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Schweiz Pelz-Deklaration am Pranger

Trotz der neuen Schweizer Deklarationspflicht für Pelzmode boomt der Handel mit fragwürdigen Kleidungsstücken. Besonders Kapuzenkrägen mit Marderhund-Fellen aus China sind beliebt. Ein Video-Dokument der «Rundschau» zeigt, wie brutal die Produktion immer noch ist.

Legende: Video Tierquälerei: Pelz tragen ist wieder in abspielen. Laufzeit 09:20 Minuten.
Aus Rundschau vom 08.01.2014.

Vorbei die Zeiten, als Brigitte Bardot sich als Pelzgegnerin in Szene setzte und Prominente weltweit sich «lieber nackt als im Pelz» zeigten. Nach rückläufigen Geschäftsjahren registriert die Pelzbranche neue Rekorde.

Daran ändert offenbar auch die Schweizer Deklarationspflicht nichts. Die neuen Vorschriften stammen vom März 2013 und sollen nun nach einer Übergangsfrist verbindlich im kommenden Frühjahr umgesetzt werden.

Importverbot gefordert

Für die «Rundschau» hat Vanessa Gerritsen von der Stiftung «Tier im Recht» die Probe aufs Exempel gemacht. An der Zürcher Bahnhofstrasse besuchte sie diverse grosse und kleine Modehäuser. Schon im ersten Laden, in dem sie Marderhund-Pelze fand, bekam sie von vier verschiedenen Angestellten vier verschiedene falsche Auskünfte zu Herkunft und Haltung der Tiere.

«Die Deklarationspflicht ist der falsche Weg», zieht Vanessa Gerritsen ihr Fazit. Nötig sei ein Importverbot. «Die Deklarationspflicht ist einfach beschönigend, sie beruhigt das Gewissen.»

Brutale Szenen

Chinesische Produzenten halten in riesigen Tierfarmen Marderhunde in engen Einzel-Kojen auf Gitterböden. Im Herbst setzen die Tiere ihr begehrtes Fell an - mit dichten langen Haaren und den charakteristischen schwarzen Spitzen. Das ist ihr Verhängnis.

Die «Rundschau» zeigt, wie Marderhunde auf einem chinesischen Marktplatz mit Eisenstangen tot oder eben nur halbtot geschlagen werden, bevor ihnen – oft bei

Tote Marderhunde
Legende: In China wird den Marderhunden oft bei lebendigem Leib das Fell abgezogen. Keystone

lebendigem Leib – der Pelz abgezogen wird. Die Aufnahmen eines deutschen Dokumentarfilmers stammen vom vergangenen Winter. Solche Pelze sind jetzt im Handel. Genaue Zahlen dazu liefert die Zollstatistik aber nicht.

Deklarationspflicht schafft Transparenz

Die neue Deklarationspflicht verteidigt Mathias Lörtscher vom Bundesamt für Veterinärwesen. Entscheidend sei, dass die Kunden sich über Herkunft der Pelze informieren und dann entscheiden könnten. «Wenn die Konsumentin und der Konsument weiss, dass Marderhunde in gewissen Ländern schlecht behandelt werden, wird er vielleicht das Produkt nicht mehr kaufen», erklärt Lörtscher.

Die Schweizer Vorschriften lassen es zu, dass bei Unklarheit etwa folgende Etikette dem Pelz beigefügt wird: «Kann aus Fallenjagd, oder Jagd ohne Fallen oder aus jeglicher Haltungsart insbesondere auch aus Käfighaltung stammen.» Auch da könne der Kunde selber entscheiden, ob er so ein Produkt tragen möchte oder nicht, meint Lörtscher. Zahlreiche von der «Rundschau» in der Zürcher Innenstadt befragte Personen hatten ohnehin keine Ahnung, woher der Pelz an ihrem Kapuzenkragen stammte.

Betroffene Firmen kündigten gegenüber der «Rundschau» an, sie würden das Verkaufspersonal besser schulen und die Herkunftsbezeichnung der Ware genauer kontrollieren. Grundsätzlich beziehe man aber bereits heute Pelze nur von vertrauenswürdigen Lieferanten.

Die Pelz-Deklarationspflicht gilt verbindlich ab 1. März 2014. Die Behörden können danach in den Läden Stichproben machen. Fehlbare Detailhändler risikieren dann eine Busse von bis zu 10'000 Franken.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Erika Schaub, 2944 Bonfol
    Kann keine bilder oder videos mehr anschauen, es hört einfach nicht auf mit der tatsache das es mit den tieren immer auf brutallster weisse ihr leben lassen müssen, und geschweige die haltung von Ihnen, habe diese woche sogar in der Migros ein kleidungsstück mit angeblich kunstfell aus China gesehen , glaube nicht das es unecht ist. Mir wirfft mann immer vor das ich tiere lieber habe als die Menschen, aber leider ist es so,
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bundey
      Sie stehen da nicht alleine, mir sind Fauna+Flora auch liebenswerter als Menschen. Kein anderes Geschöpf verhält sich so zerstörerisch wie der Mensch auf seinem kurzsichtigen Egotrip.Die Devise lautet: nach mir die Sintflut. Menschen, ob Jetset oder Mittellose, sie wollen alle alles, und es ist ihnen dabei schnorze, wie was entstanden ist und was sie mit ihrem Konsum anrichten können. Ihr Alltag ist von abgestumpfter Gleichgüligkeit, die Bemühungen nach solchen Berichten leider nur kurzfristig.
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  • Kommentar von Rolf Frei, 8800 Thalwil
    Mann, mir läuft es kalt den Rücken runter. Wie Geldgierig muss Spezies Mensch sein um mit solchen Quälereien noch an die Börse zu gehen! Wie würden die Verantwortlichen wohl reagieren, wenn sie auch so zitternd, verängstigt und im Gewissen sind, jetzt ist schluss reagieren! Aufgeschlitzt bei lebendigem Leibe, erstickt oder erschlagen zu werden, ohne Betäubung.. Diejenigen sollte das gleiche Erfahren, ich hoffe es. Und diejenigen die das kaufen, kann man als Bonus für die Zucht nachliefern. R.F.
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  • Kommentar von Marie-Luise Reck, Turbenthal
    Primitive Steinzeitmenschen haben vor über 2 Millionen Jahre Tiere gejagt, erschlagen, gegessen und das Fell getragen und über 2 Millionen Jahre später genau das gleiche Verhalten heute nennt man das fortschrittliches Denken ist schon verrückt was aus einer Überlebungstaktik enstanden und bis heute Bestandteil der Menschheit ist Wahnsinn. Wen auf einer Etikette steht das, das Tier aus Artgerechter Haltung stamme ist es eine Lüge, Käfig ist NIE Artgerecht nur ein Mensch kann so denken.
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