Nun stellt sich die Kostenfrage

Wenn das AKW Mühleberg 2019 vom Netz geht, braucht es Geld für den Rückbau des Kraftwerkes und für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Der Bund rechnet dafür mit 2,6 Milliarden Franken – allein für Mühleberg. Umstritten ist, ob das Geld reicht.

Luftaufnahme des AKW Mühleberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das AKW Mühleberg bei Bern. Keystone

Wer ein Kernkraftwerk betreibt, muss die Stilllegung und die Endlagerung der radioaktiven Abfälle selber bezahlen. Deshalb müssen die Betreibergesellschaften jedes Jahr in zwei Fonds einzahlen: in den Stilllegungs- und in den Entsorgungsfonds. Nimmt die Bernische Kraftwerke AG (BKW) Mühleberg jetzt früher als ursprünglich geplant vom Netz, hat das entsprechende Auswirkungen.

Kürzere Laufzeit – steigende Rückbau-Kosten

Da die Laufzeit des AKW Mühleberg drei Jahre verkürzt werde, müsse die BKW in den verbleibenden drei Betriebsjahren mehr in die Fonds einzahlen, um dies auszugleichen, sagt Marianne Zünd, die Sprecherin des Bundesamtes für Energie.

Konkret geht es dabei um einen zweistelligen Millionenbetrag, den die BKW insgesamt stemmen muss. Das sei kein Problem, sagt die Chefin der BKW, Suzanne Thoma: «Wir sind genau auf Plan mit den Spareinlagen.» Es gebe deshalb keine Sorgen bezüglich der Finanzierung der beiden Fonds.

Allerdings hat der Bundesrat im Sommer beschlossen, dass die beiden Fonds massiv aufgestockt werde müssen. Grund: Die Kosten für Stilllegung und Entsorgung eines AKW seien in den letzten Jahren stark angestiegen, wie die BFE-Sprecherin ausführt. Sie betont, es brauche mehr Geld in den Fonds, sonst müsse am Schluss die Bevölkerung bezahlen.

Geld fehlt beim Umstieg auf Erneuerbare

Bei der BKW und den anderen AKW-Betreibern sieht man das anders: Mit dem Vorschlag des Bundesrates «sparen wir mehr Geld an, als wir brauchen», sagt BKW-Chefin Thoma. Das sei schade, denn dieses Geld werde dann nicht in neue Investitionen fliessen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien werde damit schwieriger.

Die beiden BKW-Vertreter informieren die Medien über die Pläne zu Mühleberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: BKW-CEO Suzanne Thoma und VR-Präsident Urs Gasche. Keystone

Tatsächlich geht es um viel Geld. BKW, Axpo und Alpiq müssten laut den Bundesratsplänen künftig fast doppelt so viel Geld in die Fonds einzahlen wie bisher. Alleine für die BKW würde dies bis zur Stilllegung Mühlebergs 600 Millionen Franken bedeuten, statt der bisher berechneten 300 Millionen Franken.

Kritiker der Atomenergie befürchten jedoch, dass das Geld auch so noch immer nicht ausreicht. Die Erfahrung in anderen Ländern habe gezeigt, dass die Endlager für die radioaktive Abfälle von Jahr zu Jahr teurer würden, als erwartet.

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