Zum Inhalt springen

Header

Audio
Macht Sparen noch Sinn?
Aus Einfach Politik vom 11.10.2019.
abspielen. Laufzeit 20:28 Minuten.
Inhalt

Null- und Negativzinsen Lohnt sich Sparen noch?

Wer spart, der schränkt heute seinen Konsum ein, um morgen mehr Geld zu haben. Die wohl einfachste Art, Geld zur Seite zu legen, ist ein Sparkonto bei einer Bank. Doch: Die Zeiten, in denen sich das Geld auf dem Sparkonto vermehrt hat, sind vorbei.

Früher mussten Banken ihren Kunden auf deren Einlagen hohe Zinsen bezahlen – in Milliardenhöhe. Heute zahlen Banken Kleinsparern fast keinen oder sogar gar keinen Zins mehr auf dem Sparkonto – wie etwa die UBS.

Die obersten Stockwerke einer Grossbank werden gezeigt; am Himmel sieht man die Drähte der Tramlinien.
Legende: Keinen Rappen Zins erhalten UBS-Kunden auf ihren Sparkonti seit dem Sommer. Keystone

Als erste grosse Schweizer Bank senkte die UBS im Juni den Zins auf den Sparkonti auf null Prozent. Die Frage ist: Sind gar Negativzinsen bald an der Tagesordnung? Müssen Kleinsparer also bald bezahlen, wenn sie Geld bei einer Bank parkieren wollen? Firmen und Reiche müssen dies bereits jetzt tun.

Ob die Banken die Negativzinsen tatsächlich irgendwann auch auf Kleinsparer abwälzen, ist unklar. Klar ist, keine Bank will die erste sein. Zu gross ist die Angst, Kunden an andere Banken zu verlieren.

Geschäftsbanken unter Druck

Das Zinsgeschäft ist für die Banken zur Herausforderung geworden. Wegen der Zinspolitik der Notenbanken wirft es wenig bis gar nichts mehr ab. Der tiefe Leitzins hat etwa dazu geführt, dass die Margen im Geschäft mit Obligationen und Hypotheken unter Druck gekommen sind.

Was ist eigentlich der Leitzins?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Leitzins ist der Zinssatz, über den Notenbanken das Verhalten der Geschäftsbanken steuern. Droht eine Rezesssion, wird der Leitzins gesenkt, denn damit werden Kredite für Investitionen oder auch Hypotheken günstiger. Zudem wirken tiefe Zinsen auf den Wechselkurs. Die Landeswährung wird für Investoren unattraktiver und dadurch billiger, was der Exportindustrie nützt.

Dazu kommt: Mit einem Leitzins von minus 0.75 Prozent müssen die Geschäftsbanken Strafzinsen bezahlen, wenn sie bei der Schweizerischen Nationalbank Geld aufbewahren. Ziel ist, dass Geschäftsbanken das Geld nicht bei Notenbanken liegen lassen, sondern damit günstige Kredite an ihre Privat- und Firmenkunden vergeben.

Firmen sollten mit den günstigen Krediten investieren und damit die Wirtschaft ankurbeln – so die Idee. Deshalb senkten die grossen Notenbanken nach der Finanzkrise ihre Leitzinsen – um die ins Stocken geratene Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen.

Zentralbanken haben es in der Hand

Ein altes Gebäude von vorne fotografiert.
Legende: Der negative Leitzins, den die Schweizer Nationalbank festgelegt hat, ist umstritten. Keystone

Seither bewegen sich die Leitzinsen nur in eine Richtung: nach unten. Und dies obwohl es der Wirtschaft längst wieder besser geht und die Wirksamkeit der Negativzinsen zunehmend umstritten ist. Unter anderem weil sie die Vorsorge belasten. Pensionskassen müssen auch Negativzinsen bezahlen und damit kommen die Negativzinsen auch beim Kleinsparer an.

