Mühe mit der SBB-Website Onlineauftritt fällt bei Sehbehinderten durch

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Sehbehinderte haben Probleme mit der SBB-Website

1:50 min, aus Tagesschau vom 24.4.2017

Wenn der sehbehinderte Luciano Butera seine Zugverbindung auf der Website der SBB sucht, ist er schnell frustriert: Er arbeitet beim Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband. Am Computer benötigt er eine Tastatur mit Blindenschrift und eine Software, die ihm die Internetseiten vorliest. Mit dem neuen SBB-Internetauftritt hat sogar der Leiter der Fachstelle Technologie seine liebe Mühe.

Butera: «Es gibt zwei Stufen von Hindernissen»

0:21 min, vom 24.4.2017

«Ich brauche bei der neuen Version vier Mal länger, bis ich ans Ziel gelange», so Butera. «Der eigentlich grösste Aufwand besteht darin, dass ich überhaupt in das Formularfeld gelange, in dem ich meine Zugverbindung eintragen kann», erklärt er. War er in der alten Version von Beginn weg im Feld, wo er seinen Start-Ort eintragen konnte, muss er sich jetzt zuerst dorthin navigieren.

Seit Anfang Monat ist der neue Onlineauftritt der SBB aufgeschaltet. Laut Eigenwerbung ist er modern, anpassungsfähig und aufgeräumt. Für die Mehrheit der SBB-Nutzer mag die renovierte Internetsite praktischer sein. Für Blinde und Sehbehinderte dagegen hat die überarbeitete Version vor allem Nachteile.

SBB verspricht Besserung auf Ende Jahr

Der SBB ist das Problem bekannt – sie gelobt Besserung: «Wir möchten, dass alle unsere Kunden den gleichen qualitativ guten Zugang zu unserem Webangebot haben. Da arbeiten wir auch in den nächsten Monaten dran, dass wir auf Ende Jahr eine Zertifizierung hinbekommen», verspricht SBB-Mediensprecher Christian Ginsig.

Hess: «Das Gesetz wurde nicht ernst genommen»

0:30 min, vom 24.4.2017

Zu spät, heisst es beim Behindertendachverband Inclusion Handicap. Schliesslich sei die Kritik an der Seite nicht neu: «Die SBB wusste, dass die Webseite nicht barrierefrei ist für Menschen mit einer Sehbehinderung. Trotzdem haben sie sich für eine Veröffentlichung entschieden», sagt deren Leiterin Caroline Hess.

SBB-App ist besser

Dass die SBB eine Verbesserung erst auf Ende Jahr verspricht, ist für Hess inakzeptabel: «Seit 2004 ist der SBB bekannt, dass sie ihre Kommunikationssysteme an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen anpassen müssen», sagt Hess. Deshalb will sie sich nicht noch ein halbes Jahr vertrösten lassen.

Der Behindertendachverband kündigt deshalb auch an, dass er Betroffene bei Klagen gegen die SBB unterstützen will. Luciano Butera nutzt vorerst ausschliesslich die SBB-App. Diese sei grundsätzlich gut zu bedienen.