NSA-Affäre: Google und Yahoo bangen um Kunden

Auch der normale Internetnutzer scheint im Visier der NSA zu sein. Der US-Geheimdienst hat angeblich massenhaft Mails bei Google und Yahoo ausspioniert. Die Internetkonzerne bangen um Image und Kunden.

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Den Papst abgehört?

US-Geheimdienste sollen laut dem italienischen Wochenmagazin «Panorama» vor dem Konklave im März mehrere Kardinäle belauscht haben, darunter auch Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der später zum Papst gewählt wurde.

Eine Sprecherin der NSA widersprach der Darstellung. Der Vatikan sei nie ein Ziel der NSA gewesen.

Google reagiert scharf auf das Anzapfen seiner Datenleitungen durch den US-Geheimdienst NSA: «Wir sind aufgebracht darüber, wie weit die Regierung scheinbar gegangen ist, um Daten aus unseren privaten Glasfasernetzwerken abzugreifen», sagte der Chefjurist von Google. «Das unterstreicht, wie dringend notwendig eine Reform ist.»

Yahoo reagierte mit dem Hinweis, das Unternehmen habe «strenge Protokolle» zum Schutz von Daten in den Rechenzentren. Beide Internetkonzerne fürchten um ihr Image und das Vertrauen der Kunden. Die NSA soll neben Absender- und Empfängeradressen von Mails auch Texte, Tonaufnahmen und Videos abgefangen haben.

Auch Briten spionieren

Die «Washington Post» hatte unter Berufung auf Dokumente aus dem Fundus von Edward Snwoden berichtet, die NSA hacke sich in die Leitungen ein, welche die Rechenzentren von Google untereinander verbindet. Dadurch könne die NSA die Daten von Nutzerkonten einsehen. Yahoo sei ebenfalls betroffen.

Auch der britische Geheimdienst sei an der Spionageaktion beteiligt, schrieb die Zeitung. Zum Einsatz komme ein «ungewöhnlich aggressives» Werkzeug mit dem Namen «Muscular», dass die Daten erschliesse.

NSA widerspricht

«Wir haben keinen Zugang zu Google-Servern, Yahoo-Servern und oder anderen», sagte NSA-Chef Keith Alexander nach Bekanntwerden des Berichts. Die NSA besorge sich für Abhöraktionen einen Gerichtsbeschluss. Dabei handle es sich auch nicht um Millionen von Fällen: «Es geht um Tausende. Und fast alle richten sich gegen Terrorismus und andere solche Dinge», rechtfertigte sich Alexander.

Er bezog sich damit auf das von einem Geheimgericht genehmigte Spähprogramm «Prism». Dieses ermöglicht den US-Behörden direkten Zugang zur Internetkommunikation verschiedener Anbieter.

Botschaften und Konsulate als Spionagezentren

Weiter wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA in mehr als 80 US-Botschaften und Konsulaten weltweit Abhöreinrichtungen betreibt. Das berichtet «Der Spiegel». Eine solche Anlage soll sich auch in der US-Vertretung in Genf befinden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Angriff statt Verteidigung

    Aus Tagesschau vom 30.10.2013

    Die NSA-Spitze ist in einer Kongressanhörung in Washington Rede und Antwort gestanden. Und: von Selbstkritik gab es keine Spur. Im Gegenteil. Daten von politischen Führungen zu sammeln, gehöre zum Kerngeschäft, so US-Geheimdienstchef James Clapper. Ausserdem würden die europäischen Verbündeten das Gleiche tun.