Sinkende Renten sind also auch der Geldpolitik geschuldet. Die verkehrte Zinswelt ist deshalb Thema in der Politik. In der Schweiz wird zum Beispiel diskutiert, was mit den Negativzinsen, die die Schweizerische Nationalbank einnimmt, passieren soll. Eine parlamentarische Initiative fordert zum Beispiel, dass die Negativzinsen in die Altersvorsorge fliessen. Das neue Parlament wird diese Frage diskutieren müssen.

Nicht nur in der Schweiz sorgen die tiefen Zinsen für Diskussionen, sondern auch in Deutschland. Kleinsparer würden ausgeraubt, enteignet, abgezockt. Sie hätten zudem nicht das nötige Kleingeld, um in Aktien oder Immobilien zu investieren und auf diesem Weg zu sparen und ihr Geld zu vermehren. So ungefähr lief die Debatte in den Wochen, nachdem EZB-Chef Mario Draghi Mitte September den Leitzins noch einmal gesenkt hatte. Stimmt das? Oder ist das ein Mythos?

Sind die Sparer die Verlierer?

«Für die Pensionskassen und die Sparer ist es natürlich eine schwierige Situation, wenn wir so tiefe Zinsen haben», sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan im September bei der vierteljährlichen Lagebeurteileung der SNB. Für einen stabilen Schweizer Franken seien die Negativzinsen allerdings nötig.

Auf dem Sparkonto sieht die Situation tatsächlich prekärer aus, als dass sie ist. Zwar sind die Zinserträge in den letzten Jahren gefallen. Weil aber die Teuerung fast inexistent ist, resultiert unter dem Strich ein ähnlicher Realzins, wie in Zeiten von hohen Zinsen. Insofern lohnt sich Sparen also heute noch, zumal auch keine Inflation da ist, die das Ersparte wegfrisst.

Das Konzept der Teuerung ist allerdings umstritten. Die Teuerung wird gemessen mit einem Warenkorb, ist also ein Mix aus Preisen von verschiedenen Gütern und Dienstleistungen (siehe Grafik unten). In der Schweiz sind dabei zum Beispiel die Krankenkassenprämien nicht enthalten. Diese sind in den letzten Jahren aber stark angestiegen.

Grundsätzlich sei die Teuerung sowieso sehr individuell, sagen Kritiker des Konzepts zudem. Zum Beispiel haben ältere Menschen eine höhere Teuerung als junge Leute. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, dass sie mehr teurer werdende Gesundheitsleistungen nachfragen. Junge Menschen wiederum kaufen mehr technologische Produkte, die im Vergleich günstiger geworden sind.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Kurt E. Müller  (KEM)
    "Auf dem Sparkonto sieht die Situation prekärer aus, als sie ist. Zwar sind die Zinserträge in den letzten Jahren gefallen. Weil aber die Teuerung fast inexistent ist, resultiert unter dem Strich ein ähnlicher Realzins, wie in Zeiten von hohen Zinsen." Unvollständige Logik, SRF. Als Sparer wird man ja auch noch mit Steuern bestraft. Selbst wenn es noch ein mickriges Zinsli gibt, kann man davon nicht mal mehr die Vermögenssteuer zahlen - also hat man schon heute gar keinen Realzins mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    """"Früher mussten Banken ihren Kunden auf deren Einlagen hohe Zinsen bezahlen – in Milliardenhöhe""""" ......da wollten mir schon ein paar Tränen kommen und wollte schon Geld sammeln, MOMENT, Ahaaa!!!!, ......die werden sie natürlich auf die Kreditnehmer abwältzten denn Banken sind kein "Pestalozzi" und verdienen kräftig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Moser  (AM)
    Die Negativzinsen sollen die Banken dazu bewegen, günstige Kredite zu gewähren und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Doch was tun sie? Geben die Negativzinsen an die Wirtschaft weiter, erhöhen laufend die Gebühren - und würgen die Wirtschaft eher ab als sie zu fördern!

    Die Nationalbank sollte eine Tochterbank gründen, diese mit ein paar dutzend Milliarden ausstatten - und Gratiskredite an KMU abgeben. Das gäbe einen Innovations,- und Wirtschaftsschub sondergleichen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen