem die neuen Sammlungen Bührle und Merzbacher.»

Danach werde es schwieriger, die Erwartungen zu erfüllen: «Zusätzliche 130'000 Besucher sind für ein Kunstmuseum sehr sportlich.» Auf Dauer mehr Zuschauer anzulocken gelinge nur mit mehr Ausstellungen: «Die Zuschauer kommen nicht, weil immer dasselbe stattfindet.» Das Kunsthaus müsste also viel mehr Ausstellungen präsentieren als sechs bis acht wie bis anhin. Das wiederum, sei eine Kostenfrage: «Hat man genug Geld um das zu realisieren?» In Basel zumindet, habe man diese Frage mit Nein beantworten müssen.

In Zürich bleibt man optimistisch. «Das Angebot, welches wir in Zukunft haben werden, rechtfertigt unsere Erwartungen», sagt Direktor Christoph Becker. Die neue Fläche bedeute auch, dass man mit der Sammlung flexibler umgehen könne als heute. «Das Haus wird sich nicht so statisch präsentieren wie vor zehn oder fünfzehn Jahren», stellt Becker in Aussicht. Bleibt die Frage ans potenzielle Publikum:

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 11.12.2020, 17.30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Ralph Leso  (RaLes)
    Und wie siehts mit der ökologischen Nachhaltigkeit aus...wie gross sind die grauen Emissionen dieses Klotzes?
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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    «Marmor, Stein u-und Eisen-bricht...» mag für einen dumpfen Schlagertext noch angehen, aber «...Marmor, Stein und Messing» für ein Kunstmuseum?
    Was für ein Titel!
    Ok, für die etwas gross geratene Schuhschachtel am Heimplatz mags passen. Lichtdurchflutet? Keine Ahnung, war ja noch nie drin!
    Besser hätte man die Schuhschachtel jedenfalls in Örlikon gebaut. Da wo auch die Kanonen gebaut worden sind. Als Titel hätte was aus Brechts Dreigroschenoper ganz gut gepasst, aus dem Kanonensong!
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    1. Antwort von Alfred Reist  (Fredi)
      Was wollen sie mit ihrer Kanonengeschichte sagen ?
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    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Herr Reist, ich dachte, es sei im Vorfeld der Abstimmung dargelegt worden: Den Bau hat man für die Sammlung Bührle erstellt. Der in Zürich lebende deutsche Kriegsgewinnler hat seine in Örlikon produzierten Kanonen ALLEN verkauft, v.a. Nazideutschland (einvernehmlich mit dem Bundesrat). Seine Sammlung hat er in derselben Zeit erworben (teilw. dubiose Provenienz). Kurz vor seinem Tod 1956 flogen massive Steuerhinterziehungen auf. Sein Deal: Aus einem Teil seiner Sammlung eine Stiftung zu machen!
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    3. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Klar soll man diese Bilder endlich an angemessenem Ort sehen können, lange genug dauerte ihr Dornröschendasein. Zeit genug aber auch, wirklich Licht in die an sich genug traurigen Umstände zu bringen. Erkenntnisse, die nun nicht wieder eingemottet werden sollen, sondern als Bestandteil des Museum allen genauso vor Augen geführt werden sollen, wie die Meisterwerke des Impressionismus, die ein Kenner um sich versammelt hatte (Bührle hatte ja nicht Kanonenbau, sondern Kunstgeschichte studiert).
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    4. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      An L. Drack: Dieser überdimesiensionierte Klotz mit Fenstern wie Schiessscharten anmutend, muss ich glücklicherweise nie mehr ansehen, der Aufbau bis vor einem Jahr hatte mir bereits gereicht. Dafür sind, in einer mehrheitlich links-grün regierten Stadt, nicht nur alte Bäume und eine historische Turnhalle dafür gefallen, auch den Anstand gegenüber einem prominenten Sammler und Kunstmäzeen lässt diese Stadt schmerzlich vermissen. Es scheint mir, Hauptsache, es konnte ein Denkmal gesetzt werden.
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    5. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Herr Koller, falls Sie mit dem «prominenten Sammler und Kunstmäzeen» E. Bührle meinen, versteh ich nicht, wo Sie Anstand missen. Tatsächlich erkämpfte jener Prominenz und gesellschaftliche Akzeptanz. So wollte er nach dem 2. WK viel Geld in die Erneuerung der Pfauenbühne stecken. Die Theaterleute lehnten dieses Ansinnen ab mit dem Hinweis, sie nähmen «kein Blutgeld»!
      Das Kunsthaus nahms gerne und erstellte damit den Saalbau gegenüber vom Schauspielhaus. Die Eröffnung erlebte er nicht mehr.
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