Nun rücken die anderen Kraftwerke in den Fokus

Nachdem der Stromkonzern BKW angekündigt hat, das Atomkraftwerk Mühleberg 2019 abzuschalten, verstärkt sich der Druck auf Beznau. Dies ist das älteste Atomkraftwerk der Welt, das in Betrieb ist. Doch dessen Betreiberin denkt nicht daran, bald den Stecker zu ziehen.

Die Baustelle des AKWs Beznau, aufgenommen am 10.Oktober 1967. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Baustelle des AKWs Beznau, aufgenommen am 10.Oktober 1967. Keystone/Archiv

«Jetzt ist Beznau dran!», twitterte gestern der Waadtländer SP-Nationalrat und Präsident des Fachverbands Swiss-Solar, Roger Nordmann. Beznau ist ein anderes altes und sicherheitsanfälliges Schweizer AKW. Der gestrige Mühleberg-Entscheid der bernischen Kraftwerke beflügelt die AKW-Gegner. Von der Beznau-Betreiberin Axpo wird nun erwartet, dass auch sie möglichst schnell den Stecker zieht.

«Nur leider ist die Axpo nicht so vernünftig wie die BKW. Und ich glaube, dass wir das Gesetz ändern müssen, um schärfere Sicherheitsbedingungen für das Ende von AKWs durchzusetzen», sagt Nordmann. Die Chancen dazu seien seit gestern gestiegen, sagt Nordmann und schaut zuversichtlich auf die kommenden energiepolitischen Debatten im Parlament.

Kein Kommentar

Bei der Axpo gibt man sich auf Anfrage betont gelassen. Man kommentiere keine unternehmerischen Entscheide von Mitbewerbern, heisst es. Und man wolle sich auch nicht an politischen Spekulationen beteiligen. Die Axpo verweist auf die 700 Millionen Franken, die zurzeit in die Sicherheit des 44-jährigen AKWs Beznau investiert würden. «Für das Kernkraftwerk Beznau, beziehungsweise dessen Betrieb, hat die Entscheidung der BKW keine direkten Auswirkungen. Die Axpo beabsichtigt, das Kernkraftwerk Beznau so lange zu betreiben, wie es von der Aufsichtsbehörde als sicher betrachtet wird», sagt Axpo-Sprecher Erwin Schärer

Nach den Investitionen sei Beznau wieder genügend sicher, um deutlich über das Jahr 2020 hinaus betrieben werden zu können, schätzt die Axpo das Sicherheitsniveau selbst ein.

Veränderte Marktbedingungen

Natürlich befasse man sich bei der Axpo auch mit den veränderten Marktbedingungen seit Fukushima. Die grossen Mengen von subventioniertem Solar- und Windstrom sei eine Marktverzerrung. Sie könne nicht von Dauer sein, ermutigt sich die Axpo selbst. Während also die BKW Mühleberg schliesst und die Alpiq ihre AKW-Beteiligungen zurzeit strategisch überdenkt, setzt die Axpo weiterhin auf «ihr» Kernkraftwerk.

«Alter ist ein Sicherheitsrisiko»

Walter Wildi versteht die Axpo-Strategie nicht. Für den früheren Präsident einer Sicherheitsbehörde für Atomkraftwerke ist klar, dass Beznau nicht mehr rentiert und dass der politische Druck ständig zunimmt. «Das hohe Alter ist ein Sicherheitsrisiko – Sanierungen hin oder her », sagt Wildi. «Das Beste ist, so rasch wie möglich abzuspringen und die Rückbaukosten in den Griff zu bekommen und nicht noch etwas in die Länge zu ziehen.»

Dem steht das viele Geld gegenüber, das die Axpo jetzt in Beznau steckt. Je früher das AKW vom Netz geht, desto weniger hätten sich die Investitionen gelohnt. Noch-Axpo-Chef Heinz Karrer hatte deshalb auch schon Entschädigungszahlungen gefordert, falls Beznau bald abgestellt werden muss. Die Axpo versucht, den politischen Gegenwind möglichst lange aushalten und Beznau möglichst lange in Betrieb zu halten.

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