Pendlerland Schweiz Hier verkaufen sich GA und Halbtax am besten

Die Popularität von General- und Halbtax-Abonnements variiert stark. Bisher unveröffentlichte Zahlen der SBB zeigen deutliche regionale Unterschiede.

Das erste Generalabonnement gab es im Jahr 1898. Es kostete 420 Franken. Das mag aus heutiger Sicht günstig wirken, doch unter der Berücksichtigung der Teuerung würde ein 420-fränkiges GA von damals heute über 5000 Franken kosten. Ein Grund, der die Verbreitung des GAs wahrscheinlich lange bremste. Heute ist das GA ein Kassenschlager – aber nicht überall gleichermassen.

Heute veröffentlichte Zahlen zeigen nämlich auf, wie unterschiedlich GA und Halbtax verbreitet sind. Auffällig: In der lateinischen Schweiz sind sie deutlich weniger beliebt als in der Deutschschweiz.

Abonnements pro Gemeinde

Warum gibt es einen GA/Halbtax-Röstigraben? Dazu SBB-Mediensprecher Christian Ginsig: «Ein wichtiger Grund dürfte der Arbeitsmarkt sein, der sich nach wie vor stark an den Sprachregionen orientiert.» Und da die Romandie kleiner sei, seien dort auch die Wege kürzer, und damit die Attraktivität eines GA im Vergleich zu den verschiedenen Verbundabonnementen geringer.

Das gespaltene Wallis. «Gerade hier wird der Röstigraben deutlich», so Ginsig. «Seit dem im Jahr 2007 eröffneten Lötschberg-Basistunnel ist die Pendlerstrecke zwischen Visp und Bern sehr attraktiv.» Für diese Verbindung gäbe es kein Verbund-Abo, darum sei das GA hier besonders beliebt. «Allerdings ist es auch möglich, dass die hohe Anzahl Halbtax-Abos (fast 50 auf 100 Einwohner) teilweise auf Ausländer mit einer Ferienwohnung in der Schweiz zurückzuführen ist», spekuliert Ginsig.

Das Tessin als Schlusslicht. Im Tessin gibt es anteilsmässig sowohl am wenigsten General- als auch Halbtax-Abos. Auch hier würden Sprachgrenze und Verbundbillette eine Rolle spielen. Ginsig betont aber: «Wir haben nur Daten bis 2016. Wir erwarten, dass der Gotthard-Basistunnel das Wachstum insbesondere beim Halbtax positiv beeinflussen wird, also eher beim Freizeitverkehr.» Ähnlich sähe dies bereits heute bei den Innerschweizer Kantonen Nid- und Obwalden aus, wo zwar viele Einwohner ein Halbtax haben, aber nur wenige ein GA. Im Vergleich: Spitzenreiter bei den Kantonen sind Bern mit zehn General- und Zug mit fast 40 Halbtax-Abos auf 100 Einwohner. Diese starken Unterschiede überraschen auch SBB-Sprecher Ginsig.

Häufungen an den Verkehrsknotenpunkten. Noch höhere Quoten sind auf lokaler Ebene zu finden – zum Beispiel bei den Städten Olten, Aarau oder Bern. An diesen ÖV-Drehscheiben ist rund ein Fünftel der Wohnbevölkerung im Besitz eines GAs. Eine beträchtliche Zahl im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 5,6 GAs pro 100 Einwohner. Ginsig, der selber in Olten wohnt, bestätigt: «Das ist Pendler-Logik und macht diese Städte besonders attraktiv.»

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Über die Daten

Über die Daten

Die Daten und die Methodik hinter der Auswertung finden Sie auf dem Open-Data-Portal von SRF Data.

Städter haben häufiger ein GA oder Halbtax. Diese «Pendler-Logik» zeigt sich auch beim Vergleich Stadt-Land. Auf 100 Stadtbewohner kommen rund sechs General- und 30 Halbtax-Abonnemente. Auf dem Land sind es vier General- bzw. 24 Halbtax-Abos. Je mehr Einwohner, desto mehr GAs also? Die Zahlen bestätigen dies. Gründe sieht SBB-Sprecher Ginsig in der hohen Dichte des öffentlichen Verkehrs, aber auch in den Preisen für Parkplätze in den Zentren. Ausnahmen seien hier aber Städte wie Genf, Lugano und La Chaux-de-Fonds, die mit unter drei GAs auf 100 Einwohner zu den Schlusslichtern zählen. Wahrscheinlich macht die periphere Lage dieser Städte innerhalb des Schweizer Eisenbahnnetzes ein GA oder Halbtax weniger attraktiv als beispielsweise in Olten, mutmasst Ginsig.

Letztlich ist es wohl auch eine Preisfrage. Die Häufung der GA-Kunden in Zürich oder Bern legt nahe, dass sich die Leute in wirtschaftlich starken Regionen eher ein GA leisten können. Heute kostet das GA mit 3860 Franken deutlich mehr als früher. 1990 lag der Preis beispielsweise noch bei 2150 Franken. Derjenige für das Halbtax stieg im selben Zeitraum von 110 auf 185 Franken.

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Die GA-Hochburg Olten

3:37 min, aus Schweiz aktuell vom 21.9.2017

Quellen und Methodik

Die Informationen zur interaktiven Karte und den Werten im Artikel stammen aus dem Datensatz des Direkten Verkehrs Schweiz zur Verbreitung von GA und Halbtax. Der Fokus dieser Analyse bezieht sich auf das Jahr 2016. Zuerst erfolgte die Zuordnung zu den Daten der ständigen Wohnbevölkerung anhand der Postleitzahl. Danach wurden die Postleitzahlen den Gemeinden zugeordnet. Damit wurde ein direkter Bezug zur Raumgliederung (zum Beispiel zur Aufteilung in Sprachregionen) der Schweiz hergestellt. Aufgrund einer Mittelung der Daten bei Postleitzahlen mit weniger als 20 Abonnements kann es bei der Karte insbesondere bei kleinen Gemeinden zu leichten Verzerrungen kommen.