«Nicht Aufgabe der Schule, Produktwerbung zu machen»

Ob Apple, Samsung oder Microsoft – alle buhlen um die Vorherrschaft in den Schulstuben. Bernard Gertsch, Präsident des Schulleiterverbands, mahnt zu erhöhter Sensibilität.

Vier Schüler stehen um zwei Computer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Annahme von geschenkten oder vergünstigten Geräten und Programmen: Am falschen Ort gespart? Keystone

SRF News: Schüler lösen ihre Aufgaben vermehrt auf dem Tablet. Davon wollen die Hersteller profitieren. Sie geben den Schulen teils grosszügige Rabatte …

Bernard Gertsch: Das stimmt. Es ist natürlich ganz spannend für Firmen, wenn sie schon einen Fuss in die Schulen hineinbringen können. Denn wenn sich die Schülerinnen und Schüler daran gewöhnen, mit einem bestimmten Produkt zu arbeiten, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass sie dabei bleiben.

Wie läuft das in den Schulen? Werden sie von Soft- und Hardwareanbietern umgarnt?

Von umgarnt werden würde ich nicht sprechen. Aber es ist klar ein Thema. Lehrpersonen und Schulleitungen müssen vermehrt dafür sensibilisiert werden. Etwa, wenn es darum geht, wo die Grenzen sind, wenn man etwas geschenkt bekommt. Denn häufig ist es so, dass auch eine gewisse Erwartung daran geknüpft ist.

Schulen kommen auf diesem Weg an günstige Tablets, PCs oder die nötigen Programme. Das klingt eigentlich gut. Wann wird es für Sie problematisch?

Problematisch ist immer, was damit verbunden ist. Es ist nicht Sache der Schule, Produktwerbung zu machen. Ich gehe davon aus, dass die öffentliche Hand die Volksschule finanziert, dass sie kostenlos für die Eltern und die Schüler ist. Also muss die öffentliche Hand auch die Infrastruktur inklusive PC, Laptop, oder was sonst noch nötig ist, um dem Bildungsauftrag gerecht zu werden, zur Verfügung stellen. Wenn man da spart, ist die Gefahr ist gross, dass der Schulleiter oder eine Lehrperson auf so ein Angebot eingeht, damit die Schule gleich lange Spiesse hat.

Können Sie ein Beispiel geben für Bedingungen, die an so ein Angebot geknüpft werden könnten?

Die Bedingungen sind häufig gar nicht sichtbar, wenn man nicht genauer nachfragt. Es kann sein, dass es darum geht, an E-Mail-Adressen heranzukommen. Es kann aber auch sein, dass eine Firma Interesse daran hat, ihre Software zu verkaufen, die sie mit der Hardware mitliefert, so dass man nicht mehr abspringen kann.

Sie selbst laden aber auf der Internetseite Ihres Verbands Unternehmen und Organisationen zur Zusammenarbeit ein. Weshalb?

Weil wir uns in einem wirtschaftlichen Umfeld bewegen. Schulleitungen und Lehrpersonen können sich dem nicht entziehen. Aber es braucht eine hohe Sensibilität. Die Volksschule ist in einer ganz besonderen Verpflichtung.

Schulleiter- und Lehrerverband sind daran, Richtlinien im Umgang mit Sponsoring zu erarbeiten. Welche Eckpunkte müssen Ihrer Meinung nach klarer geregelt sein?

Ein Schlagwort ist Transparenz. Wenn so ein Geschäft eingegangen wird, dann muss es transparent sein. Wenn es von allen eingesehen werden kann, ist die Gefahr sicher weniger gross, als wenn es geheim gehalten wird.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.