«Big Data» in der Forschung Neues Zentrum für Datenwissenschaften

Die technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL Lausanne wollen von der Datenflut aus der Digitalisierung profitieren.

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Zentrum für Datenwissenschaften eröffnet

1:29 min, aus Tagesschau vom 6.2.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Das «Swiss Data Science Center» (SDSC) soll als interdisziplinäre Plattform für Datenwissenschaften dienen.
  • Die beiden eidgenössischen technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL Lausanne beheimaten das SDSC.
  • Über die nächsten 4 Jahre investieren die Hochschulen 30 Millionen Franken in das Projekt.
  • Im Fokus stehen Fragen aus den Bereichen der personalisierten Medizin, Umweltwissenschaften und Fertigungstechnologien.

In der Schweiz entsteht ein neues nationales Zentrum für Datenwissenschaften. Die beiden eidgenössischen technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL in Lausanne haben in Bern über das «Swiss Data Science Center» (SDSC) informiert. Damit wollen die Hochschulen die Rolle der Schweiz in den Forschungsfelder Medizin, Umweltwissenschaften oder Fertigungstechnologien im internationalen Wettbewerb stärken.

Die Digitalisierung bringt riesige Mengen an Daten mit sich, die sich mit klassischen Methoden kaum mehr ordnen und analysieren lassen. Weltweit entwickeln Forscher in fast allen Fachrichtungen neue Algorithmen und Arten der Visualisierung, um aus den Daten Rückschlüsse ziehen zu können.

Medizin, Umwelt und Fertigung

Am Datenzentrum SDSC, das in Zürich und Lausanne beheimatet ist, sollen besonders Fragen aus den Bereichen personalisierte Medizin, Umweltwissenschaften und Fertigungstechnologien im Fokus stehen.

«Man spricht ja von ‹big data›, also grossen Datenmengen, als dem Erdöl des 21. Jahrhunderts. Aber wenn das Erdöl nicht raffiniert wird, ist es nicht nützlich, und man braucht Datenwissenschaften, um diese Raffinierie zu machen», sagt Martin Vetterli, Präsident der EPFL Lausanne.

«Um aus den digitalen Datenbergen relevante Erkenntnisse zu gewinnen, braucht es das spezifische Know-how von Datenspezialisten», sagt ETH-Präsident Lino Guzzella. «Das neue Data Science Center SDSC führt diese zusammen und bietet eine interdisziplinäre Plattform, die auch der Ausbildung und dem Wissenstransfer zugutekommen wird.»

Multidisziplinär mit 30 Millionen Franken

Das Zentrum werde ein multidisziplinäres Team aus 30 bis 40 Informatikern und Datenwissenschaftlern umfassen. Hier kommen Datenmanagement, Ingenieurwissenschaften, Statistik, maschinelles Lernen, Algorithmen, Datenoptimierung und -visualisierung zusammen.

Die Hochschulen investieren über die nächsten 4 Jahre 30 Millionen Franken. Davon verspricht man sich auch konkreten Nutzen: «Denken Sie zum Beispiel an die elektronischen Patientendossiers in unseren Spitäler. Wie kann man die effizient gestalten, damit auch die Kosten im Griff bleiben? Oder wie kann man diese Daten auswerten, um bessere Diagnosen zu erhalten? Hierzu wird Data Science einen Beitrag leisten», sagt Guzzella.

Plattform für Datenanalysen

Ein Schlüsselelement des neuen Zentrums soll auch die Entwicklung einer Cloud-basierten Plattform für Datenanalysen sein. In dieser als «Erkenntnisfabrik» betitelten Plattform sollen geordnete, kalibrierte und anonymisierte Datensätze zur Erforschung bereitgestellt und analysiert werden.

Unterstützung erhält das SDSC dabei unter anderem vom Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano, der Technologie- und Serviceplattform der Schweizer Universitäten und Cloud-Anbietern.

Dabei geht es zum Beispiel darum, den Zusammenhang zwischen Krankheiten, Genen und Umwelt besser zu verstehen und massgeschneiderte (personalisierte) Therapien zu entwickeln. Aber auch Umweltprobleme anhand von grossen Datenmengen besser zu verstehen und damit eine Grundlage zu schaffen für geeignete Massnahmen zu ihrer Lösung, ist ein Anwendungsgebiet der Datenwissenschaften.

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