NZZ und FDP: «Verwaltungsrat lebte auf einem anderen Planeten»

Der Verwaltungsrat der NZZ wollte den Blocher-nahen Markus Somm zum Chefredaktor machen – und scheiterte. Die Zeitung steht traditionell der FDP nahe. Was halten die Liberalen von den gescheiterten Plänen des Verwaltungsrats und wie soll es nun weitergehen? Prominente Freisinnige nehmen Stellung.

Gebäude der NZZ in Zürich Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Die NZZ und die FDP haben die identische DNA»: Sitz der Zeitung in Zürich. Keystone

Früher sassen NZZ-Chefredaktoren als FDP-Nationalräte im Parlament und machten in ihrer Zeitung Politik. Inzwischen hat sich das Band gelockert, die NZZ druckt auch andere Meinungen ab. Sie ist aber immer noch stark einer liberalen Haltung verpflichtet. Mit der gescheiterten Ernennung des Blocher-nahen Markus Somm als Chefredaktor hat der Verwaltungsrat aber einen Richtungswechsel angestrebt. Wie soll sich die Zeitung nun ausrichten und wofür steht sie?

Ein FDP-Parteiblatt sei die NZZ nicht mehr, betont FDP-Parteipräsident Philipp Müller. Aber eine natürliche Nähe zwischen der Partei und der Zeitung gebe es schon: «Die NZZ und die FDP haben die identische DNA.» Beide verpflichteten sich dem Liberalismus, einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. «Da gibt es Parallelen.»

Somms Ernennung «hätte zur Katastrophe geführt»

Wegen dieser Nähe sagen auch alle angefragten FDP-Politiker, die NZZ sei wichtig für die FDP. Als Zeitung eben, welche die liberalen Positionen vertrete. FDP-Ständerat Felix Gutzwiller begründet es so: «Gerade eine liberale Partei ist darauf angewiesen, dass in der Gesellschaft liberale Grundüberzeugungen und -werte zum Ausdruck kommen, diskutiert und thematisiert werden. Und das tut die NZZ.»

Umso mehr nehmen die freisinnigen Politiker Anteil am Schicksal der NZZ und die Meinungen sind gemacht: Zum Versuch des Verwaltungsrates, Somm als neuen NZZ-Chefredaktor zu installieren, sagt FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann. Zwar bringe Somm als Chefredakor der Basler Zeitung gute journalistische Leistungen. «Letztlich hat er aber eine Ideologie, die nicht mit der weltoffenen, liberalen NZZ zusammenpasst. Das hätte zur Katastrophe geführt.»

Kritik an Verwaltungsrat

Portmann ist überzeugt, dass sich viele Leser von der NZZ abgewendet hätten. Dass der NZZ-Verwaltungsrat nur schon auf die Idee kam, Somm anzufragen, verstehe er überhaupt nicht: «Man lebt auf einem anderen Planeten, wenn man sein Unternehmen und seine Stammkundschaft so schlecht kennt. Man hätte wissen müssen, dass das nicht zusammenpasst.»

Auch Ständerat Gutzwiller hat grosse Mühe mit dem Verwaltungsrat – in dem ja mit Karin Keller-Sutter notabene eine FDP-Ständerätin sitzt. Er könne nur schlussfolgern, dass der Verwaltungsrat das liberale Zürich und die Emotionalität rund um die liberalen Grundwerte zu wenig miteinbezogen habe: «Vielleicht war er auch zu weit weg von der Zürcher Szene, um voraussehen zu können, was diese Berufung auslösen wird.»

Angst vor Blocher-Nähe

Die Mehrheit der FDP ist also froh, dass Somm abgesagt hat. Doch im rechten Flügel der FDP gibt es Stimmen, die gut mit ihm hätten leben können. Etwa Ex-Journalist Filippo Leutenegger. Er war bei der Basler Zeitung einmal Somms Verleger: «Er ist ein echter Liberaler.» Bei jedem Chefredaktor oder Politiker werde versucht, ihn in eine bestimmte Schublade zu stecken. Zwar habe Somm eine konsequente Haltung, «aber ihm werden viele Etiketten angehängt, die so nicht stimmen».

Leutenegger, der heute in der Zürcher Stadtregierung sitzt, ist mit dieser Meinung allerdings ziemlich alleine innerhalb der Partei. Viele FDPler hoffen jetzt sehr, dass kein Rechtsbürgerlicher gewählt wird. Nationalrätin Doris Fiala glaubt gar, dass es gefährlich würde, wenn die Zeitung einen Blocher-nahen Kurs einschlägt: «Das würde mir Sorgen machen.»