«Note 2 bis 3» – Kritik an den Emissionszielen des Bundesrats

Harsche Kritik vom WWF, unverhohlene Enttäuschung bei den Grünen: Der Bundesrat gehe bei den Zielen zur Emmissions-Reduktion zu wenig weit, finden beide. Ganz anders tönt es bei Economiesuisse.

Video «Die Reaktionen zum Klimaschutz» abspielen

Die Reaktionen zum Klimaschutz

1:26 min, aus Tagesschau vom 27.2.2015

Der Bundesrat hat die Klimaziele der Schweiz bekannt gegeben: Bis 2030 soll das Land den Ausstoss von Treibhausgasen um die Hälfte reduzieren. Mindestens 30 Prozent der Reduktion soll im Inland erfolgen, 20 Prozent können mit Projekten im Ausland erreicht werden.

Von den Umweltverbänden erntet der Bundesrat Kritik für seinen Vorschlag. Die Ziele seien «beschämend tief», schreibt WWF Schweiz. Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie bei WWF Schweiz, gibt dem Bundesrat «bestenfalls die Note 2 bis 3 – völlig ungenügend». Die Organisation verlangt, dass die Schweiz ihre eigenen Treibhausgas-Emissionen im Inland bis 2030 mindestens doppelt so stark reduziert und bis 2050 ganz aus den fossilen Energien aussteigt.

Schon heutige Ziele nicht erfüllt

Die Kritik der Grünen ist etwas leiser formuliert, doch glücklich werden auch sie nicht mit dem Vorschlag des Bundesrats. Zwar bewerten sie den Beschluss des Bundesrats als «Schritt in die richtige Richtung». Dennoch sind die Grünen enttäuscht, wie ihre Präsidentin Regula Rytz sagt: Sie hatten eine Reduktion der Emissionen um 75 Prozent gefordert. Nur so könne die Schweiz ihren Beitrag leisten, damit sich das Klima um nicht mehr als zwei Grad erwärme.

Die Schweiz will ihre Klimaziele verschärfen

2:22 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.02.2015

Hinter der Forderung von höheren Zielen steckt auch Taktik. «Das Ziel von 50 Prozent wird sowieso unter politischen Druck kommen», sagt Rytz. «Wenn bereits der Bundesrat Abstriche macht, dann werden wir das Ruder nicht mehr herumreissen können.»

Zudem erfülle die Schweiz nicht einmal die viel tieferen Ziele, die sie sich für die Jahre von 2013 bis 2020 gesteckt hatte. «Mit den heutigen Massnahmen werden wir die angepeilte Reduktion von 20 Prozent gegenüber 1990 nicht erreichen», sagt Rytz. Damit werde klar, dass ein grosses Missverhältnis bestehe zwischen dem, was der Bundesrat möchte – und dem, was er tatsächlich durchsetzen kann.

Swisscleantech zu Emissionszielen

«Viel zu ehrgeizig»

Ganz anders beurteilt der Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse den Vorschlag des Bundesrats. Auch er kritisiert die geplanten Einsparungen – wenn auch aus einer anderen Warte. «Die Ziele sind viel zu ehrgeizig», sagt Umweltspezialist Kurt Lanz. Die Einsparungen im Inland, die 30 Prozent betragen sollen, seien zu hoch gegriffen.

«Wir haben bereits heute eine der höchsten CO2-Abgaben weltweit», sagt Lanz. Weitere drastische Einsparungen würden der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen. «Denn anders als andere Länder setzt die Schweiz nicht nur munter Ziele, sondern versucht auch, diese einzuhalten.»

Doch Lanz kann am Vorschlag des Bundesrats auch Positives finden. Er begrüsst die Möglichkeit, einen Teil der Einsparungen im Ausland zu realisieren. «Mit dem gleichen Betrag kann im Ausland viel mehr erreicht werden als in der Schweiz.» Dies, weil die Schweiz bereits heute eine der energie-effizientesten Volkswirtschaften sei und zusätzliche Massnahmen mit hohen Kosten verbunden seien. Er kommt deshalb zum Schluss: «Eine Reduktion der Emissionen im Ausland um 20 Prozent ist tragbar.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Bundesrat präzisiert Klimaziele

    Aus Tagesschau vom 27.2.2015

    Der Bundesrat will den Ausstoss von Treibhausgasen bis ins Jahr 2030 um 50 Prozent reduzieren. Davon 30 Prozent im Inland – 20 Prozent sollen mit Projekten im Ausland kompensiert werden. Heute hat der Bundesrat die Ziele präzisiert. Einschätzungen von SRF-Bundeshausredaktor Hanspeter Trütsch.

  • Grüne Kritik am Bundesrat

    Aus Tagesschau vom 27.2.2015

    Die Grüne Partei der Schweiz und Umweltorganisationen kritisieren die Reduktionsziele des Bundesrates scharf und taxieren sie als «ungenügend». Der WWF stört sich vor allem daran, dass im Inland bloss 30% reduziert wird.

  • Bundesrat will CO2-Ausstoss weiter senken

    Aus Rendez-vous vom 27.2.2015

    Bis im Jahr 2030 will der Bundesrat den Treibhausgas-Ausstoss um 50 Prozent senken. Mindestens 30 Prozent der Reduktionen sollen im Inland erzielt werden, 20 Prozent mit Projekten im Ausland. Umstritten ist vor allem die Verlagerung ins Ausland.Die Fakten und eine Einordnung.

    Gaudenz Wacker und Thomas Häusler