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Schweiz Neuer Stausee soll den Klimawandel nutzen

Die Kraftwerke Oberhasli KWO planen einen neuen Speichersee beim schmelzenden Trift-Gletscher. Die Staumauer wäre rund 120 Meter hoch. Umweltverbände, Berner Regierung und Kraftwerksbetreiber trafen sich zu Diskussionen über das Projekt.

Legende: Video «Gigantisches Kraftwerk-Projekt» abspielen. Laufzeit 3:44 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.06.2013.

Die Kraftwerke Oberhasli KWO wollen als erster Kraftwerksbetreiber der Schweiz vom Klimawandel profitieren. Sie planen beim schmelzenden Trift-Gletscher im Berner Oberländer Haslital einen neuen Speichersee.

Trift-Gletscher, See mit Hängebrücke im Berner Oberländer Haslital
Legende: Der Speichersee beim Trift-Gletscher soll 85 Mio. Kubikmeter Wasser fassen. Keystone

Mit gewaltigen Dimensionen, wie «10vor10»-Recherchen zeigen: «Die Staumauer wird wohl rund 120 Meter hoch sein», bestätigt KWO-Chef Gianni Biasiutti gegenüber «10vor10».

Die Mauer werde aber nicht sehr breit und gut in die Landschaft eingepasst sein. «Das Gelände ist geradezu ideal für einen Speichersee», so Biasiutti weiter. Der neue See würde 85 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Damit würde er fast gleich viel Wasser fassen wie der Sihlsee.

Umweltverbände reagieren skeptisch

«Es handelt sich landschaftlich um ein sehr grosses Opfer», sagt Daniel Heusser vom WWF Schweiz. Die Hochgebirgslandschaft ist schweizweit bekannt, weil heute eine 170 Meter lange Hängebrücke über die Schlucht führt und viele Berggänger anzieht.

Für die Umweltverbände kommt das Projekt nur in Frage, wenn andere umstrittene Kraftwerksprojekte im Berner Oberland eingestellt würden. «Wir fordern eine Gesamtschau», so Heusser. Umweltverbände und KWO liegen sich wegen der geplanten Erhöhung der bestehenden Grimsel-Staumauer seit Jahren in den Haaren.

Die Berner Regierung macht Druck 

«Wir unterstützten das Projekt voll und ganz», sagt die Berner Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP). Sie betont auch den Nutzen für den Hochwasserschutz. Heute drohen wegen des schmelzenden Gletschers Flutwellen.

«Das Projekt ist eine Win-Win-Situation», so Egger. Der neue Speichersee könne helfen, Flutwellen zu verhindern und sei ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. Das Wasser aus dem neuen Speichersee könnte via Stollen in bereits bestehende Anlagen der KWO turbiniert werden.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Warum so eilig,kein Warten auf Solarforschungsresultate?Wieso Verschandelung durch Windräder wegen dem bisschen Pfupf,noch mehr WKWs an Flüssen+Stauseen,wo doch unsre Wassertiere+-pflanzen,Moore+Reptilien gefährdet+geschützt wären,aber einmal mehr zu Gunsten der Menschheit+gegen die BV ein oberfauler Kompromiss eingegangen wird.Der Verdacht erhärtet sich,es geht nicht um die Wende,sondern um richtig viel Geld für wenige.Geld,das sich Betreiber,Investoren,Verpächter+Hersteller aufteilen.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Aber Beppie, ohne das max an Energie koennte doch die Absahnerei kolabieren.. und der Export wird einbrechen...der Stromexport meine ich...und ausserdem, die Deutschen haben ja deutlich gemacht, was mit UNSEREM Wasser geschehen soll! .... Strom... fuer die EU...!
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  • Kommentar von Andreas Kermann, Basel
    Die Umweltverbände sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein Atomausstieg nun mal nicht ohne landschaftliche Opfer zu haben ist! Lieber ein paar Staumauern mehr, als Tausende von Jahren Atommüll hüten! Es gibt noch genug schöne Berg-Panoramen und eine Staumauer fügt sich besser in die Natur ein, wie ein ständig dampfendes AKW, welches dann von fast jedem Aussichtspunkt zu sehen wäre... Ausserdem sichert dieses Kraftwerk auf lange Sicht die Unabhängigkeit der Schweiz! Bitte sofort bauen!
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Hat unsre Natur nicht schon genug gelitten, Opfer gebracht? Es ist endlich an uns, Opfer zu bringen! Bremsten wir Einwanderung und Stromvergeudung, wären diese hirnverbrannten Massnahmen gar nicht nötig.
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  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Solange die KWO nicht von ihrem Geschäftsmodell "Billigen ausländischen Kohle- und Atomstrom zu teurem, angeblich sauberen Schweizerstrom transformieren" abrücken, sollte man derartige Projekte verhindern. Wacht mal auf, Leute – solange Pumpspeicherkraftwerke nicht zwingend mit wirklich sauberer Energie betrieben werden, sind sie nichts weiter als energievernichtender Blödsinn, der nur für die Betreiber interessant ist (allerdings auch nicht mehr so, man schreit ja schon nach Subventionen!).
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